Sechs Fragen an Sean Meehan

Interview: Der Filmemacher Sean Meehan erzählt uns im Interview mehr davon wie es war mit seinem Debüt-Kurzfilm “Lost Face” eine Jack London-Geschichte zu verfilmen und wie er es geschafft hat, das Projekt finanziell unabhängig auf die Beine zu stellen.

The original english language interview is also available.

Ich habe Deinen Kurzfilm “Lost Face” auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival in der ‘Shock Block’-Reihe, wo vor allem Genrefilme laufen, gesehen. Da passt er mit seiner außergewöhnlichen Mischung mit übernatürlichen Elementen auch gut rein. Wie kam es dazu, dass Du Dich dafür entschieden hast, die gleichnamige Geschichte von Jack London als Kurzfilm zu verwirklichen?

Ich suchte nach einer Kurzfilmidee und saß mit einem Freund im Pub und sprach über die besten Kurzgeschichten, die wir gelesen hatten. Er erinnerte mich an “Lost Face”, das ich seit meiner Jugend nicht mehr gelesen hatte. Ich ging nach Hause und las es noch einmal und wusste sofort, dass es das richtige Projekt für mich war. So einfach war das!

Worauf hast Du bei der Umsetzung dein Augenmerk gelegt? Wie getreu bist Du gegenüber der Vorlage?

Die ursprüngliche Geschichte beinhaltet eine ganze Menge Hintergrundgeschichte über den Pelzfänger Subienkow und wie er seine Reise ihn in den gefrorenen Nordwesten führte, aber das war unpraktisch (und höllisch teuer) zu drehen – ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich es für den Kurzfilm brauchte. Den Rest der Geschichte versuchte ich, sehr treu zu bleiben. Es ist immer schwierig mit einer Anpassung, denn es gibt Menschen, die das Ausgangsmaterial absolut lieben und jede Abweichung vom Originaltext für Blasphemie halten. Aber natürlich bin ich auch ein großer Jack London-Fan und ich war sehr darauf bedacht, mit seiner fantastischen Geschichte den besten Job zu machen, den ich machen konnte. Ich habe ein oder zwei Charaktere zusammengefasst, aber ich habe alle wichtigen Story-Beats und so viel von Jack Londons wunderbarem Dialog wie möglich behalten. Es gibt einen Rhythmus in seiner Art zu schreiben, den ich in den Film übersetzen wollte.

Hattest Du schon mal Bedenken, dass der Titel vielleicht zu sehr die Pointe vorweg nehmen könnte?

Nicht mehr als Jack London! Aber im Ernst, nein, das habe ich nicht, denn es ist ein mehrdeutiger Titel, der nicht unbedingt das Ende verrät. Natürlich, wenn man es einmal gesehen hat, erscheint der Titel sehr offensichtlich. Ich habe den Film auch zweimal betitelt – zuerst in Cree (der indigenen Sprache, in der wir den Kurzfilm gedreht haben – wir konnten nicht bis zum Territorium von Nulato reisen), dann haben wir den Film mit dem Titel auf Englisch beendet. Als ich das Drehbuch adaptierte, wollte ich mehr Rücksicht auf beide Seiten der Situation nehmen und die beiden Perspektiven in Einklang bringen – die doppelten Titel waren Teil meiner Bemühungen, dies zu tun.

Die Inszenierung ist großartig. Kannst Du uns mehr zu den Dreharbeiten erzählen und vor allem, wie es war mit ‘Natives’ zu arbeiten?

Wir drehten drei Tage lang über die Wintersonnenwende außerhalb von Calgary, so dass wir sehr wenig Tageslicht hatten (etwa sieben Stunden am Tag) und es für mich sehr kalt war.  Ich denke aber nicht, dass das die Kanadier vor Ort zu sehr beunruhigte. Es war ein super ambitionierter Dreh und am dritten Tag waren wir ein wenig im Rückstand, so dass wir am Ende eine dritte Kamera mitbrachten, mit der ich filmte. Wir filmten die letzte Aufnahme – die allererste Aufnahme des Films – gerade als die Sonne unterging. Ich stieg am Ende des letzten Tages in das Auto und meine Produzentin fragte mich: „Nun, was denkst du?“ Ich sagte ihr, dass ich nicht wüsste, was zum Teufel ich gerade gedreht hatte. Also, ja, es war sehr geschäftig. Glücklicherweise hatte ich mich so gründlich vorbereitet, dass wir so schnell sein konnten, wie wir es dann waren. Jede einzelne Aufnahme, die wir gedreht haben, hat den Schnitt gemacht.

In Bezug auf die Zusammenarbeit mit den Native Americans (Kanadiern) kann ich sagen, dass das für mich unerlässlich war. Es gab nie auch nur den flüchtigen Gedanken, dass wir keine indigenen Schauspieler einsetzen könnten. Es war eine wunderbare Erfahrung, mit ihnen zusammenzuarbeiten – besonders mit Gerald, Morris und Michelle, die uns geholfen haben, einige der anderen angesehenen lokalen Schauspieler wie Wilma Pelly und Helmer Twoyoungmen zusammenzubringen. Sie brachten eine Perspektive in die Geschichte ein, von der ich denke, dass sie viel zum Film beiträgt. Ich hoffe wirklich, dass ich irgendwann in der Zukunft wieder mit ihnen zusammenarbeiten kann.

Ich hab gelesen, Du hast den Film finanziell alleine gestemmt. Wie hast Du das möglich gemacht?

