Fünf Fragen an Sarah Schulz

Regisseurin Sarah Schulz

Interview: Im Gespräch mit der jungen Filmemacherin und Illustratorin Sarah Schulz erzählt sie uns mehr über die Entstehung ihres entzückenden Kinderfilms „Kleiner großer Bär“, der u.a. auf dem 31. Filmfest Dresden und der 25. Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg liefen, von ihrer Entscheidung ihn auf Papier zu fertigen und ob sie sich dabei auf bekannte Kinderbücher bezieht.

Dein Film „Kleiner großer Bär“ ist Rahmen deines Studiums entstanden. Kannst Du mir zum Ursprung erzählen und wie Du die Idee dazu entwickelt hast?

Der Film ist als Teil des Semesters „Filmgestaltung 2“ entstanden, in dem der Fokus auf Ausprobieren und Experimentieren liegt – vor allem mit verschiedenen Animationstechniken. Ich wollte in diesem Rahmen gerne klassischen Zeichentrick auf Papier ausprobieren, ganz wie die „alten Meister“ damals gearbeitet haben. Im Vergleich zu digitaler Animation am Computer, wie ich sie gelernt habe, handhabt sich das Papier natürlich sehr anders, und das wollte ich gerne lernen. Daraus entstand auch die Idee, die Geschichte auf Buchseiten spielen zu lassen – wenn doch auf Papier gezeichnet wird, warum geht man denn nicht den Schritt weiter und erzählt die ganze Geschichte auf Papierseiten?

Standbild aus dem Kurzfilm „Kleiner Großer Bär“

Ich wollte schon länger ein Filmchen über einen Bären machen, der aus irgendeinem Grund plötzlich klein ist, und sich dann in der großen Welt zurechtfinden muss. Das schien mir dann als der perfekte Moment, diese beiden Ideen zu kombinieren. Die ersten zwei Monate habe ich nur an der Geschichte gefeilt und das Gedicht geschrieben, und der „Kleine Große Bär“ kam dabei heraus.

Liebst Du selber Kinderbücher? Referenzierst Du mit dem Film auf bestimmte Werke? Hast Du ein Lieblingskinderbuch?

Ja, ich liebe Kinderliteratur sehr! Ich habe als Kind sehr viel gelesen – ich meinte immer, wenn ich groß und stark bin, schreibe ich selbst Kinderbücher und illustriere sie dann auch. Das ich das jetzt in so einer Form machen konnte, ist ein schöner Zufall!

Mein Lieblingsbuch ist, wie sich vielleicht erahnen lässt, „Pu der Bär“ von A. A. Milne. Das habe ich tatsächlich erst im Teenageralter wirklich lieben gelernt! Ich mag Kindermedien, die Kinder ernst nehmen, sie fordern und nicht überfordern, und nicht einfach nur albern sind. Bücher, die die Fantasie anregen, fantastische Welten zeichnen und lehrreiche Geschichten erzählen, sind so wertvoll!

Aber ja, Pu ist mein Kindheitsheld. Wenn mein Bär auf den Buchseiten landet und über Seitenzahlen steigen muss, ist das bestimmt auch ein bisschen an die Disney-Verfilmungen von Winnie Puuh angelehnt.

Deine Botschaft ist entzückend und leicht verständlich. Hattest Du von Anfang an geplant einen Film für junge Zuschauer zu machen?

Standbild aus dem Kurzfilm „Kleiner Großer Bär“

Ich hatte nicht von Anfang an geplant, einen Kinderfilm zu machen, aber als ich die ersten paar Ideen verworfen und mich auf den Bär festgelegt hatte, war mir schnell klar, dass es ein Film für junges Publikum werden sollte. Mir war es wichtig, dass er eine klare und verständliche Aussage hat, und dass das „Entschuldigung“ am Schluss auch ausgesprochen wird. Außerdem frage ich mich bei jeder Illustrationsarbeit für Kinder, wie auch beim Bären, ob mir das denn als Kind selbst auch gefallen hätte – sowohl visuell als auch von der Geschichte her.

Die Ausgestaltung spricht mich sehr an. Kannst Du mir mehr zu Deinem visuellen Konzept erzählen?

Ja, den visuellen Aspekt zu entwickeln hat mir großen Spaß gemacht! Ich bin nicht nur Animatorin sondern auch leidenschaftliche Illustratorin, und arbeite da vor allem mit traditionellen Medien. Ich habe mir über die Jahre als Zeichnerin für das christliche Kindermagazin „Der Beste Freund“ eine ganze Reihe an verschiedenen Illustrationstechniken angeeignet und als mir klar wurde, dass mein Film in verschiedenen Bilderbüchern spielen würde, dachte ich mir „Hey, jedes dieser Bücher muss doch auch unterschiedlich illustriert sein!“ Das gab mir dann die Gelegenheit, meine Lieblingstechniken mal „in Bewegung“ zu versetzen.

Standbild aus dem Kurzfilm „Kleiner Großer Bär“

Der Bär und sein Buch sind, bis auf wenige Ausnahmen, mit Bleistift gezeichnet und animiert, und dann digital coloriert. Für das Spatzenbuch habe ich Tusche verwendet, beim Biber kam Aquarell zum Einsatz (wobei ich den Biber selbst aus Zeitgründen am Computer animiert habe) und der Hirsch ist schlussendlich mit Buntstiften coloriert. Einiges davon musste ich nach dem Semester noch fertig machen, denn hunderte von Hirschen ausführlich mit Buntstiften anzumalen dauerte unglaublich lange.

Kannst Du mir zum Schluss noch etwas mehr über Dich erzählen und wo die Reise als nächstes hingehen wird?

Ich glaube, die anderen Antworten haben schon viel über mich verraten! Ich bin 1996 geboren, in Süddeutschland aufgewachsen und habe dann 2016 angefangen, an der Filmakademie Baden-Württemberg Animation zu studieren. Das Animieren habe ich mir mehr oder weniger selbst beigebracht, ich hatte nach dem Abitur aber die wunderbare Chance bei Balance Film GmbH in Dresden zu arbeiten, um vor der Bewerbung fürs Studium Erfahrung zu sammeln. Mein Diplom habe ich hoffentlich 2022 in der Tasche – aber was danach kommt, kann ich noch nicht sagen! Ich würde aber gern im Bereich Kindermedien bleiben. Kurzfristig bin ich jetzt aber erst mal für ein Jahr „beurlaubt“, um Berufserfahrung zu sammeln, und diese Zeit würde ich auch gern nutzen um meinen Film weiter auf Festivals vorzustellen und eventuell auch ein richtiges Buch daraus zu machen!

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension zum Kurzfilm „Kleiner großer Bär

2 Gedanken zu “Fünf Fragen an Sarah Schulz

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