„Even Lovers Get the Blues“ (2017)

  Filmkritik: Die offenherzige Dramödie „Even Lovers get the Blues“ (OT: „Even Lovers get the Blues“, Belgien, 2012) erzählt ohne Scheu und ohne Feigenblätter von Endzwanzigern, welche ihren Platz vor allem in der Liebe immer noch nicht gefunden haben und reißt dabei auch einige gesellschaftliche Themen an.

Das Brüsseler Nachtleben gibt genügend Anlass für Stelldicheins. So finden nachts nicht nur die Sängerin Léo (Séverine Porzio) und Louis (Arnaud Bronsart) zusammen, sondern auch Ana (Marie Denys) und Hugo (Gaël Maleux). Doch als dieser unerwartet stirbt, bricht für Ana die Welt zusammen. Sein kleiner Bruder Arthur (Tristan Schotte) zeigt ihr einen Ausweg aus der Traurigkeit und führt sie in rotbeleuchtete Etablissements. Zusätzlich bandelt er mit Graciano (Gabriel Da Costa) an und zieht bei ihm und dessen Freundin Dalhia (Adriana Da Fonseca) ein.

„Even Lovers get the Blues“ ist das Filmdebüt von Laurent Micheli (geboren 1982 in Brüssel), nachdem er bei einigen Theaterstücken Regie geführt hat. Seine Geschichte besitzt in den Grundzügen auch etwas kammerspielartiges. Der Liebesreigen beschränkt sich auf diese kleine Personengruppe und könnte genauso gut auch nur in Innenräumen spielen. Durch das Öffnen des Raums fängt der Film zugleich noch etwas von dem Brüsseler (vor allem Nacht-) Leben ein. Die Geschichten der einzelnen Paaren, welche an der einen oder anderen Stelle zusammenlaufen kommen dabei alle aus dem Standard-Register von Paaren: der Verlust des Partners, sexuelle Schwierigkeiten und unterschiedliche Zukunftsvorstellungen dominieren die einzelnen Geschichten. Dabei geht der Film mit allen Themen offen um, beschönigt und übertreibt nichts und bleibt so nah an der Wirklichkeit.

Die Bildsprache widmet sich auch vor allem ihren Protagonisten. Die in Deutschland unbekannten Darsteller spielen ihre Rollen souverän und scheuen sich auch nicht offenherzig zu sein. Auch wenn der Klappentext vielleicht etwas anderes suggeriert, pornographisch wird es hier nie. Der Film zeigt Orte, Sexualität und die menschlichen Probleme unverfälscht. Im Gesamten ist „Even Lovers get the Blues“ vor allem ein Ensemblefilm, der mit seinen unterschiedlichen Erzählsträngen aus dem Nähkästchen der menschlichen Beziehungen plaudert. Er ist keine Komödie, aber auch kein Drama und spricht mit seinem Zwitterwesen vor allem Freunde des (französischsprachigen) Ensemble-Kinos an.

Fazit: Der Spielfilm „Even Lovers get the Blues“ ist der Debütfilm des Theaterregisseur Laurent Micheli und erzählt von typischen zwischenmenschlichen Problemen. Dabei bleiben die Geschichten, auch wenn sie dem einen oder anderen klassischen Weg folgen, natürlich und werden gut von dem Ensemble der zumeist belgischen Darsteller mit Authentizität und Offenheit wiedergegeben. Das macht den Film, der schwer in ein Genre einzuordnen ist, zu einem Ensemblefilm, der bestimmt Freunde des ruhigeren, dialoglastigen Kinos anspricht.  

Bewertung: 6/10

Trailer zum Film „Even Lovers Get the Blues“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu “„Even Lovers Get the Blues“ (2017)

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