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Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher Francesco Sossai konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „The Birthday Party“ (OT: „Il compleanno di Enrico“) erfahren, der auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 seine Deutsche Premiere feierte und auf kommenden Festivals wie in Dresden zu sehen sein wird. Er erzählt, warum er sich dafür entschied, seine Erinnerungen zu verfilmen, was ihm beim visuellen Ausgestalten am Herzen lag und welche Herausforderungen der Castingprozess mit sich brachte.
Dein Film ist autobiographisch – Warum hast Du Dich entschieden, dieses Erlebnis zu erzählen?
Die Erinnerung an diesen Nachmittag verfolgte mich viele Jahre lang und ich fragte mich, was wirklich passiert war. Vor einigen Jahren sprach ich mit Freunden darüber und stellte fest, dass beim Erzählen des Erlebnisses neue Details auftauchen. Dann wurde mir klar, dass ich durch das Erzählen zu diesem Moment zurückkehren kann. Meine Art des Erzählens ist natürlich, Filme zu machen. Also beschloss ich, das, woran ich mich erinnerte, so zu filmen, wie ich es in Erinnerung hatte. Ohne zu versuchen, der Erinnerung irgendeine Bedeutung aufzuerlegen.
In welchem Rahmen und über welchen Zeitraum ist Dein Film entstanden?
Man kann sagen, dass die Entwicklung fast fünfundzwanzig Jahre gedauert hat, so lange ist es her, dass die Ereignisse, von denen ich im Film erzähle, stattgefunden haben. Dann, während der Pandemie, begann ich mit der Idee zu spielen, einen Film daraus zu machen. Ich schrieb das Drehbuch in ein paar Stunden, an einem Nachmittag. Zwischen dem ersten Entwurf und dem Ende der Dreharbeiten verging ein Jahr, in dem ich mich um die Finanzierung, das Casting (ein Prozess, der viele Monate dauerte), die Kostüme und das Set-Design kümmerte. Dann dauerte der Schnitt ein paar Monate und weitere drei Monate wurden für die Bearbeitung des Tons verwendet, der in diesem Film eine sehr wichtige Rolle spielt.
Das Zeitkolorit ist sehr gut – was lag Dir visuell am Herzen?
Für mich waren zwei Dinge wichtig: die Atmosphäre der späten 1990er Jahre wiederherzustellen, so dass die Zuschauer sich selbst wiederfinden und auch ihre Erinnerungen mischen können. Außerdem war es mir wichtig, die typischen Verzerrungen der Erinnerungen wiederzugeben, die (sicherlich übertriebenen) Details, die in meinem Kopf hängen geblieben sind. Mir gefällt, dass die Farben im Film so kindlich sind, sie erinnern an die Filzstifte, die ich als Kind hatte und mit denen ich immer gezeichnet habe.
Auch deine Schauspieler:innen sind sehr gut besetzt. Wie hast Du sie gefunden? Und wie war es, gerade mit den Jungen zusammenzuarbeiten?
Der Casting-Prozess war sehr lang. Ich habe Hunderte von Kindern getroffen. Auch die Familienkonstellation war sehr komplex nachzubilden. Am Ende habe ich mich für eine Mischung aus professionellen und nicht-professionellen Schauspielern entschieden. Mir wurde schnell klar, dass ich mit den Kindern genauso arbeiten muss wie mit den Erwachsenen, ohne einen Unterschied zu machen. Das hat der Atmosphäre bei den Dreharbeiten sehr geholfen.
Könntest Du Dir vorstellen, für einen Langfilm noch einmal in die eigene Vergangenheit einzutauchen?
Was mich jetzt interessiert, ist die Erforschung der kollektiven Vergangenheit. Ich denke, kollektive Erinnerungen sind etwas sehr Interessantes, weil sie komplex sind – sie sind eine Mischung aus Nostalgie und Sehnsucht. Im Grunde versuche ich, meinen Blickwinkel zu erweitern und gleichzeitig das Land zu erforschen, in dem ich geboren und aufgewachsen bin.
Kannst Du mir noch ein bisschen von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich spreche nicht gerne über mich selbst. Vielleicht ist das ein Widerspruch in sich, denn ich habe einen autobiografischen Kurzfilm gemacht. Ich wüsste gar nicht, was ich über mein Leben sagen sollte, weil ich es in keiner Weise interessant finde. Was mich interessiert – was mich verfolgt – ist, woher ich komme. Das Kino war schon immer Teil meines Lebens, seit ich ein Kind war: Für mich war es die ultimative Flucht. Ich ging in die Dorfbibliothek und holte mir VHS-Kassetten: Ich sah mir alles an. In der nächstgelegenen Stadt gab es dann ein Kino und dorthin zu gehen war das Beste auf der Welt. Ich erinnere mich, dass der erste Film, den ich sah, „Jurassic Park“ war. Ich ging aus dem Kino und plötzlich war die Realität, die ich vor meinen Augen sah, durch die Erfahrung, die ich gerade gemacht hatte, verändert. Ich denke, dass man sich so für Dinge begeistern kann.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ich arbeite an meinem nächsten Film, einer erotisch-landschaftliche Erkundung meines Landes. Eine Art Roadmovie, das unsere Beziehung zu einer kollektiven Vergangenheit erforscht. Es wird ein leuchtender Film sein. Oder heller als die beiden, die ich bereits gemacht habe.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „The Birthday Party“