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Kurzfilm / Kanada / Animation / 2019
Filmkritik: In nur sechs Minuten schafft es die Regisseurin und Animationskünstlerin Catherine Lepage mit ihrem Animationsfilm „The Great Malaise“ (OT: „Le mal du siècle“) die Gefühle von Burnout und Depression spürbar zu machen und kann damit die Zuschauer:innen berühren.
Eine junge Frau beschreibt, wie sie sich selbst sieht und wie sie es erfolgreich schafft, alle Bereiche des Lebens anzupacken. Doch dann kommt sie ins Straucheln und weiß nicht wie sie von dort aus weitermachen soll.
Die studierte Illustratorin Catherine Lepage (*1973) erzählt in ihrem ersten Animationsfilm, der auf drei von ihr geschaffenen Bilderbüchern fußt, von dem Gefühl des Kontrollverlustes. In einer Welt, in der uns viele Möglichkeiten offen stehen und die Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung den Alltag vieler Menschen bestimmt, folgt meist unweigerlich, zumindest wenn man versucht wirklich alles unter einen Hut zu bekommen, das Gefühl der Erschöpfung. Lepage schildert, wie sich dieser Willen und Zustand trotz Gegenmaßnahmen in eine Depression verwandeln können. Dafür nutzt sie viele einzelne Vignetten und Bilderfolgen, welche durch ein Voice-Over, das berührend authentisch wirkt, zusammengehalten werden. Die Bilder sind dabei gelungene Metaphern auf das Leben und zeigen in ihrer Wiederholung, wie es der Protagonistin immer schlechter geht. Die Zeichnungen sind dabei nicht nur virtuos, sondern treffsicher und begeistern mit ihrer Handwerklichkeit, sodass man u.a. die Materialien erkennen kann, mit denen sie gearbeitet hat. Abgerundet wird alles von einem Score, der die Stimmung wunderbar überträgt. Im Gesamten ist „The Great Malaise“ ein gelungener Kurzfilm, der das Thema Depression auf ganz eigene Weise sichtbar macht und bestimmt auch vielen Zuschauer:innen, was die Themen Selbstoptimierung und Erschöpfung betrifft, aus dem Herzen spricht. So kann man nur hoffen, dass Lepage dem für sie neuen Medium des Animationsfilm treu bleiben wird und so weitere Filme folgen werden.
Fazit: Die französische Animationskünstlerin Catherine Lepage beschäftigt sich in ihrem kurzen Zeichentrickfilm „The Great Malaise“ mit Selbstoptimierung, Burnout und dem schlussendlichen Aufgeben. In gelungenen Animationen, welche sich als wiederholende Vignetten sich verschiedener Metaphern bedienen, sowie einem stimmigen Stil erzählt sie mit wenig Worten von diesen Themen und spricht damit vielen Menschen aus dem Herzen.
Bewertung: 8/10
Überzeug Dich selbst vom Kurzfilm „The Great Malaise“:
geschrieben von Doreen Matthei
Quellen:
- 28. Internationales Trickfilm Festival Stuttgart – Katalog (Programm ‚Internationaler Wettbewerb‘)
- Doreen Matthei, ‚Acht Fragen an Catherine Lepage‘, testkammer.com, 2021
- Eintrag des Kurzfilms „Le mal du siècle | The Great Malaise“ bei der Berlinale 2020
- Website des Kurzfilms „The Great Malaise“
- Eintrag des Kurzfilms „The great Malaise“ beim Vancouver International Film Centre
- Wikipedia-Artikel über den Kurzfilm „The Great Malaise“ (englisch)