„Die Sirene“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der Animationsfilm „Die Sirene“ (OT: „La Sirène“, Frankreich/Luxemburg/Deutschland/Belgien) von Sepideh Farsi, der auf der Berlinale die Sektion ‚Panorama‘ feierlich eröffnete, erzählt von historischen Ereignissen, die Iran im Jahre 1980 erschütterten und ist gleichzeitig sehr aktuell.

Der 14-jährige Omer lebt in der iranischen Ölmetropole Abadan. Als der Ort von irakischen Raketen angegriffen wird, will er, wie sein Bruder, am liebsten gleich selbst als Soldat in den Krieg ziehen. Doch vor Ort, wo er in den chaotischen Wirrungen die bekannte Diva Elaheh und deren Tochter Pari kennenlernt, stehen ihm andere Aufgaben bevor. So fungiert er nicht nur als Bote, sondern überlegt sich auch einen Weg aus der belagerten Stadt, wie er sich und all seine Nachbarn retten kann.

Die Regisseurin Sepideh Farsi, die selbst aus dem Iran geflüchtet ist, schuf mit „Die Sirene“ einen Animationsfilm, der ein Kapitel der Geschichte des Landes Iran, aber auch gleichzeitig immer noch brandaktuelle Themen wie Heimatverlust, Krieg und Flucht beleuchtet. In 100 Minuten begleiten wir den jungen Omer, der anfänglich die Euphorie des Kampfes und des Krieges auf eine kindliche, spielerische Weise verkörpert, dabei sogar noch Zeit fürs erste Verliebtsein hat, aber dann nach und nach den Ernst der Lage erkennt und zu einem handelnden Mann werden muss. Der Film folgt dem Verlauf einer klassischen Coming-of-Age-Geschichte, nur dass dies alles im Krieg spielt. Er macht den Schrecken für die Bewohner:innen mit allen seinen Konsequenzen deutlich. Er führt verschiedene Figuren mit differenzierten Ansichten und Einstellungen ein, macht greifbar, warum manche Menschen auch eine bombardierte Stadt nicht verlassen wollen und fängt wunderbar das Chaos auf den Straßen wie auch das emotionale Chaos in den Menschen ein. Leider wählt die Regisseurin als Identifikationsfigur einen Jungen, dessen Euphorie und Fokussierung auf bestimmte Dinge ihn den Zuschauer:innen nicht näher bringt, so dass immer eine gewisse Distanz vorhanden bleibt. Hinzu kommt eine optische Ausgestaltung, die nicht jedermanns Geschmack trifft. Die computergenerierten 2D-Animationen sind schlicht gehalten, besitzen zwar eine starke farbliche Ausgestaltung, aber wenig Lebendigkeit. Der Stil passt so nicht zu der perfekt abgestimmten Musik (Soundtrack von Erik Truffaz) des Films, welche gleichzeitig nochmal betont, was für ein künstlerisch freies Land der Iran einmal war. So entstand ein Animationsfilm, der viel über die Zeitgeschichte erzählt, auch wenn er mit seiner Hauptfigur und dem gewählten Stil nicht ganz ins Schwarze trifft.

Fazit: „Die Sirene“ ist ein Animationsfilm von Sepideh Farsi, der eine Geschichte aus den 80er Jahren aus dem Iran erzählt und gleichzeitig auf die Gegenwart blickt. Realitätsnah und mit einem gelungenen Soundtrack unterlegt, schaut der Film auf die Menschen im Krieg. Auch wenn der Film optisch bestimmt nicht jeden anspricht, ist er ein interessanter Animationsfilm, der sich das Genre für ein ernstes Thema zu eigen macht. 

Bewertung: 6/10

Kinostart: 30. November 2023

Trailer zum Film „Die Sirene“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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