“A Quiet Place” (2018)

Poster des Films "A Quiet Place"Filmkritik: Als dem Schauspieler John Krasinski das Drehbuch für “A Quiet Place” (OT: “A Quiet Place”, USA; 2018) vorgelegt wurde, war er sofort Feuer und Flamme. Er hatte selbst gerade sein zweites Kind mit seiner Frau Emily Blunt bekommen, konnte sich in die Ängste der Eltern hinein fühlen und übernahm auch gleich noch die Regie bei diesem ungewöhnlichen Horrorfilm, der ähnlich für Furore sorgen könnte, wie “Get Out” im letzten Jahr.

Die Familie Abbott lebt im Bundesstaat New York auf ihrer Farm ein sehr leises Leben. Nachdem Aliens scheinbar die ganze Welt überrannt haben, haben sie sich dorthin zurückgezogen und überleben schon eine geraume Zeit, indem sie einfach keine Geräusche machen. Der Familienvater Lee (John Krasinski) hat dafür gesorgt, dass im Haus alles geräuschlos passiert, um seine beiden Kinder, die gehörlose Regan (Millicent Simmonds) und Marcus (Noah Jupe), sowie seine Frau Evelyn (Emily Blunt), welche bald ein Kind erwartet, zu schützen. Doch auch in einem geräuschlosen Haushalt kann mal ein Missgeschick passieren und zudem steht die Geburt des Kindes ins Haus.

Geschrieben hat die Geschichte das Autorenduo Bryan Woods (*1984) und Scott Beck (*1984). Sie malten sich eine Welt aus, in der man nur überleben konnte, indem man keine Geräusche macht und setzten in diese Welt eine gehörloses Kind und eine werdende Mutter. Mit dieser Ausgangssituation begeisterten sie den Schauspieler John Krasinski (*1979), bekannt aus der Serie “The Office” (2001-2003) und Filmen wie “Detroit” (2017) von Kathryn Bigelow. Dieser überarbeitete das Skript und schuf einen Film, der vor allem um familiäre Ängste kreist. Nicht die Monster stehen hier im Mittelpunkt. In diesem Sinne erfährt man auch nichts über ihre Herkunft und wie es der restlichen Welt erging, sondern es geht um die Auseinandersetzung der Familie untereinander, ihren Schutz, ihre Schuldgefühle und Beziehungen zueinander. Für diese privaten Geschichten lässt sich Krasinski viel Zeit und arbeitet mit der Bedrohung im Hintergrund.

Nach einem fulminanten Auftakt wird der Zuschauer in eine Welt der Stille entführt. Dabei ist fast alles nur gedämpft wahrzunehmen und jedes Geräusch treibt den Schrecken in die Zuschauer. Wenn die Geschichte aus der Sicht der Tochter Regan geschildert wird, welche von der tauben Millicent Simmonds verkörpert wird, bleiben Geräusche völlig aus. So überträgt sich die Stille auf den Kinosaal und wird spürbar. Diesem Umstand verdankt der Film seine ungemeine Spannung. Für diese nimmt man gern die ein oder andere Logiklücke in Kauf. Denn der Zuschauer kommt leider nicht umhin, sich zu fragen, warum man in diesen Zeiten ein Kind bekommt oder warum sie nicht das Haus völlig schallisoliert haben. So erscheint auch der Opfertod eines der Familienmitglieder verschwendet und unnötig und bringt dadurch etwas zu viel Pathos in das letzte Drittel des Films. Doch im Gesamten kann der Film mit seiner so einfachen Ausgangsprämisse enorm viel Spannung erzeugen, welche wohl jeden Zuschauer packen wird.

Auch die formale Umsetzung kann überzeugen und trägt viel zur Wirkung bei. Vor allem die Darsteller wurden gut ausgewählt. Die Besetzung mit Emily Blunt (“Into the Woods” (2014) und “Girl on the Train” (2016)) verleiht dem Film schon ein gewisses Staraufgebot. Auch der Regisseur selbst als liebender Familienvater kann überzeugen, ebenso wie Noah Jupe (auch gesehen in “Wunder”) als Sohn. Nur die Wahl von Millicent Simmonds wirkt etwas zu gewollt. Eine taube Schauspielerin auszuwählen, wirkt auf den ersten Blick wie ein Clou, doch sie legt ihre Figur etwas zu störrisch an, was die Sympathie für sie, die eigentliche Hauptperson, in Grenzen hält. Doch im Gesamten ist das fast kammerspielartige Ensemble gut ausgewählt und sie können als doch irgendwie typische Familie überzeugen.

Fazit: Der Spielfilm “A Quiet Place” schafft es unter die besten Horrorfilme des Jahres 2018. Mit einer immensen Spannung, einer sympathischen Familie und einer wirklich unheimlichen Bedrohung zieht er die Zuschauer in seinen Bann. Diese sind dafür gern bereit die ein oder andere Drehbuchschwäche zu übersehen, um 90 Minuten lang die Stille und den Horror zu genießen.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 12. April 2018, DVD-Start: 28. Dezember 2018

Der Trailer zum Film “A Quiet Place”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • Pressematerial von Paramount Pictures Germany
  • Rezension des Films “A Quiet Place” im “Spiegel” von Volker Probst am 12. April 2018
  • Rezension des Films “A Quiet Place” in der “Süddeutschen” von Nicolas Freund am 14. April 2018
  • Wikipedia-Artikel über den Film “A Quiet Place”
  • Rezension des Films “A Quiet Place” in der “Süddeutschen” von Bert Rebhandl am 12. April 2018

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