“Die Wildente” (2015)

 © Arsenal Filmverleih

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Filmkritik: Der bekannte, in Basel geborene Theaterregisseur Simon Stone (*1984) adaptiert mit seinem Spielfilmdebüt – “Die Wildente” (OT: “The Daughter”, 2015, Australien) – ein Stück des norwegischen Autors Henrik Ibsen (1828-1906).

Christian (Paul Schneider) kehrt in seine kleine Heimatstadt in Australien zurück, um der Hochzeit seines Vaters Henry (Geoffry Rush) mit der viel jüngeren Anna (Anna Tory) beizuwohnen. Die Differenzen zwischen Vater und Sohn sind spürbar. Deshalb verbringt Christian die meiste Zeit bei seinem alten Freund Oliver (Ewen Leslie) und dessen Frau Charlotte (Miranda Otto), die einst für Henry gearbeitet hat. Die Tochter der beiden, Hedvig (Odessa Young) und Olivers Vater Walter (Sam Neill) betreiben eine Auffangstation für verletzte Tiere und zeitgleich mit dem Auftauchen einer Wildente werden beide Familien von ihrer Vergangenheit und ihren Geheimnissen eingeholt.

 © Mongrel Media

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In seinem Debütspielfilm übernahm Simon Stone nicht nur die Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch dafür. Dabei orientierte er sich nicht vorrangig an dem Originaltext “Die Wildente” (OT: “Vildanden”, 1884) von Henrik Ibsen, sondern wählte als Grundlage eine bereits existierende Theateradaption des Stückes. Er schuf für das australische Belvoir-Theater unter der künstlerischen Leitung von Ralph Myers eine moderne Neuinterpretation des Stücks. Dabei wird die Geschichte in die heutige Zeit verlegt, damit dem Zuschauer der Zugang zu den Figuren leichter fällt. Diesem Ansatz ist er auch bei seiner Drehbuchadaption treu geblieben und erzählt eine zutiefst menschliche Geschichte. Diese spielt sich innerhalb einer Woche ab und obwohl sie viel von der Vergangenheit handelt, kommt der Film ohne Rückblenden aus. Trotz vieler Ereignisse, welche das Leben der Protagonisten erschüttern, und den Überraschungen, die der Zuschauer erfährt, bleibt der Film stets seinem ruhigem Erzähltempo treu. Es scheint so, als ob die Geheimnisse der Vergangenheit so schwer wiegen, dass die Figuren ihre Leichtigkeit verloren haben. Den Mittelpunkt des Films bilden Hedvig und ihre Coming-of-Age-Geschichte. Der unverfälschte und noch nicht von Sünden belastete Charakter greift die Unwissenheit und die mögliche Schockiertheit der Zuschauer auf und ist so die Sympathiefigur des Films. Angenehm bei der Entfaltung der Geschichte ist die fehlende Rücksichtnahme auf die Zuschauer, die doch das ein oder andere, was nicht sofort ausgesprochen wird, selbst herausfinden müssen. Die Metaebene der Geschichte lässt viele Interpretationen zu. Angesiedelt ist das Ganze in einer Kleinstadt, welche durch die Armut der Bevölkerung und die Schönheit der umgebenden Natur geprägt ist. Damit liefert Stone ein gutes gesellschaftliches Portrait. Er zeigt dabei eindringlich, das Leben von Fabrikarbeitern auf dem Land und was der Verlust ihrer Anstellung bedeutet.

 © Mongrel Media

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Getragen wird das Ganze von einem hervorragenden Ensemble. Geoffrey Rush, den man aus Filmen wie “King’s Speech” (2010) und der “Fluch der Karibik”-Reihe (2003-2011) kennt, schafft es in der Rolle des Vaters, Härte und Verletzlichkeit im selben Moment zum Ausdruck zu bringen. Auch alle weiteren Rollen sind sehr gut besetzt. Eine Überraschung ist dabei Anna Torv, die man bisher vor allem aus der Serie “Fringe” (2008-2013) kannte. Im Gedächtnis bleibt aber vor allem das gemeinsame Spiel von Sam Neill (“Jurassic Park” (1993)) und der Jungdarstellerin Odessa Young, die man bisher kaum auf der Leinwand sah.

 © Arsenal Filmverleih / Andy Commis

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Fazit: Der Spielfilm “Die Wildente” nach einem Stück von Henrik Ibsen ist ein gelungenes Portrait über Erwachsenwerden und Familie und gibt einen Einblick in einen anderen gesellschaftlichen Kosmos. So kann der Film als Sozialstudie und Coming-of-Age-Geschichte mit seinen ruhigen Bildern und exzellenten Schauspielern überzeugen.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 27.10.2016

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Arsenal

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