Sieben Fragen an David De La Fuente

Interview: Im Gespräch mit dem amerikanischen Regisseur David De La Fuente konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Compositions for Understanding Relationships“, der auf dem 28. Slamdance 2022 im Rahmen der Experimental Shorts lief, erfahren, wie dieser aus einer Performance heraus entstand, wie er die Animationen für sich entwickelte, welche Rolle Papier dabei spielte und wie ein bestimmter Satz die Kernaussage bildet. 

The original english language interview is also available.

Kannst Du mir am Anfang ein bisschen zum Ausgangspunkt Deines Animationsfilms erzählen?

Ursprünglich habe ich diesen Film 2015 als Teil eines Studentenprojekts am Ende meines dritten Studienjahres an der Rhode Island School of Design begonnen. Die ursprüngliche Version dieses Films war eine Echtzeit-Animationsperformance, die sich durch verschiedene Bildmotive bewegte, die im Rahmen der queeren Liebe spielten. Danach hatte ich immer das Gefühl, dass das Projekt nicht abgeschlossen war, und Jahre später, im Jahr 2019, beschloss ich, dieses Projekt wieder aufzugreifen und es in einen kurzen Animationsfilm zu übertragen.

Welche Kernaussage lag Dir am Herzen?

Als ich begann, den Film zu animieren, kam mir ein Satz immer wieder in den Sinn, fast wie ein Mantra. Es ist der Satz, mit dem der Film beginnt: „Diese Bilder sind für uns.“ Ich bin mir nicht sicher, warum er bei mir hängen geblieben ist, aber es war eine Botschaft, die für mich zu einem Sucher wurde, um zu verstehen, wie ich diesen Film gemacht habe. Er war für uns.

Wie hast Du die Optik der Animationen entwickelt – was war Dir dabei wichtig?

Während des Vorproduktionsprozesses stellte ich fest, dass ich wollte, dass der Film aussieht und sich anfühlt wie Papier. Ich wollte, dass er rau, zart, verletzlich und sehr strukturiert ist. Ich hatte für dieses Projekt die Regel aufgestellt, dass der Film kein absolutes Weiß oder Schwarz enthalten sollte, sondern eine Reihe von Farben, die diese Werte simulieren. So sind die Hintergründe in sanften Gelb-, Grün-, Violett-, Blau- und Orangetönen gehalten, die die Farbe eines ‚weißen‘ Blattes Papier simulieren. 

Wie hast Du die Animationen umgesetzt?

Die Animation für „Compositions for Understanding Relationships“ besteht ausschließlich aus handgezeichneten Bildern (Bleistift auf Papier). Mit der Rotoskop-Methode zeichnete ich eine Sammlung von Bildern, die ich für den Film beschafft hatte. Die Produktion der Animation dauerte etwas mehr als ein Jahr; sie begann im Januar 2020 und endete Anfang 2021. Ich wollte, dass sich der Film wie ein Skizzenbuch anfühlt, also habe ich die Bleistiftlinien und -markierungen am Ende beibehalten. Nachdem ich die Hauptanimation abgeschlossen hatte, fügte ich einige 2D-Computeranimationen hinzu, um die Bilder zu ergänzen. Diese Computergrafiken wurden dann ausgedruckt und wieder in den Computer eingescannt, um den nötigen Einklang herzustellen. 

Die Musik unterstützt perfekt den Film – kannst Du mir ein bisschen mehr davon erzählen?

Anders als bei meinen früheren Filmen hatte ich zu Beginn keinen bestimmten Soundtrack oder eine bestimmte Art von Musik im Kopf. Ich wollte warten, bis ich mit der Animation fertig war, um zu sehen, wie die Bilder klingen sollten. Als ich mit dem Schnitt begann, stieß ich auf Tyler Barber, dessen Musik im Film verwendet wird, und verliebte mich sofort in seine Arbeit. Sie passte perfekt zu den Bildern. Zusätzlich zur Musik von Tyler fügte ich etwas Sounddesign und Abmischung hinzu, um einige der Details in den Bildern zu unterstützen.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich wurde in New York geboren und wuchs in Südflorida in einer großen mexikanisch-amerikanisch-jüdischen Familie auf. Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Zeichentrickfilme. Ich habe oft Bilder aus den Zeichentrickfilmen gezeichnet, mit denen ich im Fernsehen aufgewachsen bin. Später lud ich mir Episoden über LimeWire herunter und zerlegte sie Bild für Bild, um die Animation zu verstehen. Meine Familie hat mich auf meinem kreativen Weg immer unterstützt, Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke drehten sich immer um Kunstmaterialien und Zubehör (ich besitze immer noch meinen ersten Leuchtkasten aus dem Jahr 2008). Als ich aufwuchs, wollte ich Storyboardzeichnerin werden und in einem Team in einem Animationsstudio für das Fernsehen arbeiten. Ich hatte kein Interesse daran, Kurzfilme zu machen, bis ich im College zum ersten Mal gebeten wurde, einen eigenen Film zu drehen. Ich war wirklich überrascht, wie sehr ich diesen Prozess des Schaffens für mich selbst brauchte, er wurde unglaublich therapeutisch. Es half mir, mich selbst in einer sehr wichtigen Zeit zu verstehen, und bietet auch heute noch einen Raum für Heilung, Ehrlichkeit und Reflexion. Obwohl ich immer noch Storyboard-Künstler bewundere, erstelle ich kein Storyboard für meine eigenen Filme. 

