„Der Salzpfad“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der britische Spielfilm „Der Salzpfad“ (OT: „The Salt Path“, UK, 2024) ist die gleichnamige Verfilmung des Wander-Bestsellers von Raynor Winn. Das autobiographische Buch hat während des Kinostarts in Großbritannien zwar Kritik auf sich gezogen, was aber für die Betrachtung der Verfilmung als eigenständig fiktives Werk keine Rolle spielt und kann als klassischer Wanderfilm, in dessen Zentrum der Mensch und seine Veränderung steht, gelesen werden.  

Von einem Tag auf den anderen stehen das Ehepaar Raynor (Gillian Anderson) und Moth (Jason Isaacs) ohne Zuhause da. Die Kinder sind bereits erwachsen und sie haben alles versucht, um ihr bisheriges Leben zu erhalten. Doch was sollen sie nun tun? Moth ist schwer erkrankt, aber trotzdem steht ihnen keine Sozialwohnung zur Verfügung, also beschließen sie erst einmal, die Wanderung nachzuholen, die sie schon immer einmal wandern wollten. Sie machen sich auf den Weg, 1000 Kilometer an der britischen Küste, den sogenannten Salzpfad, entlang zu wandern. 

Gillian Anderson und Jason Isaacs

Der Spielfilm ist die erste Regie-Langfilmarbeit der britischen Regisseurin Marianne Elliott. Sie adaptiert zusammen mit der Drehbuchautorin Rebecca Lenkiewicz den gleichnamigen Wanderbuch-Bestseller aus dem Jahr 2018. Die Autorin Raynor Winn und ihr Werk waren nach der Veröffentlichung oft Diskussionspunkt, da sie das Werk als rein autobiographisch vermarktete, dabei aber bestimmte Hintergrunddetails aussparte. Doch das hat für die fiktionale Filmadaption keine Relevanz, da man den Film eh nicht als dokumentarisch ansehen darf. So kann man den Film auch ohne Vorwissen sehen und bekommt einerseits einen klassischen Selbstfindungs-Wanderfilm und andererseits einen gesellschaftskritischen Film darüber, wie mit mittellosen Menschen umgegangen wird. Dabei kann sich der Film leider nicht entschließen was er sein möchte. Das Drama findet immer wieder tolle Zwischentöne, berührende Begegnungen und schöne Landschaften. Doch mitunter fehlt dem Film der Schwung. Weniger gesellschaftlicher Schwermut und dafür mehr von der liebevollen Beziehung der beiden auf ihrer beschwerlichen Reise und eine stärkere Straffung hätten dem Film gut getan. Auch der Schluss wird unnötig in die Länge gezogen und so wird hier die etwas holprige Geschichte ohne runden Abgang zu Ende geführt.

Gillian Anderson und Jason Isaacs

Stark ist der Film jedoch in jenen Momenten, wo die Schönheit der Natur alle Schmerzen überwiegt oder sich das Paar seiner gegenseitigen Liebe erneut und intensiv bewusst wird. Die beiden sind wunderbar von Gillian Anderson und Jason Isaacs dargestellt. Neben den beiden bekannten Gesichtern trifft man auf viele eher unbekannte Darsteller:innen, darunter auch James Lance, der womöglich aus der Serie „Ted Lasso“ bekannt ist. Eine eigene Rolle spielt der britische Küstenwanderweg, der mit seinen vielen verschiedenen Aussichten, kleinen Fischerdörfern, Klippen und dem Meer die Zuschauenden in den Bann zieht. Und auch wenn das Mühsal der Wanderung spürbar ist, wünscht man sich, diese Wanderung selbst zu unternehmen. 

Fazit: Die Romanadaption „Der Salzpfad“ von Marianne Elliott schafft es, die Schönheit des Landes, die Mühsal der Wanderung und das Gemeinsame wunderbar einzufangen. Doch leider verzettelt der Film sich an mehreren Stellen, wo er mehr sein will, als nur ein Wanderfilm. Doch Elliots Debüt besitzt trotzdem seine Qualitäten und fängt die Schönheit des Unterwegsseins genauso ein, wie es gesellschaftliche Missstände in Großbritannien aufzeigt. 

Bewertung: 3/5

Trailer zum Film „Der Salzpfad“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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