Fünf Fragen an Ian Hunt Duffy

Interview: Der Kurzfilm “Gridlock” schafft es mit handwerklichem und erzählerischem Talent in kürzester Zeit enorme Spannung aufzubauen. Im Interview erzählt uns der irische Regisseur Ian Hunt Duffy von der Entwicklung des Stoffes, worauf er sein Augenmerk gelegt hat und von seiner Verbeugung vor Alfred Hitchcock.

The original english language interview is also available.

Wie hast Du den Stoff für deinen Film Kurzfilm “Gridlock” entwickelt? War erst der Name da oder der Plot?

Ich liebe High-Concept-Thriller, die an einem Ort spielen und ich wollte schon immer meine eigene Version machen. Eines Tages steckte ich in meinem Auto im Verkehr fest und ich dachte, es wäre interessant, einen Thriller komplett während eines Staus zu drehen und zu sehen, welche Spannung man in dieser eingeschränkten Umgebung erzeugen kann. Von dort hatte ich die Idee eines Vaters, dessen Tochter aus dem Auto verschwunden ist, und das war der Startpunkt für “Gridlock“.

Hast Du eigene Erfahrungen oder Ängste mit eingebaut? Die Angst des Vaters stellst Du sehr greifbar und echt dar.

Es war mir wichtig, das Publikum von Anfang an in die Lage des Protagonisten zu versetzen, deshalb wollte ich, dass man seine Angst und Panik sofort spürt und versteht. Ein Kind zu verlieren ist der schlimmste Alptraum jedes Elternteils und etwas, mit dem sich jeder Zuschauer sofort identifizieren und einfühlen kann, und so denke ich, dass diese spürbare Angst es einem erlaubt, das sich entfaltende gefährliche und gewalttätige Verhalten zu akzeptieren und sogar zu rechtfertigen.

Hast Du bei der Ausgestaltung besonders wert auf etwas Spezielles gelegt? Beispielsweise, dass der Film besonders universell wirkt, da diese Landstraße gefühlt überall sein könnte.

Ich mochte schon immer die Idee, es auf einer kleinen, unscheinbaren Landstraße spielen zu lassen. Eine abgelegene ländliche Umgebung, die überall sein könnte, wie du sagtest. An der Oberfläche sieht es friedlich aus, mit vielen Bäumen und Grün, welche die Leinwand füllen, denn diese scheinbar gewöhnliche Umgebung ist ein großartiger Kontrast zu den heftigen und gewalttätigen Ereignissen, die sich schnell entwickeln. Was die Gestaltung angeht, so gibt es in der Geschichte ein leichtes satirisches Element, in dem all diese verschiedenen Teile der Gesellschaft zusammenkommen – das schicke Paar, der Arbeiter, der Außenseiter – und der Stau, welcher diese Menschen, die normalerweise nicht interagieren würden, zusammenwirft. Ich brauchte das Kostümdesign, um den Betrachter schnell darüber zu unterrichten, was für eine Art von Person sie sehen, als schnelle Abkürzung für eine längere Erklärung.

Hast Du große Vorbilder, auf welche Du auch speziell in diesem Film zurückgegriffen hast?

Hitchcock war eine große Inspiration für “Gridlock”. Er ist aus gutem Grund der Meister der Spannung, also habe ich viele seiner Filme in der Vorproduktion noch einmal angesehen, Filme, die für unsere Geschichte relevant waren, wie „Das Rettungsboot“ (?), in dem auch eine Gruppe von Leuten an einem Ort zu sehen sind, die sich langsam gegeneinander wenden. Der Autor Darach McGarrigle und ich sind auch Fans von alten Fernsehsendungen wie “The Twilight Zone” oder „Alfred Hitchcock präsentiert“, die es geschafft haben, eine riesige Menge Spannung und Ungewissheit in eine 20-minütige Episode zu packen, also wollten wir sehen, ob wir das mit einem kurzen Film erreichen können und ein spannendes Rätsel für das Publikum bieten zu können.

