„Yallah Habibi“ (2018)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2018

Filmkritik: Der deutsche Kurzfilm „Yallah Habibi“ der Regisseurin Mahnas Sarwari, gesehen auf dem 21. Landshuter Kurzfilmfestival 2021, erzählt eine freche Coming-of-Age-Geschichte und integriert mühelos viele damit verbundene Themen.

Die 18-jährige Elaha (Banafshe Hourmazdi) hat es satt zu Hause bei ihren strengen Eltern, welche vor Jahren aus Afghanistan kamen, zu wohnen. Deshalb spart sie zusammen mit ihrer besten Freundin Ina (Deborah-Maditha Dolle) auf eine eigene Wohnung. Wenn sie deshalb nicht im Club arbeitet, feiert sie gern und sagt immer was sie denkt, auch dann wenn sie wie so oft auf die Herkunft ihrer Familie angesprochen wird.

Banafshe Hourmazdi

Der 27-minütige Kurzfilm „Yallah Habibi“, was so viel bedeutet wie „Oh mein Schatz“, erzählt eine klassische Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau, welche von einem eigenständigen Leben träumt, ab und zu in ein Fettnäpfchen tritt und auch noch nicht so richtig weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Freiheit, Freundschaft und die eigene Identität sind die wichtigen Eckpunkte für sie. Das alles erzählt die Regisseurin Mahnas Sarwari, deren Eltern selbst Wurzeln in Afghanistan haben, locker leicht und baut leichtfüßig zusätzlich relevante Themen wie den Umgang mit den eigenen Wurzeln, Alltagsrassismus und was Deutschsein eigentlich bedeutet mit ein. So ist der Film ein Sprachrohr für viele BIPoC (Black, Indigenous and People of Color), die man in deutschsprachigen Filmen immer noch viel zu wenig sieht – vor allem im Zusammenhang mit einer Coming-of-Age-Geschichte. In diesem Kurzfilm steckt sehr viel drin, aber Sarwari lässt den Film nicht zu schwer werden, sondern erzählt auf beschwingte, leichtfüßige Art ihre Geschichte. Dies wird wunderbar unterstützt von dem gut zusammengesetzten Cast (Banafshe Hourmazdi als Hauptdarstellerin ist einfach großartig!), dem perfekt abgestimmten Musikeinsatz und einer Optik, die es schafft wunderbar die Balance zwischen Authentizität und cineastisches Erzählen zu bewahren. Rundherum ist Sarwaris erster Kurzfilm wunderbares, kluges Kino, das sich für viele Generationen (auch als Schulstoff) eignet und sehr gut unterhalten kann.

Banafshe Hourmazdi

Fazit: Der schwungvolle Kurzfilm „Yallah Habibi“ von Mahnas Sarwari ist eine gelungene Coming-of-Age-Geschichte einer jungen BIPoC-Frau, in der die Regisseurin Mahnas Sarwari klassische mit neueren, gesellschaftsrelevanten Themen vereint. Stimmig perfekt umgesetzt und besetzt ist der Kurzfilm, der hoffentlich noch auf einigen Festivals zu sehen sein wird, eine Entdeckung wert.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Yallah Habibi“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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