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ja, ich bin gerade von einer wirklich tollen Reise aus Portugal zurückgekehrt und fühle mich erfrischt und begierig, ein neues Projekt zu beginnen! Es ist ein Jahr her, dass ich „Compositions for Understanding Relationships“ fertiggestellt habe, und ich wollte mir eine Pause gönnen, bevor ich einen neuen Film beginne. Burnout in der Animationsbranche ist sehr real, besonders wenn man während einer Pandemie in einer turbulenten Zeit nonstop arbeitet. Nach der Fertigstellung meines Films setzte das Gefühl des Ausgebranntseins ein, und ich hatte das Gefühl, dass ich nichts mehr zu sagen oder zu meinem Prozess beizutragen hatte. Seit 2015 habe ich immer wieder neue Projekte in Angriff genommen – und immer wieder neue Arbeiten gemacht. Zum ersten Mal wollte ich eine Pause einlegen und mir Zeit nehmen, um meinen Wunsch, Filme zu machen, neu zu bewerten. Während dieser kreativen Pause habe ich den Wunsch verspürt, mehr zu machen, und mit neuer Motivation freue ich mich darauf, wieder anzufangen. Neulich saß ich in einem Café und las einige Bücher, die mein Interesse weckten. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was es sein wird, aber ich möchte mich wie eine Landschaft fühlen: offen, flüchtig, reichhaltig und frei. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Compositions for Understanding Relationships


Interview: In our conversation with American director David De La Fuente, we were able to learn more about his short film „Compositions for Understanding Relationships“, which screened at the 28th Slamdance 2022 as part of the Experimental Shorts, how it came out of a performance, how he developed the animations for himself, what role paper played in the process, and how one particular phrase forms the core message.  

At the beginning, can you tell me a bit about the starting point of your animated film?

I originally started this film in 2015 as part of a student project at the end of my third year in college at the Rhode Island School of Design. The original version of this film was a real-time animation performance that journeyed its way through various images that played within the framework of queer love. Afterwards, I had always felt the project was not finished and years later in 2019 I decided to revisit this project and translate it into a short animated film.

What was the core message that you had at heart?

When I started animating the film, a phrase kept returning to me almost like a mantra. It’s the sentence that opens the film “These images are for us”. I’m not sure why it stuck with me but It was a message that became a viewfinder for me to understand how I was making this film. It was for us.

How did you develop the look of the animations – what was on your mind?

During the pre-production process, I found that I wanted the film to have the look and feel of paper. I wanted it to be rough, delicate, vulnerable, and very textural. I had made a rule for this project that the film would feature no absolute white or blacks and instead feature a range of colors that simulate those values. So the backgrounds are shades of  soft yellow, greens, purple, blue, orange; tones that simulate the color of a “white” piece of paper. 

How did you implement the animations?

The animation for “Compositions for Understanding Relationships” are all hand drawn (pencil on paper) frames. Using the rotoscope method, I hand drew a collection of images that I had been sourcing for the film. The animation production took a little over a year to complete; starting in January of 2020 and wrapping up production in early 2021. I wanted the film to feel like a sketchbook so I kept the pencil lines and marks in the end. After I finished the principal animation, I added some 2D computer animation to help supplement the images. Those computer graphics were then printed and scanned back into the computer for cohesion. 

The music perfectly supports the film – can you tell me a bit more about it?

Unlike my previous films, I did not start with a given soundtrack or a type of music in mind. I wanted to wait until I was finished animating to see how the images needed to sound like. Once I started editing I came across Tyler Barber, whose music is used in the film, and really fell in love with this work. It was a perfect match for the images. In addition to Tyler music, I added some sound design and mixing to support some of the details in the images.

Can you tell me a bit more about yourself and how you got into film?

I was born in New York and grew up in South Florida with a large Mexican American Jewish family. I’ve been interested in animation since I was a kid, often drawing frames from the cartoons I grew up with on TV. Later on, I would download episodes via LimeWire and break them down frame by frame to try and understand animation. My family has always supported me in my creative journey, birthday and holiday gifts always revolved around art materials and supplies (I still own my first lightbox from 2008). Growing up, I wanted to be a storyboard artist working on a team in an animation studio for television. I had no interest in making short films until I was in college where for the first time I was asked to make a film of my own. I was really surprised by how much I needed that process of making work for myself, it became incredibly therapeutic. It helped me understand myself during a very important time and continues to provide a space for healing, honesty, and reflection. Although I still admire storyboard artists, I do not storyboard my own films. 

Are there any new projects already planned?

Yes, I just returned from a really great trip in Portugal and feel refreshed and eager to start a new project! It has been a year since I finished “Compositions for Understanding Relationships” and I wanted to give myself a break before starting a new film. Burnout in the animation industry is very real, especially when you’re working nonstop during a pandemic amongst a turbulent time. After finishing my film, the feeling of being burned out started, and I felt as if I had nothing else to say or give to my process. Previously, since 2015 I have been back to back in my projects – constantly making new work. For the first time, I wanted to step away and give myself time to reevaluate my desire to make films. During this creative hiatus I found my desire to make more work, and with new motivation I am really excited to start again. The other day I sat in a cafe and read some books that caught my interest. I’m not quite sure what it will be just yet but I want to feel like a landscape; open, transient, abundant, and free. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the short film “Compositions for Understanding Relationships

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