Ich habe meine Seele an den Teufel der Werbung verkauft! Ich mache als Regisseur seit siebzehn Jahren Fernsehwerbung und war buchstäblich so fleißig wie möglich und habe mehrere Jahre lang gespart, um die Mittel aufzubringen. Es war ein riesiges finanzielles Projekt, aber ich habe in drei Tagen so viel über das Filme-machen gelernt, wie in all den Jahren während denen ich Werbespots gedreht habe. Allein dieser Erkenntnisgewinn war die Kosten wert.

Wie Du bereits erwähnt hast, kommst Du aus der Werbung und konntest mit “Lost Face” deinen ersten Kurzfilm verwirklichen. Wie wird es bei Dir weitergehen? Wird es Langfilme geben? Vielleicht sogar welche, die staatlich finanziert werden, nachdem du mit diesem Kurzfilm erfolgreich im Festival Circuit warst?

Ich schreibe gerade ein paar Langfilme und einen Piloten. Ein Projekt steht grundsätzlich schon in der Startlöchern, ich warte nur auf die endgültige Genehmigung durch mein Management, um mich nach Finanzierung umzusehen. Die beiden anderen befinden sich in einem früheren Entwicklungsstadium. Ich hatte ein weiteres Drehbuch geschrieben und wir kamen der Umsetzung sehr nah, aber wir verloren unsere Finanzierung, als wir unseren Schauspieler verloren. Ich versuche immer noch, das irgendwie Realität werden zu lassen, aber es gibt keinen Weg das selbst zu finanzieren, also muss ich die Finanzierung anderswo finden.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Übersetzungen von Michael Kaltenecker

Lies auch unsere Kurzfilmkritik zu seinem Kurzfilm “Lost Face


Interview: In the interview director Sean Meehan tells us what it was like to film a Jack London story with his debut short “Lost Face” and how he managed to make the project financially independent.

I saw your short film “Lost Face” at the 19th Landshut Short Film Festival in the ‚Shock Block‘ series, where mainly genre films are shown. With its extraordinary mixture with supernatural elements the film fits in well. How did you decide to make the Jack London story of the same name into a short film?

I was looking for a short film idea and was sitting at the pub with a friend of mine talking about the best short stories we’d read. He reminded me of Lost Face, which I hadn’t read since I was a teenager. I went home and re-read it, and instantly knew it was the right project for me. It was that simple!

What did you focus your attention on during the realization? How faithful are you to the original?

The original story includes quite a bit of back story for the fur trapper, Subienkow, and how his journey took him to the frozen northwest but that was impractical (and hellishly expensive) to shoot – I also didn’t feel like I needed it for the short film. The rest of the story I tried to stay very faithful to. It’s always difficult with an adaptation because there are people who absolutely love the source material and consider any deviation from the original text to be blasphemous. But of course, I’m a huge Jack London fan too and I was very concerned about doing the best job I could with his amazing story. I did condense a character or two but I kept all the major story beats and as much of Jack London’s wonderful dialogue as I could. There’s a rhythm to the way he writes that I wanted to translate to film.

Have you ever had concerns that the title might perhaps foreshadow the punch line too much?

No more than Jack London did! But seriously, no, I didn’t, because it’s an ambiguous enough title that it doesn’t necessarily reveal the ending. Of course, once you’ve seen it the title seems very obvious. I also titled the film twice – firstly in Cree (which was the indigenous language we filmed the short in – we couldn’t travel as far as Nulato territory), then we finished the film with the title in English. When I adapted the screenplay I wanted to be more considerate of both sides of the situation and balance the two perspectives – the dual titles was part of my efforts to do that.

The staging is great. Can you tell us more about the shooting? How important was it for you to work together with Native Americans?

We shot outside of Calgary for three days over the winter solstice, so we had very little daylight (around seven hours a day) and for me it was very cold. I don’t think it worried the local Canadians too much though. It was a super-ambitious shoot and on the third day we were a little behind so we ended up bringing in a third camera, which I operated. We got the last shot – which is the very first shot of the film – just as we lost the light entirely. I got into the car at the end of that last day and my producer asked me, “well, what do you think?” I told her that I didn’t know what the hell I’d just shot… So, yeah, it was very busy. Luckily I’d done such thorough prep that we were able to move as quickly as we did. Every single shot we filmed made the edit.

In terms of working with Native Americans (Canadians), that was essential to me. There was never even a fleeting thought that we might not use indigenous actors. It was a wonderful experience working with them – especially Gerald, Morris and Michelle, who helped us gather some of the other esteemed local cast like Wilma Pelly and Helmer Twoyoungmen. They brought a perspective to the story that I thought added a lot I sincerely hope to be able to work with them again some time in the future.

I read that you realized the film financially on your own. How did you make this possible?

I sold my soul to the devil of advertising! I’ve been directing TV commercials for seventeen years now and I literally just went as hard as I could and saved for several years to raise the funds. It was a huge financial commitment but I learned as much about filmmaking doing the short in three days as I have directing commercials over all these years. The education alone was worth the expense.

You come from advertising and were able to make your first short film with „Lost Face“. What are your plans now? Will there be feature-length films? Maybe even some with outside financing after you have been successful with this short film on the Festival Circuit?

I’m writing a couple of features and a pilot now. One is fundamentally ready to go, I’m just waiting for final approval from my management to start shopping it around. The other two are at earlier stages of development. I’d written another script and we got close with that one but we lost our money when we lost our actor. I’m still trying to put that together as well. In terms of funding there’s no way I could afford to finance a feature, so I’ll have to secure funding elsewhere.

The questions were asked by Doreen Matthei

Also read our german review of the shortfilm “Lost Face

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