„The Boys“ (Staffel 1, 2019)

Doreen Kaltenecker
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Serienkritik: Dank des Marvel- und DC-Universums hat man das Gefühl, dass es schon genug Superhelden-Filme und -Serien gibt. Aber „The Boys“ aus der Hand der Serienmacher Eric Kripke, Evan Goldberg und Seth Rogen, deren erste Staffel 2019 auf Amazon Prime erschienen ist, kehrt den Spieß auf amüsante Weise um und schreckt nicht vor harten Bildern zurück.

Die Superhelden-Truppe Seven ist der führende Heldenclan, wenn es um die Sicherheit aller Bürger:innen geht. Sie wird von Madelyn Stillwell (Elisabeth Shue) angeführt, die keine Superhelden-Fähigkeiten hat, aber mit einem enormen PR- und Organisationstalent den Laden schmeißt. Fest an ihrer Seite steht Homelander (Antony Starr), der Sachen gerne schnell und lautlos klärt. Alle Sups, wie auch Starlight (Erin Moriarty) wünschen sich, ein Teil der Seven zu sein, da sie die größte Bewunderung im Land erfahren. Doch es gibt auch genügend Menschen, welche mit den Helden nichts anfangen können. So auch Hughie (Jack Quaid), der seine Freundin durch einen von ihnen verloren hat. Dieser wird von Butcher (Karl Urban) für seine Anti-Superheldentruppe „The Boys“ rekrutiert und zusammen mit Frenchie (Tomer Kapon) und anderen wollen sie die Helden entlarven und so Gerechtigkeit herstellen.

Jack Quaid und Dominique McElligott

Die Comic-Reihe erschien zwischen 2006 bis 2012 und war eine bitterböse Abrechnung mit all den Superhelden von Marvel und DC. Es arbeitet sich an den Ideen ab, dass ihre Heldentaten nur für Geld passieren, gefakt oder inszeniert sind. Wenn es eine Welt gäbe, in der Superhelden Alltag oder die ‚besseren Menschen‘ sind, warum sollte man daraus kein Kapital schlagen? Was wäre, wenn sie nicht von gutherzigen Gedanken geleitet würden? Hinzu kommen natürlich auch Machtbestrebungen und politische Bemühungen. The Boys dagegen sind ganz normale Typen, die sich gegen diese Übermacht (meist aus Rachegedanken) wehren wollen. Die Serie aus der Hand von Eric Kripke, Evan Goldberg und Seth Rogen adaptiert die Comics gelungen und übernimmt zum Teil die Brutalität, von der man als Zuschauer:in immer wieder überrascht wird. Doch bereits in der ersten Folge – mit dem Tod von Hughies Freundin – sind die Weichen in diese Richtung gestellt.

Dominique McElligott und Antony Starr

So darf man auf keinen Fall hier eine kunterbunte Heldensage erwarten, sondern sich auf eine brutale, dreckige und stellenweise auch sehr sexualisierte (auch auf eine unangenehme Weise) Darstellung einstellen. Die acht Folgen der ersten Staffel treiben die Ereignisse in einem hitzigen Tempo voran, so dass den Figuren kaum Verschnaufpausen gegönnt werden. Besetzt ist die Serie dabei mit weniger bekannten Gesichtern u.a. dem Sohn von Dennis Quaid, Jack Quaid. Aber auch Größen wie Elisabeth Shu („Hollow Man“ (2000)), Karl Urban („Herr der Ringe“ (2001-2003)) und Simon Pegg („Shaun of the Dead“ (2004), „Es ist kompliziert…!“ (2015)), der für den Comic als Vorlage für Hughie herhielt und hier nun seinen Vater spielt, sieht man in der Serie. Dabei entstehen zwischen den Figuren immer wieder überraschende Dynamiken, die wie die vielen Wendungen und Haken die Serie ausmachen und mit einem finalen Cliffhanger die Staffel abschließt. Abgerundet wird es von einem gelungenen, dreckigen, authentischen Look, guten Spezialeffekten und einer stimmigen Sound- und Musik-Kulisse. 

Karl Urban und Jack Quaid

Fazit: „The Boys“ stellt mit seinen acht Folgen der ersten Staffel das Superhelden-Genre auf den Kopf, spielt mit dem Gedanken, was wäre, wenn die Helden nicht moralisch integer sind und wie sich dann eine Welt ausgestalten würde. Das Ganze wird dadurch dreckig, brutal und ist so auch mit heftigen Szenen inszeniert. Hinzu kommt ein gut besetzter Cast, der zwar wenige Sympathiepunkte verteilt, aber die Handlung hervorragend voranbringt.

Bewertung: 4/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „The Boys“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel über die Serie „The Boys
  • Madeleine Eger, ‚The Boys‘, film-rezensionen.de, 2019

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