“Das schweigende Klassenzimmer” (2018)

Poster zum Film "Das schweigende Klassenzimmer"Filmkritik: 28 Jahre nach dem Mauerfall scheint das Thema DDR noch nicht erschöpft zu sein. Der deutsche Regisseur Lars Kraume (*1973), der sich mit seinen Film “Der Staat gegen Fritz Bauer” (2015) einen Namen gemacht hat, fügt einen weiteren Film diesem Themenkreis hinzu. Dabei verwendet er bekannte Versatzstücke und schafft es trotzdem mit “Das schweigende Klassenzimmer” (Deutschland, 2018) einen soliden und sehenswerten Film zu schaffen.

© Studiocanal GmbH

Die Abiturienten Theo (Leonard Scheicher) und Kurt Wächter (Tom Gramenz) erfahren in der Wochenschau eines Westberliner Kinos von dem ungarischen Volksaufstand im Jahr 1956. Zurück in Stalinstadt überzeugen sie ihre Klasse am Abend den verbotenen Westsender Rias bei Pauls Onkel Edgar (Michael Gwisdek) zu hören. Als sie von den Opfern des Aufstandes, darunter auch der berühmte Fußballer Ferenc Puskás hören, beschließen sie, am nächsten Tag in der Schule eine Schweigeminute einzulegen. Doch sie ahnen nicht welche Lawine sie damit lostreten. Zum einem ist nicht nur der Schuldirektor Schwarz (Florian Lukas) besorgt, sondern es ruft auch den Volksbildungsminister Lange (Burghart Klaußner) auf den Plan und auf einmal ist ihr Abitur sowie ihre Zukunft in der DDR bedroht.

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Der deutsche Regisseur Lars Kraume (*1973) adaptiert mit “Das schweigende Klassenzimmer” das gleichnamige Sachbuch (2006) von Dietrich Garstka (1939-2018). Dieses schildert die wahren Ereignisse aus der ostdeutschen Kleinstadt Storkow. Aufgrund der vielen baulichen Veränderungen in der Stadt selbst übertrug man die Geschichte nach Eisenhüttenstadt (ehemals Stalinstadt), weil hier die DDR noch mit all ihrem baulichen Charme an vielen Stellen überlebt hat. Die wahren Begebenheiten gibt Kraume, welcher bei der Drehbuchentwicklung mit dem Autor Garstka zusammenarbeitete, getreu wieder und schuf eine in Versatzstücken recht vertraute Geschichte. Das Prinzip des kleinen Mannes gegen den Staatsapparat sah man bereits in vielen FIlmen über die DDR. Doch trotzdem kann der Film die Spannung gut halten und der Zuschauer hofft durch die aufgebauten Sympathien auf ein Happy End für die Schüler. Hier trägt vor allem zur Spannung bei, wenn man nicht weiß, wie das Sachbuch endet. Im Gesamten ist Lars Kraumes Film ein weiteres Puzzleteil zu dem großen Fundus an DDR-Filmen, schafft es damit aber gut zu unterhalten.

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Das liegt vor allem auch seinem sehr authentischen Look mit einer gewissen Vorliebe für Retro-Nostalgie und die ausgewählten Darsteller. Zwar sind die Figuren der Erwachsenen, getragen von Größen wie Burghart Klaußner (bekannt aus “Der Staats gegen Fritz Bauer” (2015) und “Das weiße Band“ (2009)) etwas zu stereotypisch geraten, können aber trotzdem mit ihrem Spiel die Stimmung einfangen. Dem Regisseur war es dabei wichtig, dass alle Erwachsenen-Rollen mit ostdeutschen Schauspielern besetzt wurden, weil sie das Lebensgefühl der damaligen Zeit am besten einfangen und wiedergeben können. Doch vor allem die Jungdarsteller Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Jonas Dassler und Lena Klenke (bekannt aus der “Fack ju Goehte”-Reihe (2013-2017)) spielen hervorragend und sehen zudem noch fabelhaft in den DDR-Klamotten aus.

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Fazit: Der Spielfilm “Das schweigende Klassenzimmer”, eine recht getreue Sachbuchadaption, erzählt eine Geschichte aus Zeiten der DDR nach einer wahren Begebenheit, welche in Teilen dem Zuschauer bekannt vorkommen müsste. Doch durch die interessanten Charaktere und die dazugehörigen talentierten Schauspieler bleibt die Geschichte stets spannend und unterhaltsam und fügt ein weiteres Teil zum großen DDR-Film-Puzzle hinzu.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 1. März 2018, DVD-Start: 20. September 2018

Der Trailer zum Film “Das schweigende Klassenzimmer”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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