“Wunder” (2017)

Poster zum Film "Wunder"

© Studiocanal GmbH

Filmkritik: Die Romanverfilmung ”Wunder” (OT: “Wonder”, USA / Hongkong, 2017) war bei den diesjährigen Oscar in einer der Nebenkategorien (‘Beste Make-Up und die Besten Frisuren’) nominiert. Hier stand der Film in starker Konkurrenz zu dem schlussendlichen Gewinner “Die dunkelste Stunde”. Doch eigentlich hätte der Spielfilm von Stephen Chbosky mehr als nur diese eine Nominierung verdient, denn den Filmemachern gelang mit “Wunder” eine warmherzige Komödie mit genau der richtigen Botschaft.

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Bisher wurde August „Auggie“ Pullman (Jacob Tremblay) von seiner Mutter Isabel (Julia Roberts) zu Hause unterricht. Da Auggie seit seiner Geburt unter dem Treacher-Collins-Syndrom leidet, musste er bereits 27 lebensnotwendige Operationen über sich ergehen lassen und unterscheidet sich doch optisch sehr von anderen Kindern. Trotzdem beschließt Familie Pullman, dass Augie die fünfte Klasse der Beecher Prep School besuchen wird. Bei diesem neuen Lebensabschnitt stehen ihm seine Mutter, sein Vater Nate (Owen Wilson) und seine Schwester Via (Izabela Vidovic) selbstverständlich bei und schon bald scheint er auch in Jack Will (Noah Jupe) einen neuen Freund gefunden zu haben und einen Weg zu finden, das Leben mit all seinen Herausforderungen zu meistern.

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2012 hielt sich lange Zeit der Roman “Wunder – Sieh mich nicht an?” der Autorin Raquel J. Palacio (ein Pseudonym der Grafikdesignerin Raquel Jaramillo) auf der New-York-Times-Bestseller-Liste. Doch nicht nur Kritiker konnte die Autorin damals mit ihrem Debütroman überzeugen, sondern auch Leser und Menschen, welche unter der gleichen Krankheit litten. Die Idee zu dem Roman kam ihr, als sie 2008 einem Kind mit schwerer kraniofazialer Fehlbildung begegnete und sie automatisch wegschaute. Das bewegte sie so sehr, dass sie sich die Frage stellte, wie sich das wohl für das betroffene Kind anfühlt. So entstand der in 45 Sprachen übersetzte Roman “Wonder”, der allein in USA über fünf Millionen Mal verkauft wurde.

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Der amerikanische Filmemacher Stephen Chbosky (*1970), selbst Autor und Drehbuchschreiber, adaptierte nun die Geschichte für die Leinwand. Bekannt wurde er für seinen Roman “Vielleicht lieber morgen” (OT: “The Perks of Being a Wallflower”, 1999) und die dazugehörigen Verfilmung. Er inszenierte “Wunder” als seinen dritten Film mit dem richtigen Gespür für Authentizität und Gefühl. Dabei übernahm er die Struktur der unterschiedlichen Erzählperspektiven und schuf damit nicht nur ein Portrait über einen Jungen mit einer Fehlbildung, sondern auch eine Coming-of-Age-Geschichte mehrerer Personen und ein Plädoyer für mehr Freundlichkeit zueinander. Dies war auch das innewohnende Anliegen der Autorin Palacio. Chbosky schafft es diese Botschaft mühelos und leichtfüßig auf den Film zu übertragen. Obwohl der Film viele Elemente eines Wohlfühl-Films besitzt, bleibt er stets in der Realität verhaftet und kann gerade mit der darin verborgenen Schönheit die Zuschauer rühren.

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Getragen wird das Ganze von dem hervorragenden Cast. Ganz vorn dabei ist der 11-jährige Jacob Tremblay, der bereits in “Raum” (2015) überzeugend spielte. Er schafft es trotz der Maske, welche jeden Tag vier Stunden lang angebracht werden musste, natürlich zu spielen. Er gibt der Figur Augie das nötige Selbstvertrauen und das richtige Maß an Stärke und Gefühl, sodass man ihn nie als Opfer sieht. Doch auch die anderen Rollen, vor allem Izabela Vidovic als Augies Schwester, transportieren viel Gefühl und tragen viel zum Wohlwollen des Films bei. Neben den vielen großartig besetzten Nebenrollen (u.a. Mandy Patinkin als Schuldirektor) und den talentierten Jungdarstellern bekommen die Eltern, gespielt von Julia Roberts und Owen Wilson, die Sympathie der Zuschauer. Owen Wilson (*1968) den man recht selten in solchen Rollen sieht, überzeugt hier mit Humor und viel Gefühl. Auch Julia Roberts (*1967) fühlt sich wunderbar in ihre Rolle ein. Zusammen mit dem stimmigen Setting, der sich anschmiegenden Musik und dem gut eingesetzten Humor ist ein wunderbarer Film entstanden, der berühren, unterhalten kann und zudem noch unaufdringlich dazu auffordert jedem Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen.

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Fazit: Stephen Chbosky schuf mit “Wunder” nach dem Roman von Raquel J. Palacio ein anrührendes Porträt und eine gelungene Coming-of-Age-Geschichte, welche niemals in den Kitsch abgleitet. Mit hervorragendem Cast und einer wichtigen, aber nie aufdringlichen Botschaft schafft es die Komödie mit den richtigen Tönen und dem richtigen Maß an Realismus, die Zuschauer zu bewegen und sehr gut zu unterhalten.

Bewertung: 8/10

Kinostart: 25. Januar 2018, DVD-Start: 28. Mai 2018

Der Trailer zum Film “Wunder”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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