- „Nightborn“ (2026) - 13. August 2026
- Kinostarts 13.08.2026 - 12. August 2026
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Filmkritik: Der finnische Horrorfilm „Nightborn“ ist der zweite Langfilm von Hanna Bergholm („Hatching“) und nicht nur die erste englischsprachige Produktion von ihr, sondern war auch, überraschend für das Genre, Teil des Wettbewerbs der 76. Berlinale 2026.
Der Brite Jon (Rupert Grint) und seine finnische Frau Saga (Seidi Haarla) träumen von einem Leben auf dem Land mit drei Kindern. Dazu ziehen sie von London zurück in das finnische Elternhaus Sagas. Dieses ist zwar renovierungsbedürftig, aber das schadet ihrer Begeisterung für den nächsten Lebensabschnitt nicht, so dass sie schon bald ein Kind erwarten. Nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes schleichen sich bei Saga Bedenken ein, dass mit dem Kind etwas nicht stimmen könne. Doch alle Menschen, auch ihr Ehemann Jon, haben nur gut gemeinte Ratschläge für sie parat und sehen nicht das Ungewöhnliche an dem Säugling. Saga ringt währenddessen mit ihren Gefühlen und versucht, die Mutter zu sein, die das Kind benötigt.
Wie bereits andere Filme aus dem letzten Jahr wie „Die My Love“ (2025) von Lynne Ramsay, „If I Had Legs I’d Kick You“ (2025) mit Rose Byrne und „Mother’s Baby“ (2025) von Johanna Moder verwendet Hanna Bergholm, die wieder zusammen mit Ilja Rautsi das Drehbuch geschrieben hat, Horror-Elemente, um sich mit dem Thema Mutterschaft auf eindringliche Weise zu beschäftigen. Dabei greift sie gleichermaßen auf finnische Sagen und Fabelwesen zurück, wie auf authentische Mutter-Gefühle. So bekommen wir als Zuschauer:innen auch das ganze Paket solch einer Zeit präsentiert und sind nicht nur bei der frontal gefilmten Geburt dabei, sondern erleben den erschöpfenden Alltag. Saga kommt angeschlagen von der Geburt zurück und hadert mit den Besonderheiten ihres Kindes. Doch steckt mehr dahinter oder ist es nur ein stark behaartes Schreibaby? Wie auch bei „Mother’s Baby“ bleibt dies lange unklar, so dass man auch eine postnatale Depression oder ein fehlendes Warmwerden mit der neuen Rolle oder dem Kind interpretieren könnte. Doch Bergholm entscheidet sich für einen konsequent zu Ende gedachten Horrorfilm, sodass ihr Film mit einer für das Genre typischen Explizität zu Ende geht.
Daran schmiegt sich die konsequente Inszenierung des Films an, der mit dem Gegensatz von zivilisierten Innenräumen und unbändiger Natur arbeitet. Der Wald, in dem das Kind gezeugt wird, ist verwuchert und wild und steht auch für die Sehnsucht nach etwas Ursprünglichem und Zurückgezogenem, was sich das Paar wünscht. Das alte Haus wird schnell wieder fit gemacht, so dass bald das perfekte Kinderzimmer errichtet wird, das dann zum Hauptschauplatz des Kammerspiels wird und dessen Veränderungen wird und auch viel über das Mutter-Kind-Verhältnis erzählt. Um dieses geht es im Kern der Geschichte: Dass man sein Kind bedingungslos liebt, so wie es ist, und an dieses Gefühl können viele Eltern und vor allem Mütter trotz aller Monstrosität anknüpfen. Die finnische Darstellerin Seidi Haarla spielt die Saga mit enormer Intensität und durch sie lernt das Publikum das Baby kennen, dessen Gesicht nie gezeigt wird. Auch die Figur von Jon, verkörpert von Rupert Grint (vor allem bekannt als Ron aus den „Harry Potter“-Filmen), ist nicht die eines anwesenden, abgestumpften Ehemanns, sondern die eines sorgenden und liebenden Manns, auch wenn er nicht das Gleiche sieht wie Saga.
Fazit: „Nightborn“ ist die zweite Regiearbeit der finnischen Regisseurin Hanna Bergholm. Hervorragend besetzt und souverän als Horrorfilm inszeniert, vermischt der Film lokale Sagen mit dem Thema Mutterschaft. Dabei gelingt Bergholm trotz aller Übertreibung ein dezidierter Blick auf diese Zeit mit einem Neugeborenen und wie Mütter sich in dieser Zeit fühlen. Dass sie sich trotz dieses klaren Blicks am Ende dem Genre hingibt, verschleiert den Kern der Geschichte nicht.
Bewertung: 3,5/5
Kinostart: 06.08.2026
Trailer zum Film „Nightborn“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „Nightborn“
- Eintrag des Films „Nightborn“ beim Produzenten Alamode Film
- Eintrag des Films „Nightborn“ bei der Berlinale
- Yannick Vollweiler, ‚Nightborn‘, film-rezensionen.de, 2026
- Alexandra Seitz, ‚Kritik zu Nightborn‘, epd-film.de, 2026
- Michel Rieck, ‚Nightborn‘, riecks-filmkritiken.de, 2026
- Sophie Brakemeier, ‚Berlinale 2026: Im Dialog: Yön Lapsi (Nightborn)‘, filmlowein.de, 2026
- Animalischer Toll-Horror: Der Spielfilm „Nightborn“ testet Mutterängste neu, Interview mit Hanna Bergholm, in: Podcast ‚Deutschlandfunk Kultur – Vollbild‘, 01.08.2026.


