Steven Soderbergh und seine Filme

Am Set von "Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll"

Am Set von „Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll“ © HBO Films

Soderbergh-Spezial: Der amerikanische Filmemacher Steven Soderbergh hat in den letzten 30 Jahren circa 30 Langfilme als Regisseur realisiert, dazu kamen noch einige Kurzfilme, Dokumentationen und Serien. Nebenbei übernimmt er oft die Kamera und den Schnitt in seinen Filmen und ist zusätzlich natürlich auch als Produzent tätig. Steven Soderbergh, der bereits in seiner Jugend seine Liebe zum Film entdeckt hatte, liefert konstant Filme, welche kaum in ein einheitliches Raster passen und den Zuschauer immer wieder überraschen können.

Angefangen hat die Leidenschaft für den Film bei Steven Soderbergh, der 1963 in Atlanta geboren wurde, als er das Interesse an Baseball verlor, obwohl er ein vielversprechender Spieler war. Sein Vater erkannte das neue Talent und schrieb ihn 1977 in die Animationsfilmklasse der Universität ein. Doch er erkannte bald, dass er zu ungeduldig war für das Zeichnerische und wandte sich dem Realfilm zu. Bis zu seinem Highschool-Abschluss 1980 entstanden mehrere Kurzfilme. In den folgenden Jahren zog er nach Kalifornien und schlug sich da mehr schlecht als recht mit diversen Jobs durch. In dieser Zeit arbeitete er aber weiter an kleinen Filmen und vor allem an Drehbüchern. 1984 bekam er einen zukunftsweisenden Job als Regisseur für die Rockband Yes, mit der er zehn Tage lang auf Tournee ging und ein 30-minütiges Video daraus kreierte. 1986 gab es eine weiteren Kooperation mit der Band und so entstand der Konzertfilm “Yes 9012 Live”, der ihm eine Grammy-Nominierung einbrachte. Dies markierte den Wendepunkt in seinem Leben , so dass er sich mit dem nachfolgendes Projekt einen Namen machen konnte.

Am Set von "Contagion"

Am Set von „Contagion“ © Warner Bros

Der Spielfilm “Sex, Lügen und Video” (OT: “Sex, Lies and Videotape”, 1989), der auf dem Sundance Film Festival 1989 seine Premiere feierte, erhielt dort sofort den Publikumspreis. Dadurch wurden Produzenten auf ihn aufmerksam und er konnte die richtige Kontakte knüpfen, um damit spätere Filme realisieren zu können. Damit der Ehre nicht genug, ging auch noch die Goldene Palme von Cannes an Soderberghs Erstlingswerk. Damit war er mit 26 Jahren der jüngste Regisseur, der diese Auszeichnung je erhalten hat. Im Jahr 1991 heiratete er die Schauspielerin Betsy Brantley, sie bekamen ein Kind und ließen sich im ländlichen Virginia nieder. Die Ehe wurde aber bereits 1994 wieder geschieden.

In den nächsten Jahren erschien der Film “Kafka” (1991), welcher weitestgehend an Originalschauplätzen mit Jeremy Irons in der Hauptrolle gedreht wurde, und “König der Murmelspieler” (OT: “King of the Hill”, 1993). Beide Filme waren nicht erfolgreich, so dass der zweite nicht einmal in Deutschland erschien. Auch der nachfolgende Film “Die Kehrseite der Medaille” (OT: “The Underneath”, 1995) wurde kein Kassenerfolg. Schon die Dreharbeiten machten Soderbergh keinen Spaß, so dass er ernsthaft ins Grübeln kam, ob er weiterhin Filmemacher sein wolle. Er wählte den Rückzug und besann sich bei den nächsten Projekten auf seine Anfänge. Dies bedeutete, dass er nur mit einem kleinen Team und unabhängig arbeiten wollte. So entstanden die beiden Filme “Schizopolis” (1996) und “Gray’s Anatomy” (1996), welche beide kaum eine Kinoauswertung oder größere Aufmerksamkeit erfuhren. Zu dieser Zeit war Soderbergh ein wahrer Allrounder und arbeitete auch an Folgen für TV-Serien (bsp. “Fallen Angels”, 1993-1995), Theaterstücken, Drehbüchern, welche öfters nicht verfilmt wurden, und war auch als Produzent tätig.

George Clooney und Steven Soderbergh

George Clooney und Steven Soderbergh © Sylvain Gaboury/FilmMagic

Sein Kino-Comeback feierte er mit dem Film “Out of Sight” (1998) mit George Clooney und Jennifer Lopez in den Hauptrollen. Zwar war dieser wieder kein Kassenerfolg, konnte aber die Kritiker überzeugen. Dies ermöglichte Soderbergh sich wieder einen guten Namen in Hollywood zu machen. Kurz darauf folgte sein Film “The Limney” (1999), der ihn weiterhin gut im Kurs stehen ließ. Doch seinen endgültigen Durchbruch feierte er schlussendlich mit den beiden Filmen “Erin Brockovich” (2000) und “Traffic – Die Macht des Kartells” (2000). Der erste Film zeigt Julia Roberts, die bis dato nur in romantischen Filmen gespielt hat, in einer dramatischen Rolle und erhielt dafür gleich den Oscar als Beste Hauptdarstellerin. In der gleichen Oscarverleihung 2001 erhielt auch “Traffic” vier Academy Awards. Beide Filme waren auch als ‘Bester Film’ nominiert, konnten sich aber nicht gegen Ridley Scotts “Gladiator” (2000) durchsetzen.

