33. Filmfest Dresden 2021

13.-18. Juli 2021 / Schauburg, Thalia, Lingnerschloss, Open-Air Neumarkt, Programmkino Ost

Festivalbericht: Zum zweiten Mal fand das Filmfest Dresden (International Shortfilm Festival Dresden) im Schatten von Corona statt. Doch wie schon bei der 32. Ausgabe bekamen sie durch geschickte Terminverschiebung, diesmal in den Monat Juli, die Möglichkeit das Festival live in den Dresdner Kinos und Spielstätten stattfinden zu lassen. An sechs Tagen konnte man überall in Dresden, auch auf den Filmnächten, im Lingnerschloss und in einigen Kinos das vielfältige Programms des Filmfest Dresden sehen. Es setzte sich aus 368 Kurzfilmen aus 64 Ländern zusammen, welche teilweise in Wettbewerben um insgesamt 16 Goldene Reiter gegeneinander antraten oder in in den gut kuratierten 28 Sonderprogrammen zu sehen waren.

Die Goldenen Reiter

Wie in jedem Jahr stellen die Wettbewerbe das Herz des Filmfest dar. Im Internationalen Wettbewerb konnte man 34 Beiträge aus 26 Ländern sehen und dabei Filme wiedersehen wie „Easter Eggs“ von Nicolas Keppens und „Fische“ von Raphaela Schmid. Doch gab es auch viele neue Entdeckungen zu machen. So fielen besonders die beiden Animationsfilme „Polka-Dot Boy”, eine sehr düstere Genregeschichte, und der aus Papier geformte Stop-Motion-Film „Push the Button if you begin to panic“, ein Abgesang auf das britische Gesundheitssystem, auf. Auch im Gedächtnis blieben die Kurzspielfilme aus Asien: „The Unseen River“ aus Vietnam bediente sich einer ungewöhnlichen Bildsprache, „I’m too Busy“ erzählt von der Einsamkeit des Alterns und das mit einer ausgewogenen Mischung aus Humor und Melancholie und „Nine Shots“ aus Taiwan berichtet von Rassismus, der Bestandteil des täglichen Lebens ist. Auch „Dustin“ aus Frankreich ist nah dran an der Realität. Die Französin Naïla Guiguet erzählt die Geschichte einer Transgender-Person im Pariser Nachtleben. Eine liebevolle Coming-of-Age-Geschichte ist der Spanierin Lucía Aleñar Iglesias mit „Foreigner“ gelungen.  

„Play Schengen“

Im Internationalen Wettbewerb wurden sechs Preise vergeben. Dabei erhielt der deutsch-bulgarische Animationsfilm „Aiva“, der bereits auf dem 63. DOK Leipzig lief, gleich zwei Preise. Den Goldenen Reiter als ‚Bester Animationsfilm‘ und den ‚LUCA für Gendergerechtigkeit‘. Ebenfalls ein Animationsfilm im besonderen Stil wurde von der Jury des neuen Preises ‚voll politisch‘ ausgezeichnet: „Mex and the Animals“ – der sich eine Welt ausmalt, in der es Tiere nur noch virtuell gibt. Auch der Liebling des Publikums war ein Animationsfilm. Die dritte Arbeit der Regisseurin Shiva Sadegh Asadi nach „Maned & Macho“ – „Crab“ – überzeugt als melancholische Coming-of-Age-Geschichte. Als ‚Bester Kurzspielfilm‘ ausgezeichnet wurde der „A Lack of Clarity“ von Stefan Kruse Jørgensen, einer der wenigen internationalen Filmemacher, welche auf dem Filmfest live anwesend sein konnten. Die Jugendjury wählte „New Gods“ zu ihrem Gewinner und der amüsante, aber auch hochpolitische „Play Schengen“ bekam den in diesem Jahr erstmals vergebenen Preis des Verbands der deutschen Filmkritiker.   

„Yallah Habibi“

Auch der Nationale Wettbewerb bot eine bunte Vielfalt an Kurzfilmen, unter denen sechs Preise, darunter der mit 20.000 € dotierte Filmförderpreis der Staatsministerin für Kultur und Tourismus, verliehen wurde. Auch hier wurde ein Animationsfilm gleich mit zwei Preisen geehrt. „Just a Guy“ von Shoko Hara, eine Anime-Dok über die Zuneigung zu einem Serienkiller, gewann die Goldenen Reiter für den ‚Besten Animationsfilm‘ und den ‚Besten Filmton‘. Auch die Jugendjury („Jejjay“) und das Staatsministerin für Kultur und Tourismus („Doom Cruise“) wählten einen Animationsfilm zu ihren Favoriten. Unter den animierten Beiträgen stach noch der Film „How my grandmother became a chair“ von Nicolas Fattouh hervor, der hier seine eigene Familiengeschichte in einer ungewöhnlichen Metapher erzählt. Der Preis für den ‚Besten Spielfilm‘ ging an „How I beat Glue and Bronze“ und setzte sich so gegen starke Beiträge wie den Spielfilm „Elli“ von Vivien Hartmann durch. Zudem wurde noch der DEFA-Förderpreis („Serial Parallels“) und der ARTE Kurzfilmpreis („May She RIP“) vergeben. Den Publikumspreis gewann der Film „Yallah Habibi“ von Mahnas Sarwari, der eine wunderbare Coming-of-Age-Geschichte erzählt. 

