„Halmaspiel“ (2017)

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Kurzfilm / Deutschland / Animation / 2017

Filmkritik: Betina Kuntzsch schuf mit „Halmaspiel“, zu Gast auf dem 30. Filmfest Dresden, einen Kurzfilm, der gleichzeitig deutsche Zeitgeschichte erzählt und ganz persönlich von der eigenen Mutter berichtet.

Aufgewachsen als junges Mädchen in der NS-Diktatur macht die Modegestalterin Kuntzsch in den 50er Jahre in der DDR ihre Lehre und kam später wegen Republikflucht ins Gefängnis. Mit der Grenzöffnung kommt die ersehnte Freiheit. In all diesen Jahren wird sie von ihrer Liebe zum Halmaspiel begleitet.

Für ihren vierten Kurzfilm wählte die Filmemacherin Betina Kuntzsch ein sehr persönliches Thema – die Lebensgeschichte ihrer Mutter. Ihr Leben umspannt den Zeitraum von der NS-Zeit bis zur Gegenwart. Dabei erzählt sie mit einem sachlichen, aber einfühlsamen Ton von den Wegpunkten ihrer Mutter, liefert aber gleichzeitig auch einen zeitlichen Abriss der jüngeren Geschichte Deutschlands. Er handelt von jüdischen Nachbarn, von der DDR sowie dem Mauerfall und erzählt eine Biographie, welche von ständiger Anpassung geprägt ist, und wie sich das Leben dadurch verändert. Diese Mischung ist sachlich und emotional zugleich und funktioniert wunderbar.

Für die Bebilderung benutzt die studierte Künstlerin Betina Kuntzsch (*1963) diverse Zeitdokumente, darunter das Gesellenstück der Mutter als Schneiderin, Modezeichnungen, autobiographische Notizen, Prozessakten und Spielfiguren. Diese Elemente verbindet sie zu einer stimmigen Collage, welche das Leben der Mutter dokumentarisch und fragmentiert wiedergibt, alles verbunden durch den Off-Kommentar. Während des 15-minütigen Kurzfilms taucht das titelgebende Halmaspiel immer wieder auf. Es findet sich als Davidstern wieder, genauso wie als ein selbstgebasteltes Spiel im Gefängnis. Das Spiel verbindet die Zeitebenen und spiegelt die Lebensphasen der Mutter wunderbar wieder. So schafft es Kuntzsch, auch hier wieder fast in kompletter Eigenregie – sie übernahm Regie, Ton, Schnitt und die Animation – einen Kurzfilm zu schaffen, der emotional und sachlich, sowie persönlich und zeitgeschichtlich-relevant zugleich ist.

Fazit: Der deutsche Kurzfilm „Halmaspiel“ von Betina Kuntzsch bebildert mit animierten Zeitdokumenten das Leben der eigenen Mutter. Dabei spricht sie offen von deren Leben und zieht gleichzeitig eine historische Spanne von der NS-Zeit bis zur Gegenwart. Sie liefert ein Portrait der jüngeren Zeit aus einem sehr persönlichen Standpunkt heraus und findet dafür den richtigen kreativen Ansatz, der authentisch und trotzdem abstrahiert ist.

Bewertung: 8/10

Trailer des Kurzfilms „Halmaspiel“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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