„Zone 13“ (Projekttheater, Dresden)

Projekttheater Dresden / Termine: 27./28. März 2019 jeweils 20 Uhr / Eintritt: 8€, ermäßigt 5€

Theaterkritik: Im Neustädter Projekttheater Dresden kann man zur Zeit ein Stück sehen, welches sich intensiv mit russischer Science-Fiction-Literatur des letzten Jahrhunderts beschäftigt hat. Das hat der Regisseur Andrej Tarkowski auch getan und so erscheint das Stück wie eine stimmige Adaption von „Stalker“ (1979) und „Solaris“ (1971).

Die beiden Autoren Valja (Paul Förster) und Dima (David Lorenz) arbeiten in ihrer Moskauer Wohnung an ihrem Buch für einen Science-Fiction-Film. Unterstützt werden sie dabei von ihrer Freundin Irka (Amelie Schmidt). In ihrem Script erzählen sie von der Zone, welche militärisch abgesperrt ist und in dessen Mitte sich ein Raum befinden soll, der Wünsche erfüllt. Der sogenannte Stalker (Tom Geigenmüller) führt den Professor (Hannes Emmerich) und den Schriftsteller (William Kern) an diesen Ort. Während es im Schreibprozess etwas stockt, bekommen die Autoren Besuch von einer ominösen Schauspielerin (Amelie Schmidt). Am Ende der Nacht sind die beiden überzeugt, dass das System sie überwacht.

Die junge Theatertruppe Frei-Spieler aus Dresden beschäftigen sich unter der Leitung von Christiane Guhr, studierte Theaterwissenschaftlerin, immer wieder mit bekannten und auch unbekannteren Werken der Literatur. Diesmal standen im Fokus die russischen Autoren Boris und Arkadi Strugazki mit ihren Romanen „Picknick am Wegesrand“ (1972) und „Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang“ (1976) sowie der weltweit bekannte Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem und sein Buch „Solaris“ (1961). Da sich aber bereits der russische Filmemacher Andrej Tarkowski in seinen Filmen „Stalker“ und „Solaris“ auf die jeweiligen Autoren bezieht, adaptiert das Theaterstück auch in visueller Hinsicht vor allem den bereits 1986 verstorbenen Regisseur, welcher nur sieben Spielfilme realisieren konnte.

Das Stück ist in zwei Hauptstränge gegliedert. Unter der Regie von Christiane Guhr und der Dramaturgie von Stephan Zwerenz erzählt der eine Strang, fast identisch mit dem Film, die Geschichte des Stalkers und seiner Weggefährten und baut dabei Elemente von „Solaris“ ein. Der Zweite umfasst die Arbeit der Denker, welche sich in ihrer Wohnung, vermeintlich im 13. Stock (daher der Titel), die Geschichte ersinnen. In diesem Strang schwingt nicht nur eine Geschichtsstunde des ehemaligen Ostblocks mit, in welchem Künstler unter Repression und Paranoia litten, sondern auch der Wille zum freien Denken und Kreativität, welche von Nöten ist, um Neues zu schaffen. Das Stück möchte dabei nicht zwangsläufig die Frage nach der künstlerischen Freiheit heutzutage stellen (auch wenn es vielleicht unterschwellig mitschwingt), sondern vor allem ein Gefühl für eine vergangene Zeit vermitteln und zudem den dystopischen Roman und Film der Sowjetunion des vergangenen Jahrhunderts ehren.

Die Inszenierung ist dabei wunderbar gelungen und verspielt. Die Bühne ist passend in zwei Hälften aufgeteilt, auf denen das jeweilige Geschehen passiert. Auf der linken Seite befindet sich die Wohnung der Autoren im schönsten 70er-Jahre-Stil, welche nicht nur mit Details sondern auch mit einer wunderbaren Katze bevölkert ist. Auf der anderen Seite befindet sich die mystische Zone, deren Bewegungsbeschränkung die Schauspieler gut umgehen und es so schaffen, die Weite der fantastischen Welt einzufangen. Entworfen wurden Bühnenbild und auch die Kostüme von Studierenden der Hochschule für bildende Künste Dresden. Zusammen mit einer klugen Lichtregie und dem Einsatz von Geräuschen und Stimmen über Lautsprecher schufen die Frei-Spieler ein stimmiges Gesamtbild für das Stück, welches sich so wunderbar in das Projekttheater in Dresden einfügt.

Fazit: Das Theaterstück „Zone 13“ der Theatergruppe Frei-Spieler, aufgeführt im Projekttheater Dresden, setzt sich mit dem Romanen von Strugazki und Lem und vor allem mit den Filmen von Andrej Tarkowski auseinander. Dabei erfindet die Truppe das Rad gewiss nicht neu, schafft aber einen unterhaltsamen, gut gespielten Mashup im stimmigen Gewand, der nicht nur Freunde der russischen Literatur anspricht.

Bewertung: 4/5

Geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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