Der Erfolg deines Kurzfilms hat Dir bestimmt viele Möglichkeiten eröffnet. Wie geht es bei Dir weiter?

Ich habe einen weiteren Kurzfilm “Low Tide“, der sich derzeit in der Postproduktion befindet und im November Premiere haben wird. Ich habe auch meinen ersten Spielfilm mit dem “Gridlock”-Autor Darach McGarrigle in der Entwicklung. Es ist ein Horrorfilm namens “Double Blind” und wie “Gridlock” ist er ebenfalls an einem einzigen Ort angesiedelt und zeigt ein Ensemble von Charakteren. Wir freuen uns sehr darauf. Ich hoffe also, dass ich auch in Zukunft die Gelegenheit bekomme, an Dingen zu arbeiten, die mich begeistern und von der ich wirklich überzeugt bin, und meinen eigenen Stil und meine eigene Stimme als Filmemacher weiterzuentwickeln.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lest auch unsere Kurzfilmkritik über den Kurzfilm “Gridlock


Interview: The short film “Gridlock” manages to build up a lot of suspense in a very short space of time using technical and narrative talent. In our interview, Irish director Ian Hunt Duffy tells us about the development of the material, what he focused on and his tribute to Alfred Hitchcock.

How did you develop the idea for your film short „Gridlock“? Was the name or the plot first?

I love high-concept thrillers that are set in a single location and I always wanted to do my own version. One day I was stuck in my car in traffic and I thought it would be interesting to set a thriller entirely during a traffic jam and see what kind of suspense you could create in that restricted environment. From there I had the idea of a father whose daughter goes missing from their car, and that was the jumping off point for ‘Gridlock’.

Do you have your own experiences or fears? The fear of the father is very vivid.

It was important for me to put the audience in the protagonist’s shoes right from the outset, so I wanted you to feel and understand his fear and panic immediately. Losing a child is every parent’s worst nightmare and something that every viewer can immediately relate to and empathize with, and so I think this palpable fear allows you to accept and even justify the dangerous and violent behaviour that unfolds.

Did you attach particular importance to something in the design? For example, that the film looks particularly universal, since this country road could be virtually anywhere.

I always liked the idea of it being set on a small, indistinct country road. A remote rural environment that could be anywhere as you said. On the surface it looks peaceful, with lots of trees and green filling the frame, because this seemingly ordinary setting would be a great juxtaposition to the heightened and violent events that quickly unfold. In terms of design, in the story there is a slight satirical element where you have all these different parts of society coming together- the posh couple, the working-class character, the outsider- and the traffic jam as a way to throw together these people who wouldn’t normally interact. I needed the costume design to quickly inform the viewer about what kind of person they were, acting as a quick shorthand for exposition.

Do you have any great role models that you have especially drawn on in this film?

Hitchcock was a huge inspiration for ‘Gridlock’. He’s the master of suspense for a reason, so I was re-watching a lot of his movies in pre-production, films that were relevant to our story like ‘Lifeboat’, which also features a group of people in one location slowing turning on each other. Writer Darach McGarrigle and I are also fans of old television shows like ‘The Twilight Zone’ or ‘Alfred Hitchcock Presents’– shows that managed to fit a huge amount of tension and suspense into a 20-minute episode, so we wanted to see if we could achieve that with a short film and create an exciting mystery for an audience to solve.

The success of your short film has certainly opened up many opportunities for you. What happens next?

I have another short film ‘Low Tide’ which is currently in post-production and will have its premiere in November. I also have my first feature film in development with ‘Gridlock’ writer Darach McGarrigle. It’s a horror called ‘Double Blind’ and like ‘Gridlock’ it is also set in one location and features an ensemble cast of characters. We’re really excited about it. So going forward I just hope I get the opportunity to make work that excites me and that I’m truly passionate about, and continue to develop my own style and voice as a filmmaker.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on

  • German review of the shortfilm “Gridlock

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