„Floating“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der serbische Animations-Kurzfilm „Floating“ von Jelena Milunović, der seine Deutsche Premiere auf dem 68. DOK Leipzig 2025 feierte, erzählt von der Erkrankung des eigenen Vaters und findet dafür eine Entsprechung in ihren animierten Bildern. 

Ein Lufthauch weht den Vater aus der Tür. Die Tochter folgt ihm auf seinem Weg durch die Stadt. Er lässt sich treiben vom Wind, erlebt spielerisch und auch ein wenig neckisch seine Umgebung, wird aber immer wieder bedroht, um ihn auf den Erdboden zurückzuholen. Seine Tochter vermisst ihn, doch schafft er es, für sie am Boden zu bleiben?

Die serbische Regisseurin Jelena Milunović erzählt in ihrem Masterfilm (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF) von der psychischen Erkrankung ihres Vaters, vermeidet dabei aber einen klinischen oder sentimentalen Ansatz. Sie zeigt mit ihren Animationen, wie er die Welt wahrnimmt, wie er zwar dazu gehört, aber ihr auch entschwebt. Der Film ermöglicht einen Blick durch seine Augen und zeigt, dass sich nicht alles schwer und wie eine Krankheit anfühlt. In diesen Momenten baut der Film auch fantasiereiche, beinah surreale Bilder ein. Auch greift der Film durch das Mädchen ihre eigene Perspektive auf ihren Vater auf und zeigt, dass man für ihn da sein kann, ohne ihn zu beschränken oder klein zu halten. Die Geschichte besitzt nur wenige Worte, denn Milunović findet starke Bilder in ihrem eigenen Stil, welche alles transportieren. Die grundlegend schwarz-weißen 2D-Zeichnungen fangen das Erlebte ein und sie arbeiten pointiert mit dem Farbeinsatz. Die Farben Rot, Grün, Gelb und Blau stehen alle für ein bestimmtes Gefühl und so werden die verschiedenen Stimmungen auch auf visueller Ebene einfangen. Abgerundet wird der Kurzfilm von dem letzten Bild (übergehend in eine reale Aufnahme), in dem die Regisseurin und ihr Vater tanzen. Das erzeugt ein schönes, warmes Gefühl. Im Gesamten schafft es der Film, auf nicht didaktische, aber nahegehende Weise von einer psychischen Erkrankung zu erzählen.

Fazit: „Floating“ ist ein Kurzfilm von Jelena Milucović, in dem sie von der psychischen Erkrankung ihres Vaters erzählt. Mit einigen Jahren Abstand und mit dem Blick durch sie Animationen fängt sie seine und ihre Sicht auf die damalige Zeit ein. In schönen und fantasiereichen Bildern zeigt sie, wie es sich anfühlen kann und wirft so einen anderen Blick auf solche Erkrankungen. 

Bewertung: 3,5/5

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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