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Filmkritik: Der Spielfilm „My Sailor, My Love“ (OT: „My Sailor, My Love“, Finnland, Irland, Belgien, 2022) des finnischen Regisseurs Klaus Härö, welcher im Programm der 57. Hofer Filmtage 2023 zu sehen war, erzählt von der Liebe im Alter, aber auch wie man mit einer schwierigen Vergangenheit im Angesicht des Alters umgeht.
Der ehemalige Kapitän Howard (James Cosmo) lebt ein abgeschiedenes Leben, langsam verwahrlosen er und sein Haus. Er begegnet den Menschen mit Argwohn und oft mit einem spöttischen Ton. So auch seiner Tochter Grace (Catherine Walker), die immer wieder zu ihm kommt, da sie sich Sorgen macht. Doch mit ihrer Art und wie er sie behandelt, kommt sie bald nicht mehr zurecht. So sucht sie sich eine Haushälterin für ihn. Die sanftmütige Annie (Brid Brennan) packt alles im Haushalt an und schafft es, den schroffen Howard von sich zu überzeugen. So erblüht eine unerwartete Liebe. Doch die Tochter Grace ist aufgrund früherer Ereignisse nicht begeistert von dieser Verbindung.
Nach einem Drehbuch von Jimmy Karlsson und Kirsi Vikman erzählt der Finne Klaus Härö gleich zwei Geschichten in einer. Er erzählt von einer Liebe im Alter und von einem zerrütteten Familienverhältnis. Es beginnt mit einem klaren Vater-Tochter-Drama und wie sich das Verhältnis mit der zunehmenden Abschottung und des Alters noch verschlechtert. Erinnerungen werden wach und dominanter, so dass die Tochter Abstand braucht. Hier kommt nun die neue Liebe ins Spiel. Diese wird in warmen Farben gezeichnet und soll ein Gefühl dafür vermitteln, wie es sich anfühlt, noch einmal spätes Liebesglück zu finden. Doch so richtig wollen die beiden Erzählstränge nicht miteinander harmonieren. Wie kann man sich über die Liebe eines Mannes freuen, der seine Tochter falsch und kaltherzig behandelt? Wie kann man die Gefühle und auch den späteren Verlust nachspüren, wenn die Figuren keine Tiefe bekommen, die das Gesehene besser einordnen lassen? Diese Drehbuchschwächen lassen sich auch nicht mit dem soliden Spiel aller Darsteller:innen ausgleichen oder der Schönheit der rauen Küsten Irlands. So fehlt dem Film ein entscheidender Faktor um sich in die Herzen der Zuschauer:innen zu spielen und so dass sogar ein Gefühl von Länge aufkommt.
Fazit: „My Sailor, My Love“ ist ein Spielfilm des Finnen Klaus Härö, der darin von der Liebe im Alter erzählen will. Doch leider wirkt der Film blutarm, da er die Figuren nicht in die Tiefe charakterisiert, die Gefühle zum Teil nicht nachvollziehbar sind und auch die Dynamik untereinander nicht greifbar ist. So entstand ein ruhiges Drama, das diesem Subgenre ein paar Aspekte dazu gibt, aber im Gesamtpaket nicht überzeugen kann.
Bewertung: 5/10
Kinostart: 8. Februar 2024 / 22. März 2024
Trailer zum Film „My Sailor, My Love“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 57. Hofer Filmtage 2023 – Katalog (Programm ‚Langfilme‘)
- Eintrag des Films „My Sailor, My Love“ beim Verleiher Polyfilm
- Wikipedia-Artikel über den Regisseur Klaus Härö
- Phuong Le, ‚My Sailor, My Love review – woman on the verge in drama of male cruelty‘, theguardian.com, 2023
- Amy Nicholson, ‚‘My Sailor, My Love’ Review: When Romance Comes Ashore‘, nytimes.com, 2023