„I’m too Busy“

Auch in diesem Jahr gab es neben den Wettbewerben zahlreiche weitere etablierte Programmreihen wie das Jugend- und Kinderprogramm. Neu war das Programm ‚Short Tiger Next Generation‘, das seine Premiere zum ersten Mal in Dresden feierte. Hier waren viele bekannte deutsche FilmemacherInnen wie Henriette Rietz („Wochenbett“), Jannis Alexander Kiefer („Meeting“), Alma Buddecke („Handbook for a Privileged European Woman“) und Anne Isensee („Aus rechtlichen Gründen heißt dieser Film Breaking Bert“) anwesend. Besonders in Erinnerung blieb auch der in Mexiko gedrehte „No“, der mit seiner kurzen Geschichte die Stellung der Frau in dem Land eindringlich skizziert. Selbstverständlich gab es auch in diesem Jahr Schwerpunkt-Sonderprogramme, so beschäftigt sich eine 23 Filme umfassende Reihe mit dem Thema Aktivismus. Das regionale Filmprogramm, mittlerweile seit zehn Jahren mit der Mitteldeutschen Filmnacht ein fester Bestandteil des Filmfests, avancierte in diesem Jahr zum Regionalen Wettbewerb, aus dem der Film „Schichteln“ von Verena Wagner als Gewinner hervorging. Abgerundet wurde das umfangreiche Programm mit einem 33-teiligen Open-Air-Programm, das in der Woche zuvor am Neumarkt täglich die PassantInnen und SonnenlieberhaberInnen zum Verweilen einlud. Darunter fanden sich solch starke Beiträge wie „The Great Malaise“, „Kollegen“, „Genius Loci“, „Favoriten“ und viele mehr. Im wirklich reichhaltigen Programm gab es viele Themen und aber auch unterschiedlichen Erzählformen und Stile zu entdecken wie Dokumentarfilme („Mind Mending“), 2D-Zeichentrick („Normal“), Stop-Motion („To the Dusty Sea“), Experimentalfilme („Bookanima: Andy Warhol“) und Spielfilme („Calladita“). So war das Filmfest auch in diesem Jahr wieder prall gefüllt und lud Kinohungrige und Freunde des Kurzfilms zu einer spannenden Woche ein.

„schichteln“

Fazit: Die 33. Ausgabe des Filmfest Dresden präsentierte in den frisch geöffneten Kinos ein gut kuratiertes und volles Programm, das Wettbewerbe und Sonderreihen in einer ausgewogenen Mischung parat hielt und für jede BesucherIn was zu bieten hatte. So hatte man auch in diesem Jahr wieder die Gelegenheit die neuesten Kurzfilme aus aller Welt und auf einen Schwerpunkt ausgerichtete Beiträge zu sichten. So hatten man die Möglichkeit in den sechs Tagen (10 mit dem Open Air) viel zu entdecken und man konnte sich auch wunderbar auf den Kinosommer einstellen. 

Trailer des 33. Filmfest Dresden 2021

geschrieben von Doreen Matthei

Alle im Text genannten Filme:

  • „A Lack of Clarity“ (OT: „A Lack of Clarity“, Dänemark, 2020, Regie: Stefan Kruse Jørgensen)
  • „Aiva“ (OT: „Aiva“, Deutschland, Bulgarien, 2020, Regie: Veneta Androva)
  • „Crab“ (OT: „Kharchang“, Iran, 2020, Regie: Shiva Sadegh Asadi)
  • „Doom Cruise“ (OT: „Doom Cruise“, Deutschland, 2021, Regie: Hannah Stragholz & Simon Steinhorst)
  • „Dustin“ (OT: „Dustin“, Frankreich, 2020, Regie: Naïla Guiguet)
  • „Foreigner“ (OT: „Forastera“, Spanien, 2020, Regie: Lucía Aleñar Iglesias)
  • „How I beat Glue and Bronze“ (OT: „Kako Sam Pobedio Lepak i Bronzu“, Deutschland, Serbien, 2020, Regie: Vladimir Vulević)
  • „I’m too Busy“ (OT: „I’m too Busy“, China/Spanien, 2019, Regie: Carmen Aumedes Mie)
  • „Jejjay“ (OT: „Jejjay“, Deutschland, 2021, Regie: Maren Wiese & Petra Stipetic)
  • „Just a Guy“ (OT: „Just a Guy“, Deutschland, 2020, Regie: Shoko Hara)
  • „May She RIP“ (OT: „Khoda Biamorz“, Deutschland/Iran, 2020, Regie: Nazgol Kashani)
  • „Mex and the Animals“ (OT: „Mex and the Animals“, Kanada, 2020, Regie: Elisa Gleize)
  • „New Goods“ („Les Nouveaux Dieux“, Schweiz, Frankreich, 2020, Regie: Loic Hobi)
  • „Nine Shots“ (OT: „Nine Shots“, Taiwan, 2020, Regie: Che Hsien Su)
  • „Play Schengen“ (OT: „Play Schengen“, Norwegen, 2020, Regie: Gunhild Enger)
  • „Polka-Dot Boy“ (OT: „Polka-Dot Boy“, Frankreich, 2020, Regie: Sarina Nihei)
  • „Push the Button if you begin to panic“ (OT: „Push the Button if you begin to panic“, UK, 2020, Regie: Gabriel Böhmer)
  • schichteln“ (OT: „schichteln“, Deutschland, 2020, Regie: Verena Wagner)
  • „Serial Parallels“ (OT: „Serial Parallels“, Deutschland/Hong Kong, 2019, Regie: Max Hattler)
  • „The Unseen River“ (OT: „Giòng sông không nhìn thấy“, Vietnam, 2020, Regie: Phạm Ngọc Lân)
  • Yallah Habibi“ (OT: „Yallah Habibi“, Deutschland 2020, Regie: Mahnas Sarwari)

Filme die in der Testkammer schon rezensiert wurden:

Quellen:

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