„Wednesday“ (Staffel 1, 2022)

Doreen Kaltenecker
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Serienkritik: Es gibt in jedem Jahr Serien, die Wellen schlagen, im Jahr 2022 gehörte die amerikanische Serie „Wednesday“ auf Netflix, welche 2025 um eine zweite Staffel verlängert wurde, auf jeden Fall dazu. Im Speziellen für jungen Frauen wurde die ungewöhnliche Titelheldin, die der Addams-Familie entstammt, zu einer Identifikationsfigur, was sie auch der unverkennbaren Handschrift des Regisseurs Tim Burton verdankt. 

Nachdem Wednesday Addams (Jenna Ortega) von einer weiteren Schule geflogen ist, da sie zu drastische Rache-Maßnahmen ergriffen hat, beschließen ihre Eltern Morticia (Catherine Zeta-Jones) und Gomez (Luis Guzmán) sie auf das Internat ‚Nevermore‘, wo sie selbst zur Schule gingen, zu schicken. Dort muss sie sich mit der aufgekratzten, Farben liebenden Enid (Emma Myers), deren vollständige Verwolfung noch bevorsteht, ein Zimmer teilen. Doch bevor sie richtig angekommen ist und die Flucht aus dem Internat antreten kann, kommt es zu mysteriösen Mordfällen, weswegen der Sheriff (Jamie McShane) des nahen Ortes Jerichos die Schule auf dem Kieker hat. Wednesday dagegen vermutet, dass einer der normalen Dorfbewohner dafür verantwortlich sein könnte, scheint es doch eine Verbindung zu den früheren Pilgern um Joseph Crackstone (William Houston) zu geben.

Emma Myers und Jenna Ortega

Die acht Folgen umfassende erste Staffel stammt aus der Hand von Alfred Gough und Miles Millar und konnte Tim Burton als Produzenten und Regisseur der ersten vier Folgen gewinnen. Dabei ist ihre Coming-of-Age-Geschichte der jugendlichen Wednesday eine wilde Mischung verschiedener Genres aus den Bereichen Zauber- und Monster-Fantasy, Schuldramen und -komödien sowie einer Whodunit-Krimi-Geschichte. Die Serie entstammt den Filmen „Addams Family“ (1991) und „Die Addams Family in verrückter Tradition“ (1993), welche wiederum wie bereits eine Serie aus den 60er Jahren auf den Cartoons von Charles Addams (1930er) basiert. Hier konzentrieren sich die Serienschöpfer auf das Schwarz-liebende, morbide Familienmitglied. Die Tochter, damals hervorragend von Christina Ricci verkörpert, fiel da schon mit ihrem Selbstbewusstsein, stets konsequentem Handeln und einem Hang zum Dunklen auf. Unvergessen bleibt ihr Aufenthalt in einem Feriencamp, bei dem sich die Außenseiterin behaupten muss. Dies scheint beinahe die Blaupause für die nun geschaffene Serie zu sein. Eine klassische Außenseiter-Figur, wie sie Burton liebt, ist Wednesday Addams auch unter den anderen Außenseiter:innen von Nevermore. Dabei geht die Mischung der verschiedenen Genres hier sehr gut auf. Die Serie ist zugleich fantasievoll, unterhaltsam und spannend. Auch gibt es für die jugendliche Heldin gleich mehrere Love Interests, aber auch Freundschaften spielen hier eine große Rolle. Die Serie nimmt sich dabei Zeit auch die anderen Figuren näher kennenzulernen und schafft es immer wieder Humor, auch wenn alles düster scheint, einzubauen. 

Luis Guzmán, Catherine Zeta-Jones und Isaac Ordonez

Die Serie besitzt zudem eine Inszenierung, welche sofort Ikonen schuf, sei es der Look von Wednesday, das Design der Schule oder auch der Tanz Wednesdays auf dem Ball. Im schönsten burtonesken Fantasy-Stil á la „Edward mit den Scherenhänden“ (1990) wurde die Nevermore Academy mit vielen Details erschaffen. Der Kontrast zum Normalen, für das die Kleinstadt Jericho steht und ein wenig an Stars Hollow aus „Gilmore Girls“ (200-2007) erinnert, wird gut herausgearbeitet. Auch muss man bei der Gegenüberstellung von Außenseiter:innen und den Normis, welche die Pilgerväter der Stadt verehren, unweigerlich auch an die gegenwärtige Spaltung der Gesellschaft in den USA denken. Besetzt ist die Serie hervorragend: Jenna Ortega in der Hauptrolle wird vermutlich für immer mit dieser Serie verbunden bleiben. Doch auch Emma Myers als ihre Mitbewohnerin schließt man schnell ins Herz. Die Riege von Jungschauspieler:innen besteht dabei vor allem aus vielen unbekannten Darsteller:innen, die damit womöglich ihren Durchbruch schaffen werden. Unter den Erwachsenen-Darsteller:innen tummeln sich dagegen viele bekannte Gesichter, wie Catherine Zeta-Jones, Gwendoline Christie, Luis Guzmán und Christina Ricci, deren Auftreten besonders die Freunde der Originalfilme erfreut. Die Serie macht auf formaler Ebene nichts verkehrt, so dass man sich als Fan des Originals wie auch als jemand der neuen Generation abgeholt fühlt. Nur man darf nicht erwarten, dass hier das Rad neu erfunden wird, stattdessen werden die Elemente bekannter Geschichten auf unterhaltsame Weise und stilistisch wunderbar neu zusammengestellt. 

Moosa Mostafa, Jenna Ortega, Joy Sunday, Naomi J. Ogawa

Fazit: „Wednesday“ ist eine amerikanische Serie von Alfred Gough und Miles Millar. Die von Tim Burton produzierter und teilweise auch von ihm Regie geführter Achtteiler scheint direkt aus dem Universum des Regisseurs zu entstammen. Darin wird das Whodunit-Krimi-Genre erfolgreich mit Fantasy- und Coming-of-Age-Elementen kombiniert. Stimmig inszeniert und perfekt besetzt, bietet die Serie gelungene Unterhaltung und Spannung sowie eine rebellische und ungewöhnliche Identifikationsfigur für jüngere Zuschauerinnen. 

Bewertung: 4/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Wednesday“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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