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Interview: Im Gespräch mit der US-amerikanischen Regisseurin Margot Budzyna konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Deuce“ erfahren, der auf dem 31. Slamdance Film Festival 2025 den AGBO Fellowship Award gewann. Sie erzählt wie eigene Kindheitserinnerungen die Coming-of-Age-Geschichte geformt haben, wie sie im Look eine gewisse Zeitlosigkeit angestrebt haben und wie sie auf visueller Ebene viel über die Farben transportieren.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden? Spielen eigene Erlebnisse eine Rolle?
„Deuce“ entstand aus dem Wunsch heraus, die Kindheit meines Schreibpartners Christian Tasiopoulos und die von mir zu erforschen. Er kam zunächst mit der Idee zu mir, Männlichkeit durch Baseball zu erforschen. Ein paar Tage später hörte ich „Where The Boys Are“ von Connie Francis und begann, mir eine Baseball-Traumsequenz in Zeitlupe vorzustellen. Als das Lied zu Ende war, wurde mir klar, dass die Figur, die ich in dieser Sequenz beobachtete, kein Junge, sondern ein Mädchen war. Daraus entwickelte sich eine doppelte Erzählung.
In welchem Zeitraum und wo genau habt ihr gedreht?
Der Film wurde an sechs Tagen in meiner Heimatstadt Newburyport, Massachusetts, gedreht.
In welcher Zeit spielt Deine Zeit und was war notwendig, um diese aufleben zu lassen?
Der Film ist nicht in einem bestimmten Zeitrahmen angesiedelt. Wie bei vielen meiner Arbeiten sind die Landschaften so angelegt, dass sie zeitlos sind, sich in Zeit und Raum verlieren. In dieser Hinsicht ist der Film sein eigenes Mikrobiom mit Regeln, die das Publikum akzeptieren soll – Elemente wie die Erwachsenen, die nie auf der Leinwand zu sehen sind. Dennoch war ich daran interessiert, die Ästhetik der 1950er und 1960er Jahre in den Mittelpunkt zu stellen, um ein Umfeld der Nostalgie und des Idealismus zu schaffen. Zeitschriftenanzeigen aus dieser Zeit wurden zu einer wichtigen Referenz sowohl für die Produktion als auch für das Kostümdesign. Diese Zeitspanne erscheint mir besonders sinnvoll, da sie eine Ära widerspiegelt, in der Geschlechterkonstruktionen unglaublich verbindlich waren.
Visuell ist Dein Film wunderschön. Was lag Dir dabei am Herzen?
Ich habe mir viele Gedanken über die visuelle Sprache des Films gemacht. Ein wichtiger Schwerpunkt war für mich die Farbtheorie – die einzige Figur, die wir jemals in Rot sehen, ist Michael, abgesehen von älteren weiblichen Figuren (die Kassiererin und seine Mutter). Addie ist zu Beginn des Films hauptsächlich in Blau gekleidet, eine trügerisch passive Farbe. Im Laufe des Films trägt sie mehr und mehr Grün, eine Farbe, die wir mit dem Kosmos der Jungen, dem Baseball-Team, assoziieren. Es war mir auch sehr wichtig, dass wir auf 16mm-Film drehen, um ein Gefühl von Menschlichkeit und Nostalgie in den Bildern einzufangen.
Die Kinderdarsteller sind einfach perfekt – wie hast Du sie gefunden? Und wie war es mit ihnen zu drehen?
Unsere beiden Hauptdarsteller haben wir über unsere Casting-Direktoren bei Boston Casting gefunden. Das Ensemble der Nebendarsteller haben wir über einen offenen Aufruf gefunden. Von den sechsundzwanzig Kindern im Film, die zwischen fünf und elf Jahre alt waren, haben die meisten noch nie vor der Kamera gestanden. Das war ungeheuer aufregend, denn das Set musste sich wirklich an sie anpassen. Wie immer, aber in diesem Fall noch mehr, erforderten die verschiedenen Schauspieler unterschiedliche Herangehensweisen. Arabella, die Addie spielte, war zum Beispiel unglaublich fortgeschritten in ihrer Fähigkeit, die technischen Aspekte zu treffen und die Wünsche und Bedürfnisse der Figuren zu erörtern. Lynden, der Michael spielte, kam meiner Meinung nach am besten mit einer spielerischen Herangehensweise zurecht, indem er Spiele und Als-ob-Situationen nutzte, um Emotionen zu erzeugen. Es wurde auch deutlich, dass er in der Stille enorm stark war, so dass ich in bestimmten Momenten seinen Dialog ganz herausnahm. Die Notwendigkeit dieser Art von Flexibilität machte uns alle am Set auf wunderbare Weise präsenter; trotz Storyboarding und anderer Vorbereitungen wussten wir nie genau, wie eine Szene ablaufen würde.
