„Isle of Dogs – Ataris Reise“ (2018)

© Twentieth Century Fox Germany

Filmkritik: Vom ersten Film an konnte der amerikanische Regisseur Wes Anderson sich eine treue Fangemeinde aufbauen, deren Liebe zum Regisseur mit Filmen wie “Die Royal Tennenbaums” (2001) und “Die Tiefseetaucher” (2004) immer mehr wuchs. Mit seinem letzten Film “The Grand Budapest Hotel” (2014) holte er Fans, Neulinge und Kritiker gleichermaßen ab und es regnete viele Preise, darunter auch einen Golden Globe, vier Oscars und den “Großen Preis der Jury” auf der Berlinale 2014. Die diesjährige Berlinale wurde von seinem neuesten Film – “Isle of Dogs” – Ataris Reise” (OT: “Isle of Dogs”, Deutschland/Japan/USA, 2018) eröffnet und der Film steht den Erwartungen in nichts nach, ruht sich aber glücklicherweise auch nicht auf dem großen Erfolg des Vorgängers aus.

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Im zukünftigen Japan, in der Stadt Megasaki City hat der Bürgermeister Kobayashi alle Hunde aus der Stadt verbannen lassen. Diese leben fortan auf Trash Island. Dort fristet eine Gruppe von Alphahunden unter der Leitung von Chief (gesprochen von Bryan Cranston) ihr Leben, ernährt sich von Müll und sehnt sich nach ihren Herrchen und Zuhause zurück. Als der 12-jährige Atari (Koyu Rankin), der Mündel des Bürgermeisters, auf Suche nach seinem alten Leibwächterhund Spots (Liev Schreiber) auf der Insel abstürzt, helfen ihm die Hunde Boss (Bill Murray), Duke (Jeff Goldblum), Rex (Edward Norton), King (Bob Balaban) und notgedrungener Weise auch Chief. In Megasaki City formt sich währenddessen der Aufstand gegen die Verbannung der Hunde und auf Trash Island kommen Atari und seine Begleiter einem Geheimnis auf die Spur.

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Der Regisseur Wes Anderson (*1969) besitzt einen unverwechselbaren Stil. Er baute kontinuierlich ein Universum aus, das sich durch spezielle Kamerafahrten, eine stark überstilisierte Bildsprache und mit Geschichten mit besonderen Charakteren (oft gespielt vom gleichen Ensemble) auszeichnet. Dabei wählte er immer wieder andere Länder und Konstellationen aus, tauchte schlussendlich mit “The Grand Budapest Hotel” (2014) in eine gut gefüllte, aber historisch ähnliche Parallelwelt ab und konnte damit viele Zuschauer und Kritiker schlussendlich für sich begeistern. Zwischen seinen Spielfilmen realisiert er im Jahr 2009 den Puppen-Animationsfilm “Der fantastische Mr. Fox”. Nach einer Geschichte von Roahl Dahl schuf Wes Anderson eine stimmige Umsetzung, welche trotz der anderen Realisierung ganz Wes Anderson ist. Ausgestaltet wurde sie mit typischen Charakteren, Kamerafahrten, Close Ups und Dialogen. Jetzt setzt er mit “Isle of Dogs” seinen zweiten Animationsfilm – ebenfalls als Puppen-Stop-Motion um – der als erster Animationsfilm eine Berlinale eröffnen durfte.

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Die Geschichte von “Isle of Dogs” spielt in einer Zukunft in Japan, in der es die Regierung geschafft hat, alle Hunde zu verbieten. Also auch hier wird eine Realität aufgebaut, die es so nicht gibt, die sich aber noch im Bereich des Möglichen bewegt. Dabei überzieht Anderson, der zusammen mit Roman Coppola (*1965, Regisseur von “Charlies Welt” (2012)), Jason Schwartzman (*1980, Stammschauspieler von Wes Anderson) und Kunichi Nomura (*1974) das Drehbuch geschrieben hat, die Klischees und Stereotypen auf beiden Seiten der Geschichte sehr. Doch bei Anderson ist dies nie negativ zu sehen. Er verwendet bekannte Elemente, um etwas Neues zu schaffen. Dies nutzt er geschickt, um seine Botschaft in Übertreibungen transportieren zu können. Auch wenn der Film vermutlich nicht den Bechdel-Test bestehen würde, zeichnete er eine Dystopie, welche vieles anklagt, was schiefen laufen kann in der Welt. So werden Themen wie Machtmissbrauch und Umweltverschmutzung unverhohlen angesprochen. Neben diesen Aspekten spricht der Film jedem Hundefreund aus der Seele und erzählt auch noch eine typische Abenteuergeschichte. Er vermischt stimmig viele Genres und schafft zu amüsieren, die Spannung zu erhalten und das Herz zu erwärmen. Genau das macht die narrativen Qualitäten eines Wes-Anderson-Films aus.

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Der andere Aspekt ist die visuelle Umsetzung. In zwei Jahren wurde der Film mit über 900 Figuren auf haptischen Sets geschaffen. Nur die Gesichter wurde schlussendlich über Computer animiert. Die Liebe zum Detail sieht man den Film in jeder Einstellung an. Sei es bei der Ausgestaltung der Hunde, den überzeichneten Menschenfiguren, den Wattebausch-Kampfwolken oder den Locations. Man kann sich als Zuschauer einfach nicht daran satt sehen. Durch die Sets bewegt sich die Kamera gewohnt im Stil von Wes Anderson und zeigt mit typischen Schnittfolgen und Einstellungen, was man als Fan erwartet und liebt. In dieser großartiger, liebevoll gestalteten Umgebung agieren die wunderbaren Hundefiguren. Welche nicht unbedingt niedlich und flauschig wirken, sondern entzückend und wettergegerbt. Die Hunde sind auch die einzigen Figuren die man zur Gänze versteht, da Wes Anderson darauf verzichtet, das Japanische zu übersetzen. Diese wurde von der Stammriege u.a. Bill Murray, Edward Norton und Scarlett Johansson synchronisiert. Aber auch die deutsche Übersetzung funktioniert wunderbar. Abgerundet wird das von dem großartigen Score mit den japanischen Trommlern, komponiert von Alexandre Desplat (*1961), der dieses Jahr auch den Oscar für die beste Filmmusik für den Film “Shape of Water” erhielt und bereits mehrmals mit Wes Anderson zusammengearbeitet hat. Im Gesamten ist “Isle of Dogs – Ataris Reise” ein großartiger Animationsfilm mit einer turbulenten Geschichte, interessanten Figuren, tollen, liebenswerten Hunden, perfekter Ausgestaltung und dem wunderbaren Spiel mit Stereotypen und Fantastischem.

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Fazit: Der Stop-Motion-Film “Isle of Dogs – Ataris Reise” ist ein Wes-Anderson-Film, wie er im Buche steht. Dabei überzeugt er mit einer Geschichte voller Spannung, Herz und Komik, welche aber auch nicht vor moralischen und politischen Aussagen oder Überzeichnungen zurückschreckt. Diese wird durch einen aufwendigen Puppentrick zum Leben erweckt und beeindruckt mit Details, Kamerafahrten und atmosphärischen Gespür. Das macht “Isle of Dogs – Ataris Reise” zu einem großartigen Kinoerlebnis und zu einem Film, der einem sofort ans Herzen gewachsen ist und das nicht nur, weil Hunde darin die Hauptrolle spielen.

Bewertung: 9,5/10

Kinostart: 10. Mai 2018, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Isle of Dogs – Ataris Reise“ (2018)

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