„Slimane“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2023

Filmkritik: Der Kurzfilm „Slimane“ von Carlos Pereira, der schon auf vielen Festivals zu Gast war und im Nationalen Wettbewerb des 36. Filmfest Dresden 2024 lief, ist eine realitätsnahe Dystopie.

Deutschland hat sich verändert. Die Rechte für queere Menschen wurden komplett gestrichen und so gibt es für sie in diesem Land keinen Schutz mehr. Als Omar (Akin Victor) aus dem Gefängnis kommt, sind viele schon geflohen. Seine beste Freundin Ava (Banafshe Hourmazdi) trifft er zuhause an, doch auch sie wird nicht mehr lange bleiben, denn fast alle ihre Freunde und Bekannten sind auf die eine oder andere Weise verschwunden.

In einer Welt, in der immer mehr rechte Parteien und Gruppierungen erstarken und damit einhergehend auch Rechte, wie das Adoptionsrecht oder die der LGBTQ+-Community, eingeschränkt werden, erscheint der Kurzfilm von Carlos Pereira beängstigend nah. Nach einem eigenen Drehbuch hat er sich eine Dystopie ersonnen, die nicht weit entfernt von unserer heutigen Realität ist. Um dies zu unterstreichen, verzichtet er auf unnötige, futuristische und nicht realistische Elemente. Eingebettet in die karge dörfliche Gemeinschaft ostdeutscher Bundesländer verfolgen wir die Schritte des frisch erlassenen Omars, der zu seinem Schrecken feststellen muss, dass die Lebensbedingungen noch schlimmer geworden sind. Fantastisch werden die beiden Hauptrollen von Akin Victor und Banafshe Hourmazdi („Mona & Parviz“ (2021)) gespielt. Seine Geschichte und Botschaft unterstreicht der Regisseur mit gekonnten Bildern. Die Menschen befinden sich außerhalb des Kameraausschnitts, stattdessen werden Nebensächlichkeiten in den Blick genommen. Er zeigt nicht die Gesichter, wie sie Schmerz erfahren, sondern Wände, Tapeten und Landschaften. Dicht an die Inszenierung schmiegt sich auch wunderbar der Ton an, der einen musikalischen Bruch erhält und auch die drückende Ruhe des Films unterbricht. 

Fazit: „Slimane“ ist ein Kurzfilm von Carlos Pereira, der eine düstere und realitätsnahe Dystopie schildert. Mit einer ungewöhnlichen Bildsprache, Mut zu einer ruhigen Inszenierung und gut ausgewählten Darsteller:innen zieht der Film das Publikum in seinen Bann und spricht so aktuelle Themen an. 

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Slimane“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • 36. Filmfest Dresden 2024 – Katalog (Programm ‚Nationaler Wettbewerb‘)
  • Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Carlos Pereira‘, testkammer.com, 2024
  • Eintrag des Kurzfilms „Slimane“ bei der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin
  • Eintrag des Kurzfilms „Slimane“ beim ‚achtung berlin Filmfestival‘
  • Eintrag des Kurzfilms „Slimane“ bei der AG Kurzfilm

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