„Im Licht der Sandbank“ (2026)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der Dokumentarfilm „Im Licht der Sandbank“ von Kilian Helmbrecht, der seine Weltpremiere auf dem 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 feierte und auf dem Festival Achtung! Berlin zu sehen sein wird, ist das filmische Portrait des Lebens eines Vogelwarts auf der Insel Scharhörn, in dessen Rolle der Filmemacher selbst geschlüpft ist.

 

Die Düneninsel Scharhörn in der Helgoländer Bucht liegt im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, etwa 15 km vor der Küste von Cuxhaven. Sie darf immer nur von einem Menschen auf einmal bewohnt werden. Sieben Monate lang, zwischen März und Oktober, bezieht der Filmemacher und Ornithologe Kilian Helmbrecht die Vogelwarte und dokumentiert die tägliche Arbeit, die vor allem aus Observierungen, Vogelzählung und dem Sammeln von Treibgut besteht. Auf der Insel leben viele bedrohte Tierarten und es rasten jedes Jahr bis zu 100.000 Zugvögel auf Scharhörn. Während auf dieser Insel im Wattenmeer alles seinem eigenen Rhythmus folgt und für sich besteht, lässt sich die Außenwelt trotzdem nicht abschotten. 

Der 75-minütige Langfilm ist ein Portrait der unter Naturschutz stehenden Insel Schärhorn und dessen tierischen Bewohner. Über eine gewissen Zeitraum hinweg stellt der Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur auf dieser wie auch der Nachbarinsel Nigehörn Vogelwarte an, um Populationen zu überwachen. Bereits 2016 war Kilian Helmbrecht für seinen Kurzfilm „Einmannland“ schon einmal auf der Insel unterwegs. Jetzt bekam er die Chance, dort den ersten Lang-Dokumentarfilm zu realisieren. In Personalunion und auch als Hauptprotagonist schuf er ein Portrait einer von Menschen nahezu unberührten Landschaft. Er zeigt die Schönheit, aber auch das Raue und stellenweise Schroffe der Natur. Er fängt in Panoramen die Weite ein. Auch auf hörbarer Ebene macht er die Insel greifbar – Wind, Meer und Vogelgeräusche sind die Soundkulisse, die sein Leben vor Ort untermalen. Dabei verzichtet der Regisseur und Protagonist beinahe vollständig darauf, mit dem Publikum zu kommunizieren. Trotzdem bleibt er nicht wortlos. Wir erleben ihn im Austausch mit dem benachbarten Vogelwart Jakob, seiner Familie und Wissenschaftler:innen, mit denen er sich via Videochat über ökologische und biologische Themen austauscht. Doch vor allem begleiten wir ihn bei seiner Tätigkeit als Vogelwart, den Rundgängen über die Insel und beobachten, wie um ihn herum die Zivilisation weiterhin ihre teils verheerenden Kreise zieht. Der Film ist gleichzeitig ein Durchatmen und ein Distanzieren von der schnelllebigen Welt, aber er zeigt auch klar, dass es nicht trennbar voneinander ist, was sich u.a. durch das angespülte Treibgut zeigt. Der Film ist dabei ein klares Plädoyer für einen anderen, besseren und achtsamen Umgang mit der Natur und erschlägt trotzdem das Publikum nicht mit seiner innewohnenden Moral. Die Mischung aus Beobachtungen und fachlichen Unterhaltungen ergibt ein Gesamtbild, welches das Publikum in die richtige Richtung weist, auch um sich einmal Gedanken über das eigene Leben mit all der Hektik und dem Darüber-Hinweg-Gehen zu machen.

Kilian Helmbrecht

Fazit: Die Dokumentation „Im Licht der Sandbank“ ist das Portrait der Wattenmeer-Insel Scharhörn, auf dem der Filmemacher Kilian Helmbrecht und zu dieser Zeit einziger Bewohner als Vogelwart gearbeitet hat. Seine ruhige Kameraarbeit, das Einfangen der Naturgeräusche sowie die Gespräche ergeben ein Bild eines Naturschutzgebietes, das unbedingt erhalten bleiben muss, und gleichzeitig ist der Film ein sanfter Appell für ein notwendiges Umdenken und Handeln. 

Bewertung: 4/5

Dieser Film läuft auf dem Achtung Berlin Filmfestival vom 15. bis 22. April 2026

Trailer zum Film „Im Licht der Sandbank“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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