“Tigermilch” von Stefanie de Velasco (2013)

288 Seiten / ab 16 Jahren / Kiepenheuer & Witsch / 10 €

Cover des Romans "Tigermilch" von Stefanie de Velasco

© KiWi

Buchkritik: Vor vier Jahren erregte der Debütroman “Tigermilch” der Autorin Stefanie de Velasco (geb. 1978 in Oberhausen) Aufmerksamkeit und wurde vor Kurzem auch fürs Kino adaptiert (siehe “Tigermilch” von Ute Wieland). Das Buch erzählt von zwei Mädchen und ihrer Pubertät in der heutigen Zeit und in einer schwierigen Umgebung.

Nini und Jameelah sind schon von kleinauf beste Freundinnen. Diesen Sommer wollen sie sich unbedingt entjungfern lassen, aber natürlich von den richtigen Jungs. Solange üben sie auf der Kurfürsten. Ansonsten hängen sie mit ihren Freunden am Planet oder im Schwimmbad ab und treffen sich mit Amir, dessen Schwester Jasna gerade einen Familienzwist durch eine unpassende Beziehung provoziert. Während sich Nini auf ihre Zahn-OP in der Kinderklinik freut, macht sich Jameelah Sorgen um ihren Aufenthaltsstatus und mit den beiden auserwählten Jungs geht es auch nicht richtig voran. So beschließen sie einen Liebeszauber auf dem Spielplatz auszuführen, doch in dieser Nacht werden sie Zeugen einer unvorstellbaren Tat, die alles durcheinander bringt.

Angesiedelt ist Stefanie de Velascos Geschichte im heutigen Berlin. Mit einem ehrlichen Blick erforscht die Autorin die Sozialbausiedlung mit all ihren sehr unterschiedlichen, aber irgendwie stereotypischen Figuren. Alle Probleme und Verhältnisse sind dem Leser nicht unvertraut, doch selten kam die Schilderung aus so einer Perspektive. Der Blick der beiden Mädchen ist ungetrübt ehrlich, aber stets auf eine gewisse Weise naiv. Nie aus ihrem Stadtviertel herausgekommen, erscheint ihnen Vieles als normal und gegeben, so dass der Leser immer wieder fassungslos ist, gerade wenn er eben nicht aus diesem Milieu kommt. So verwundern nicht nur der stetige Konsum von Alkohol, der Umgang mit Sexualität, sondern auch, wie leicht Straftaten und Verfehlungen begangen werden. Das alles erzählt de Velasco mit Jugendslang und einer Sprache, welche weit weg ist von der Alltagswelt der meisten Erwachsenen. Dies macht das Buch leider auch etwas anstrengend und lässt den Leser öfters mal stocken oder gar pausieren. Auch schafft es de Velasco nicht, das einem die beiden Hauptheldinnen wirklich sympathisch werden. Handeln diese doch oft nicht nachvollziehbar und zudem häufig moralisch verwerflich. Auch das Ende erscheint etwas zu konstruiert und verleiht der Geschichte mehr Drama-Elemente, als es notwendig gewesen wäre. Besonders reizvoll ist jedoch der Blick auf das Milieu und auf eine Jugend, welche viele Leser so nicht hatten.

Fazit: Der Roman “Tigermilch” der deutschen Autorin Stefanie de Velasco erlaubt einen Blick in eine für viele Leser unbekannte Welt. Dabei entwirft sie nicht nur eine interessante Coming-of-Age-Geschichte zweier pubertierender Mädchen in Berlin, sondern nebenbei auch eine Milieustudie. Im Schreibstil passt sich die Autorin der Geschichte an, was an manchen Stellen vor allem mit dem eingenommenen naiven Blick anstrengend sein kann. So lässt sich de Velascos Buch stellenweise schwer konsumieren und trübt den interessanten Einblick, den das Buch ansonsten gewährt.

Bewertung: 3/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu ““Tigermilch” von Stefanie de Velasco (2013)

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