Im Jahr 2000 gründete Steven Soderbergh zusammen mit George Clooney eine eigene Produktionsgesellschaft. Diese, Section Eight genannt, unterstützte dabei nicht nur Soderbergh- oder Clooney-Filme, sondern auch junge Regisseure wie Christopher Nolan (“Insomnia” (2001)) und Todd Haynes (“Far from Heaven” (2002)). Das nächste Projekt, welches Soderbergh gefühlt der ganzen Welt bekannter machte, wurde ihm von Warner Brothers angeboten: “Ocean’s Eleven” (2001). Mit diesem überaus kommerziellen Erfolg erreichte Soderbergh den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere. Nur wenige Zeit später entstand mit eigenwilligen Drehregeln und kurzer Drehzeit der Film “Voll frontal” (OT: “Full frontal”, 2002), der nach eigener Aussage für all diejenigen gemacht wurde, welche den vorangegangenen Film hassten. Dies zeigt auch hier wieder die große Spannbreite des Œuvres des Filmemachers, welcher immer wieder Filme lieferte, die man so nicht erwartet hätte. Ganz in dem Sinne folgte darauf das Science-Fiction-Remake “Solaris” (2002), welches aber international nicht besonders erfolgreich war.

Steven Soderbergh auf dem 66. Internationalen Filmfest Venedig

Steven Soderbergh auf dem 66. Internationalen Filmfest Venedig © nicolas genin aus Paris, Frankreich

In den letzten 15 Jahren entstanden viele weitere Filme, welche nicht nur unterschiedlichen Genres angehörten, sondern stets andere Zuschauerkreise ansprachen. Darunter waren die Kassenerfolge “Ocean’s Twelve” (2004), “Ocean’s 13” (2007), “Contagion” (2011) und “Magic Mike” (2012), welche trotz ihrer unterschiedlichen Themenschwerpunkte wunderbare Kinounterhaltung lieferten. Andere Filme wie “The Good German” (2006), “Che: Revolución” (2008) und “Che: Guerilla” (OT: “Che: Part Two”, 2008) erfreuten sich eher bei Kritikern an Beliebtheit. Seine meist unbekannteren Filme “Bubble” (2005), “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (2009), “Der Informant!” (2009) und “Haywire – Trau‘ keinem” (2011), welche alle sehr unterschiedlich sind, mischen sich in das kunterbunte Œuvre Soderberghs stimmig ein und gaben dem Zuschauer die Möglichkeit immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Mit “Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen” (2013) kündigte Soderbergh seinen letzten Film an und wollte sich damit aus dem Filmgeschäft verabschieden, da er die Arbeitsbedingungen für Filmschaffende stark angeprangerte. So verwirklichte er im gleichen Jahr den Fernsehfilm “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll” (2013), welcher mit elf Emmys ausgezeichnet wurde, und später noch die Serie “The Knick” (2014-2015). Doch nun im Jahr 2017 ist Soderbergh mit “Logan Lucky” (2017) zurück auf den Kinoleinwänden, hat aber bereits schon wieder seinen erneuten Rückzug angekündigt. So bleibt es spannend, mit welchem Genre, welcher Art oder welchem Medium der amerikanischen Filmemacher Steven Soderbergh das Publikum noch überraschen wird. Bis dahin hat dieses viel Auswahl, um das bekannte Œuvre Soderberghs mit bisher ungesehenen Filmen zu bereichern.

Am Set von "Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll"

Am Set von „Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll“ © DCM Filmverleih

Steven Soderbergh ist ein vielseitiger Filmemacher, der Ambitionen nicht nur fürs Regie führen hegt, sondern auch gern mal die Rolle des Produzenten, Cutters oder Kameramanns übernimmt. Seit 30 Jahren liefert der amerikanische Allrounder vielseitige Filme aus verschiedenen Genres und oft in ganz unterschiedlicher Machart und traf damit den Geschmack eines jeden Zuschauers bestimmt einmal. Soderbergh ist immer wieder für Überraschungen gut, vor allem weil er seine Fühler in alle Richtungen ausstreckt und stets offen für Neues ist. So lädt seine Œuvre mal zum Entdecken, Mitfühlen oder auch manchmal zum Langweilen ein. Dies macht die Filme Soderberghs so spannend und hat ihm diese nicht abreißende, internationale Aufmerksamkeit verschafft.

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • Literatur:
    • Arnold, Frank (Hrsg.) – Experimente in Hollywood, Steven Soderbergh und seine Filme, Mainz, 2003.
      • Arnold, Frank: Biographie, S.261-280
    • Donnelly, Carla; Scott, Maggie; Scott, Jessie Scott – Podcast Club Soderbergh https://player.fm/series/club-soderbergh
    • Rogall, Stefan (Hrsg.) – Steven Soderbergh und seine Filme, Marburg, 2003.
      • Rasch, Uwe – The Luckiest Bastard You Ever Saw oder Mainstream mit Guerilla-Taktik, S. 9-22
  • Internet:

Das Œuvre Soderberghs im Blick:

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