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich wuchs an der Ostküste in einer Künstlerfamilie auf. Meine Eltern leiteten ein Kindertheater, das als Kulisse für meine Kindheit diente. Schon früh stand ich auf der Bühne und begann auch, meine eigenen Geschichten zu schreiben und bei kleinen Theaterstücken und Musicals in meiner Heimatstadt Massachusetts Regie zu führen. Als Teenager zog ich nach Los Angeles, um dort als Schauspieler zu arbeiten, und begann zu dieser Zeit, mit einem Team von 12- bis 17-Jährigen Kurzfilme zu drehen. Ich verliebte mich in die Kinematographie und erkannte schnell, dass meine wahre Leidenschaft hinter der Kamera liegt.
Sind bereits neue Projekte geplant? Wirst Du diese Art des Erzählens treu bleiben?
Ich habe einen neuen Film in Entwicklung, sowohl einen Kurzfilm als auch einen längeren Spielfilm, an dem ich gerade schreibe. Meine Projekte sind nicht einheitlich, was das Genre an sich angeht, aber mein stilistischer Ansatz ist immer ähnlich. Ich bin daran interessiert, Geschichten zu erzählen, die geerdete Charaktere und Emotionen in hyper-stilistischen Welten erkunden. Ich stelle mir meine Filme oft wie Schneekugeln vor, die alle im selben Regal stehen, aber jede ihr eigenes Make-up hat. Mein Wunsch ist es, die Menschen in dieses seltsame, wenn auch vertraute Tableau hineinzuziehen und sie einzuladen, etwas auf eine neue Art zu betrachten.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Deuce“
Interview: In our conversation with US director Margot Budzyna, we were able to find out more about her short film „Deuce“, which won the AGBO Fellowship Award at the 31st Slamdance Film Festival 2025. She explains how her own childhood memories shaped the coming-of-age story, how they strived for a certain timelessness in the look and how they convey a lot on a visual level through the colors.
How did the idea for your short film come about? Did your own experiences play a role?
„Deuce“ was born out of a desire to explore both my writing partner, Christian Tasiopoulos, and I’s childhoods. He came to me initially with the idea of exploring masculinity through baseball. A few days later I heard Connie Francis‘ „Where The Boys Are“ and began to imagine a slow-motion baseball dream sequence. By the time the song had ended, I realized the character who I was watching in that sequence wasn’t a boy, but a girl. From there, a dual narrative emerged.
How many days and where exactly did you film?
The film was shot on location in my hometown of Newburyport, Massachusetts over six days.
In what period is your film set and what was necessary to bring that time period to life?
The film is not set in one particular timeframe. As is true of much of my work, the landscapes are designed to be atemporal, lost and time and space. In that way, the film is its own microbiome with rules we ask the audience to accept – Elements like the adults never being seen on screen. That said, I was interested in focusing the aesthetics within the 1950s and 1960s to create an environment of nostalgia and idealism. Magazine ads from this era became a huge reference for both production and costume design. This period in particular felt it made sense as it reflects an era when gender constructs were incredibly binding.
Visually, your film is beautiful. What was important to you?
There was a lot of thought that went into the visual language of the film. A heavy focus of mine was color theory – the only character we ever see in red is Michael, apart from older female figures (the cashier and his mother). At the beginning, Addie is dressed primarily in blue, a deceptively passive color. Over the course of the film she’s wearing more and more green, a color we associate with the Cosmos, the boys baseball team. It was also a huge priority to me that we shoot on 16mm film to capture a feeling of humanity and nostalgia within the images themselves.
The child actors are just perfect – how did you find them? And what was it like filming with them?
We found our two main actors through our casting directors at Boston Casting. The supporting ensemble was found through an open call we put out. Of the twenty-six kids in the film, who ranged in age from five to eleven, most of them had never been on camera before. This was tremendously exciting as it truly required the set to adapt to them. As is always true, but even more so in this case, different actors required different approaches. Arabella, who played Addie for example, was incredibly advanced in her ability to hit technical beats and discuss character wants and needs. Lynden who played Michael I found did best with a more playful approach, using games and as-ifs to source effective emotion. It also became clear he was tremendously strong in silence, so in certain moments I pulled his dialogue all-together. The need for this kind of flexibility made all of us on set more present in a lovely way; Despite storyboarding and other preparations, we never quite knew the way a scene was going to go.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?
I grew up on the East Coast in a family of artists. My parents ran a children’s theater which served as the backdrop of my childhood. From an early age I found myself onstage, and also beginning to pen my own stories and direct small plays and musicals in my Massachusetts hometown. I moved to Los Angeles as a teenager for acting work and around that time began making short films with a crew of 12-17 year olds. I fell in love with cinematography and quickly began to realise that my true passions lie behind the camera.
Are there any new projects planned? Will you stay true to this style of storytelling?
I do have a new film in development, both a short and a longerform feature which I’m currently writing. My projects are not consistent in terms of genre, per say, but my stylistic approach is always similar. I’m interested in telling stories that explore grounded characters and emotions within hyper-stylistic worlds. I often think of my films like snow globes, all on the same shelf but each with their own makeup. What’s consistent is that each sphere has its own strange little world inside – My desire is to draw people into that odd albeit familiar tableau and invite them to examine something in a new way.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Deuce“