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Filmkritik: Der österreichische Spielfilm „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“, der das 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 eröffnete und bei uns in den Kinos am 1. Februar 2024 anlief, ist die erste Komödie des Regisseurs Adrian Goiginger, der vor kurzem erst mit „Der Fuchs“ (2022) in den Kinos war. Er erzählt von einem Wien, in dem die Zeit stehen geblieben ist, und besetzt seinen Film mit dem Sänger Voodoo Jürgens in der Hauptrolle.
Der Straßen- und Kneipenmusiker Erich „Rickerl“ Bohacek (Voodoo Jürgens) schlägt sich mehr schlecht als recht durch. Während er von Job zu Job pendelt und diese zeitnah in den Sand setzt, versucht er als Musiker Karriere zu machen. Dafür braucht sein Manager Charlie (Georg Biron) aber erstmal ein paar Demotapes und ordentlich aufgeschriebene Texte. Doch statt sich daran zu machen, verbringt Rickerl seine Zeit lieber in seiner Stammkneipe Espresso. Auch wenn er seinen Sohn Dominik (Ben Winkler) bei sich hat. Die Welt, in der seine Ex-Freundin Viki (Agnes Hausmann) nun lebt, ist ihm völlig fremd, und so bietet er seinem Sohn an den Wochenenden auch immer ein Kontrastprogramm.
Der Spielfilm erzählt wahrhaftig, aber stets auch mit Humor, von einem Mann, der es nicht schafft, sein Leben in den Griff zu bekommen. Er changiert dabei zwischen dem einfachen Weg, der viel aus Zeit-Vertrödeln und Trinken besteht, und der Verantwortung, sein eigenes Leben und das seines Sohns zu ändern. Immer wieder erkennt man das Bemühen, die Chancen, die sich ihm offenbaren, auch zu ergreifen. Doch das Leben, kleinere Widerstände oder einfach nur ein schlechtes Zeitmanagement stellen sich ihm immer wieder in den Weg. Aber der Film erzählt nicht nur seine Geschichte, sondern auch die vieler anderen Figuren. Was bringt die Menschen in so einer Stammkneipe immer wieder zusammen? Wie wirken sich Alkohol- und auch Spielsucht auf sie aus? Welche Verheißung bringt das Zeit-Vertrödeln in einem sogenannten Beisl (das Wiener Wort für Kneipe)? Mit der Figur Viki wird auch erzählt, dass man ausbrechen und sich verändern kann, gerade, wenn ein Kind ins Spiel kommt, für das man sich ein besseres Leben wünscht. Der Regisseur Adrian Goiginger, der sich bereits mit Kurzfilmen wie „Milliardenmarsch“ (2016) und den Dramen „Die beste aller Welten“ (2017), „Märzengrund“ (2022) und „Der Fuchs“ (2022) einen Namen gemacht hat, schrieb auch das Drehbuch für diese musikalische Dramödie. Er hat dabei ein absolutes Gespür für seine Figuren, deren Inneres und gibt den Zuschauer:innen einen Einblick in den Mikrokosmos Beisl, ohne dabei zu überhöhen oder zu beurteilen. Über sieben Jahre hat er die Geschichte dabei stets mit Voodoo Jürgens im Kopf, der auch den ein oder anderen wahren Aspekt seines Lebens beigesteuert hat, entwickelt. Dabei will der Film aber kein Biopic sein, sondern eine Geschichte eines Jedermanns und eines Milieus.
Dass das alles so gut funktioniert, liegt auch an der Inszenierung, die zwischen Märchen und Realität angesiedelt ist. Denn in Rickerls Welt rauchen und trinken die Menschen überall, obwohl der Alltag in Wien bereits ganz anders ist. Wunderbar ist auch der Einsatz von Farben und Licht, so dass das Beisl oft gemütlicher wirkt, als die Welt da draußen. Als Publikum sieht man durch die Augen von Rickerl, wie er die Welt aufnimmt und mit ihm zusammen verliert man den Überblick von Tag und Nacht und Wochentagen, so dass man richtig spüren kann, wie es ist, ständig Termine zu verpassen. Auch die Vorstadtsiedlung, in der seine Ex jetzt wohnt, wird wunderbar als Kontrast eingefangen. Die Symbole der langweiligen Sesshaftigkeit sind ein Rasenmähroboter und ein Deutscher, der sich aber redlich bemüht. Der Cast ist dabei wunderbar ausgewählt. David Öllerer, der sich als Künstler Voodoo Jürgens nennt, ist hervorragend, was aber auch an der ihm auf dem Leib geschriebenen Rolle liegen kann. Alle Nebenrollen sind ebenfalls wunderbar besetzt, doch am meisten sticht Ben Winkler als Sohn heraus, dessen musikalische Einlage am Ende des Films einfach das ganze Publikum berührt. Musik ist sowieso ein wichtiger Faktor für diesen Film und dementsprechend werden den eigenen Liedern von Voodoo, aber auch anderen Vertretern des Austropop, der seit den 1960er-Jahren omnipräsent in Österreich ist, viel Raum gegeben. Daher eignet sich der Film auch besonders für Freunde dieser musikalischen Gattung, aber spricht darüber hinaus auch mit seiner liebenswerten Geschichte, mit der richtigen Portion Humor, aber einer klaren Sicht auf die Hürden des Lebens ein breiteres Publikum an. Die deutschen Zuschauer:innen freuen sich auch über die Untertitel – ohne diese wäre der Film hierzulande sehr herausfordernd.
Fazit: „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“ ist der sechste Spielfilm von Adrian Goiginger, der von einem erfolglosen Musiker, der Beisl-Kultur in Wien und im Hier und Jetzt von einer vergangenen Zeit erzählt. Mit dem Film gibt der Sänger Voodoo Jürgens sein Kinodebüt und überzeugt in der Hauptrolle, die er auch zusammen mit dem Regisseur entwickelt hat. Die Inszenierung, die Musik und die Wahl aller Darsteller:innen schmiegen sich wunderbar an die Geschichte an, so dass eine empfehlenswerte, austropoplastige Komödie entstand.
Bewertung: 8/10
Kinostart: 1. Februar 2024
Trailer zum Film „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb Spielfilm‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“
- Barbara Grech, ‚Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 eröffnet‘, sr.de, 2024
- Karl Fluch, ‚Voodoo Jürgens als lieber Loser: „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“‘, derstandard.at, 2024
- Eintrag des Films „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“ beim Pandora Film Verleih


