„Mona & Parviz“ (2021)

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Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2021

Filmkritik: Der deutsche Kurzfilm „Mona & Parviz“ von Kevin Biele, der u.a. auf den 55. Hofer Filmtagen lief, beschäftigt sich eindringlich mit der Arbeit der Ausländerbehörde und bezieht dabei klar Stellung.

Eines Morgens klingelt es an Monas (Banafshe Hourmazdi) Tür. Zwei Beamte (Merle Wasmuth und Leopold von Verschuer) der Ausländerbehörde stellen sich vor, wollen ihren Ehemann Parviz (Cino Djavid) kennenlernen, der gerade nicht da ist, und ihre Wohnung inspizieren. Mona lässt das nur mit Widerwillen zu.

Der Regisseur Kevin Biele (*1994) und seine Drehbuchschreiberin Lisa Polster (*1994) beschäftigen sich in ihrem Film mit der Arbeit und auch dem Verhalten der Beamten der Ausländerbehörde. Die Fassungslosigkeit, welche die beide FIlmemacherInnen stellenweise selbst empfunden haben, übertragen sie wunderbar auf die ZuschauerInnen. Biele, der hier seinen Dritt-Semester-Film an der Internationalen Filmschule Köln (ifs) verwirklichte, pickt eine Standardsituation heraus, bei der eine Ehe überprüft werden soll. Mona und Parviz sind dabei zwei Menschen, die ganz unterschiedlich auf diese Situation reagieren. Doch bevor Parviz überhaupt auftaucht, überträgt sich sogar das Misstrauen der beiden Beamten ein Stück weit auf das Publikum. Handelt es sich hier etwa wirklich um eine Scheinehe? Doch trotzdem ist man als ZuschauerIn vor allem schockiert und wütend wie die Hauptfigur Mona. Dazu trägt auch die sehr realitätsnahe Inszenierung bei, die sich nicht aus der Enge der Wohnung heraus bewegt und so das Gefangensein in dieser Situation deutlich macht. Hinzu kommt das gelungene Spiel alle DarstellerInnen allen voran Banafshe Hourmazdi als Mona, die ihr Können bereits in dem Film „Yallah Habibi“ (2018) von Mahnas Sarwari bewiesen hat. So entstand ein durch und durch gelungener Kurzfilm, der das Potential des Filmemachers Biele und sein Gespür für relevante Geschichten zeigt. 

Fazit: „Mona & Parviz“ ist ein Kurzfilm des Filmemachers Kevin Biele, der in einem realitätsnahen Setting und mit einem guten Ensemble die teilweise menschenunwürdige Arbeit einer Behörde beleuchtet und damit eine ganze Palette von Emotionen beim Publikum evoziert, so dass ein durch und durch spannendes und authentisches Drama entstanden ist.

Bewertung: 8/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • 55. Internationale Hofer Filmtage 2021 – Katalog (Programm ‚Kurzfilme‘)  
  • Doreen Matthei, ‚Sechs Fragen an Kevin Biele‘, testkammer.com, 2021
  • Eintrag des Kurzfilms „Mona & Parviz“ an der Internationalen Filmschule Köln
  • Eintrag des Kurzfilms „Mona & Parviz“ bei der AG Kurzfilm

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