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Filmkritik: Das österreichische Drama „Des Teufels Bad“ (ET: „The Devil’s Bath“, Österreich/Deutschland, 2024) des Regie-Gespanns Veronika Franz und Severin Fiala erzählt mit dem Elementen des Horrorfilms von einem unbekannten Teil der Gesellschafts- und Landesgeschichte.
Oberösterreich, 1750: Die junge Agnes (Anja Plaschg) liebt die Natur und kann sich an vielen kleinen Dingen erfreuen. Als sie mit Wolf (David Scheid) verheiratet wird, scheint dem Glück nichts im Wege zu stehen. Sie geht ihrer Arbeit nach, bezieht mit ihm ein kleines Haus im Wald und hofft auf baldigen Nachwuchs. Doch Wolf wendet sich in der Nacht von ihr ab, die Arbeit ist sehr hart und zudem mischt sich die Schwiegermutter Gänglin (Maria Hofstätter) ständig ein. Als ihre daraus resultierenden Depressionen immer schlimmer werden, sieht sie aufgrund ihrer Religion nur einen Ausweg.
Die beiden Regisseur:innen Veronika Franz und Severin Fiala haben sich bereits mit „Ich seh Ich seh“ (2014) international einen Namen gemacht. Basierend auf Gerichtsprotokollen und dem Sachbuch „Suicide by Proxy in Early Modern Germany: Crime, Sin and Salvation“ (2023) von Kathy Stuart schufen sie nun ein düsteres Historien-Drama. Die Autorin und die Filmemacher:innen beschäftigen sich mit Frauen, die unter Depressionen litten und sich nicht das Leben nehmen konnten. Nur wenn sie selbst ein Mord begehen und dafür zum Tode verurteilt wurden, konnten sie Absolution vor ihrem Tod erfahren. Das führte im 18. Jahrhundert zu einer erhöhten Mordrate an Kindern. Genau mit so einer Geschichte beginnt der Film: Eine Frau wirft einen Säugling in den Fluss. Dann beginnt die Geschichte von Agnes und man verliert ein wenig den Schrecken des Anfangs aus den Augen. Doch in das Drama schleichen sich recht schnell immer mehr düstere Bilder und Töne ein, seien es die Dinge und Vorzeichen, welche Agnes selbst sieht oder die Schnur in ihrem Nacken, welche ihr gegen die Melancholie, die damals auch ‚des Teufels Bad‘ genannt wurde, helfen soll. Gekonnt verweben die beiden Regisseur:innen so Elemente verschiedener Genres, die in ihrem Zusammenspiel wie ein Alptraum, aber zugleich authentisch wirken. Auch kann man trotz des Wissens um das Thema nie sagen, welchen Weg die Geschichte als Nächstes einschlagen wird, was den Film spannend und überraschend macht.
Der Kameramann Martin Gschlacht, der den Film auf 35mm und ohne künstliches Licht gedreht hat, wurde für seine Arbeit auf der 74. Berlinale 2024 mit dem Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet. Die Bilder, die er für die Geschichte findet, sind ebenso ambivalent wie die Story selbst. Dabei schafft er es auch, schöne, berührende Momente, gerade wenn Agnes im Einklang mit der Natur ist, zu finden, aber auch den erdrückenden Schrecken, den sie empfindet, in Bildern zu erzählen. Zudem zeigt der Film, wie das Leben auf dem Land und vor allem als Frau in dieser Zeit war. Dabei lag dem Team Wahrhaftigkeit am Herzen. Auch bei den Drehorten und den Kostümen: Diese werden ganz natürlich von allen Darsteller:innen getragen, sodass niemals der Eindruck eines ‚Spiels in Kostümen‘ aufkommt. Die Besetzung ist mit Anja Plaschg („Axolotl Overkill“ (2017)), die man vor allem als Musikerin Soap&Skin kennt und auch die Musik des Films komponiert hat, David Scheid (Serie „Dave“ (2018-2023), „Sargnagel – Der Film“ (2021)), der sich bisher vor allem als Komiker profilierte, und der bekannten Maria Hofstätter („Paradies: Glaube“ (2012), „Ein ganzes Leben“ (2023)) sehr gut ausgewählt und alle spielen ihre Rolle so echt, dass man gar nicht umhin kann, als mit den Figuren mitzufühlen.
Fazit: „Des Teufels Bad“ ist ein Historien-Drama des Regie-Duos Veronika Franz und Severin Fiala, die darin mit Horror-Elementen den innerlichen Schrecken von depressiven Frauen und den gesellschaftlichen Rahmen der Zeit aufzeichnen. Der Film besticht mit intensiven Bildern und gut inszenierter Spannung und schafft es, die Anspannung und die Schwermut auch auf das Publikum zu übertragen, sodass der Film noch lange nachhallt.
Bewertung: 7,5/10
Kinostart ist am 14. November 2024
Trailer zum Film „Des Teufels Bad“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 74. Internationale Filmfestspiele Berlin 2024 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb‘)
- Anke Leweke, ‚Berlinale-Kritik – Das österreichische Psychogramm „Des Teufels Bad“‘, Studio 9 Podcast, 21.02.2024
- Jakob Dibold, ‚Des Teufels Bad: Horror internal‘, ray-magazin.de, 2024
- Wikipedia-Artikel über den Film „Des Teufels Bad“
- Fabian Wallmeier, ‚Berlinale-Filmkritik: „Des Teufels Bad“ – Schauergeschichte vor historischem Hintergrund‘, rbb24.de, 2024
- Kathrin Trattner, ‚Die religionsgeschichtlichen Hintergründe von „Des Teufels Bad“‘, derstandard.de, 2024
- FM4 Film Podcast, ‚Aufwühlendes Körperkino: „Des Teufels Bad“‘, fm4.orf.at, 2024
- Jakob Bauer, ‚Berlinale Wettbewerbsfilm: „Des Teufels Bad“‘, inforadio.de, 2024

