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Filmkritik: Der Spielfilm „MaXXXine“ (OT: „MaXXXine“, USA/UK/Neuseeland, 2024) des amerikanischen Regisseurs Ti West ist der Abschluss einer Slasher-Trilogie, die er mit Retro-Horrorfilm „X“ (2022) begann und mit „Pearl“ bereits im gleichen Jahr fortgesetzt wurde. Nun schließt er mit dem 80er-Jahre-Slasher um die Hauptfigur aus „X“ ab.
Maxine (Mia Goth) ist in den letzten Jahren zu einem veritablen Pornostar geworden, doch sie will endlich den Sprung auf die große Leinwand schaffen. Während Los Angeles in dieser Zeit geprägt ist von wilden Parties und einem Serienmörder, der Nightstalker genannt wird und die Glitzerstadt unsicher macht, arbeitet Maxine an ihrer Schauspielkarriere. Dabei hilft ihr ihr Agent Teddy (Giancarlo Esposito) ein Casting für einen Horrorfilm zu bekommen. Die Regisseurin Elizabeth (Elizabeth Debicki) sieht ihr Potential und besetzt sie als Hauptdarstellerin. Das ist ihre Chance, die sich nicht entgehen lassen will, obwohl mittlerweile der schmierige Privatdetektiv Jon Labat (Kevin Bacon) und die beiden Cops Williams (Michelle Monaghan) und Torres (Bobby Cannavale) ständig in ihrer Nähe sind, denn die Morde des Nightstalkers rücken immer näher und Maxine scheint in dessen Zentrum zu stehen.
Der Regisseur Ti West, Jahrgang 1980, machte sich Anfang des Jahrhunderts mit Filmen wie „Cabin Fever 2“ (2009), „The Innkeepers“ (2011) und „V/H/S“ (2012) auf sich aufmerksam und hat sich klar dem Horror-Genre verschrieben. Jetzt kehrt er nach einer längeren Filmpause, in der er Serienprojekte umsetzte, mit seiner Horror-Trilogie zurück. „X“ (2022) machte den Anfang und erzählt von einem Pornodreh in den 70er, den nur die junge Maxine überlebt. In „Pearl“ (2022) wird die Vorgeschichte des mörderischen Rentnerpärchen aus dem ersten Teil erzählt. Nun haben wir mit „MaXXXine“ die 80er Jahren erreicht. Auch hier scheut sich Ti West, der auch das Drehbuch geschrieben hat, nicht eine klassische Serienmörder-Geschichte zu erzählen. Stark ist dabei seine kämpferische Hauptdarstellerin, die sich zu wehren weiß. Schwach ist dagegen die Auflösung, wie es aber in dem Genre gerne mal so ist.
Was den Reiz von „MaXXXine“ ausmacht, ist nicht eine besonders originelle Geschichte, sondern ein überzeugender Look, eine fantastische Mia Goth und ein souveräner Umgang mit den Genre-Mitteln. So bringt Ti West dieses Horror-Subgenre einer neuen Generation von Filmeschauenden näher. Er fängt die 80er Jahre mit dem Charme der Zeit, aber auch den dreckigen Ecken und gefährlichen Umständen ein. Dabei sieht man ihm an, dass er die Zeit mag, indem er sich der Ausstattung, den Outfits und auch den Beleuchtungen mit Herzblut widmet, aber trotzdem keinen verklärten Retro-Charme an den Tag legt, wie es in Serien wie „Stranger Things“ (2016-2025) der Fall ist. Die 80er Jahre sind auch die Zeit großer Horror-Splatter, die damals viele Fans hatten. So ist es wunderbar, dass der Film zum Teil in Filmstudios und an Sets spielt und so auch u.a. die Kulissen des Horror-Klassikers „Psycho“ (1960) in die Geschichte eingebaut werden.
Mia Goth als Maxine bewegt sich durch diese Welt, als ob sie dahin gehört und beweist mit dieser Trilogie ihre spielerische Bandbreite. Auch wenn sie vorher bereits in Filmen wie „A Cure of Wellness“ (2016) und „Emma.“ (2020) Eindruck hinterlassen hat, glänzt sie hier besonders, so kann die Filmreihe getrost als Mia Goth-Trilogie bezeichnen. Aber auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Kevin Bacon („Footloose“ (1984), „Hollow Man“ (2000)) kann sich hier als schmieriger Detektiv ausleben, der Sänger Moses Sumney glänzt als bester Freund von Maxine und Elizabeth Debicki („Tenet“ (2020), „Guardians of the Galaxy Vol. 3“ (2023)) gibt die toughe Regisseurin, die sich in der cineastischen Männerwelt durchboxt. Abgerundet wird der Film von einem gelungenen Score von Tyler Bates. Dabei greifen sie nur auf wenige bekannte 80er-Jahre-Lieder zurück, so dass auch hier der Eindruck einer Romantisierung vermieden wird. Auch gelungen ist das Einbinden von Original-Fernsehreportagen über den Nightstalker, der im Los Angeles der 80er sein Unwesen getrieben hat.
Fazit: „MaXXXine“ ist der Abschluss der Mia-Goth-Retro-Slasher-Trilogie von Ti West, der hier eine absolute Stilsicherheit beweist. Hervorragend inszeniert und besetzt, holt er das angegilbte Genre wieder aus der Versenkung und gibt einer neuen Generation von Kinogänger:innen die Möglichkeit, das für sich zu entdecken.
Bewertung: 7,5/10
Kinostart: 4. Juli 2024
Trailer zum Film „MaXXXine“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Der Tele-Stammtisch, ‚MaXXXine | Ein Pornostar erobert Hollywood‘, tele-stammtisch.de, 2024
- Podcast Bahnhofskino, ‚X (2022), Pearl (2022) & ein bisschen MaXXXine (2024)‘, podcast.de, 2024
- The New Flesh Horror Movies, ‚MaXXXine‘, podbean.com, 2024
- Podcast: Truth & Movies: A Little White Lies Podcast, ‚Truth & Movies: A Little White Lies Podcast: Maxxine + Ti West | | Orlando, My Political Biography | Summer of Sam (1999) on Apple Podcasts‘, podcasts.apple.com, 2024
- Wikipedia-Artikel über den Film „MaXXXine“
- Daniel Moersener, ‚„Maxxxine“: Leben und Sterben in L.A.‘, zeit.de, 2024
- Oliver Armknecht, ‚MaXXXine | Film-Rezensionen.de‘, film-rezensionen.de, 2024



