„FOMO – Fear of Missing Out“ (2019)

Filmkritik: Der ungarische Spielfilm „FOMO – Fear of Missing Out“ ist das Spielfilm-Debüt von Attila Hartung, welches auf dem 29. Filmfestival Cottbus in der Sektion ‚U18 Wettbewerb Jugendfilm‘ lief, beschäftigt sich mit einer Gruppe Jugendlichen, die über die Stränge schlagen, und bedient sich dafür der gängigen Youtube-Ästhetik.   

Gergö (Golecasz Jorgosz) und seine Freunde sind für alle Späße zu haben, filmen diese dabei unentwegt und stellen sie online, so dass sie dafür auch noch mit Klicks und Followern belohnt werden. Am liebsten machen sie dabei Party mit Mädchen und viel Alkohol. Gergö trifft an einem Abend auf Lilla (Panna László), die Tochter des Geschichtslehrers, und treibt es mit ihr an diesem Abend viel zu weit. Doch bevor er am nächsten Morgen zurückrudern kann, ist das Video davon schon lange viral und Lilla verschwunden.

Yorgosz Goletsas, Bouquet Gergely, Pokorni Ábel und Sipöcz András

Der geflügelte Begriff FOMO, die Angst etwas zu verpassen, treibt viele Menschen vor allem Jugendliche an, an ihre Grenzen und auch an die von anderen zu gehen. Damit geht oft ein großer Selbstdarstellungsdrang einher, der zu Ruhm, Anerkennung und einem gewissen Ruf führen soll. Mit diesen Themen beschäftigt sich der junge Filmemacher Attila Hartung (*1991) in seinem Debütfilm, für den er zusammen mit Yvonne Kerékgyártó (*1989) das Drehbuch schrieb. Dabei wählten sie keine moralisch überlegene Position, sondern der Zuschauer wird zu einem der Follower der Jungsbande. Erst als die Ereignisse zu drastisch werden, entfernt sich der Film von dieser Perspektive und ändert den Ton in ein Drama, das sich mit Fragen wie Schuld, Scham und Moral beschäftigen. Dabei ist der Film nie übertrieben moralisch, sondern zieht den Zuschauer aufgrund der Unfassbarkeit der Ereignisse auf seine Seite. Gleichzeitig schafft er es auch Spannung aufzubauen und Sympathien richtig zu verteilen, ohne eine Schwarz-Weiß-Zeichnung zu verwenden. 

Panna László

Unterstützt wird die gelungene Geschichte von der optischen Ausgestaltung. Anfänglich benutzt er genau jene Clip-Ästhetik und macht so die Zuschauer zu potentialen Like-Gebern. Er zeigt die Jungs auf die Art, wie sie sich selbst gerne sehen wollen. Damit einher geht auch eine Objektivierung von Frauen und ein starker Gruppenzwang. Erst in der zweiten Hälfte des Films, mit dem Wechsel zum Drama, ändert sich auch die Inszenierung, welche dann in konventionellen Bahnen verläuft. Das passt zur Schwere der Geschichte und holt die Personen auf den Boden der Tatsachen zurück. Dass diese beiden Erzählarten so gut funktionieren, liegt auch an den hervorragenden DarstellerInnen. Hartung arbeitete dabei vor allem mit LaiendarstellerInnen zusammen, welche die Figuren sehr authentisch spielen und sogar unlogisches Handeln verständlich machen. Rundherum ist „FOMO – Fear of Missing Out“ ein starker Film mit wichtigen moralischen Themen. Er eignet sich sowohl für jugendliche als auch für erwachsene Zuschauer und besticht mit seiner aufwühlenden Geschichte und der passenden Inszenierung.

Regisseur Attila Hartung und Drehbuchschreiberin Yvonne Kerékgyártó vom Film „FOMO – Fear of Missing Out“

Fazit: „FOMO – Fear of Missing Out“ ist das Regiedebüt des ungarischen Regisseurs und Drehbuchautors Attila Hartung. Er wählt für seine Spielfilmauftakt eine moderne Geschichte, die sich mit Schuld, dem Zwischenmenschlichen und moralischen Fragen beschäftigt. Dabei bedient er sich zum Teil einer Clip-Ästhetik und fängt die Ereignisse so stimmig ein. Auch in der zweiten Hälfte, wenn der Film sich zu einem klassischen Drama entwickelt, bleibt er spannend und aufwühlend gleichermaßen. Es ist ein gelungener Regie-Auftakt, der hoffentlich auch in deutschen Kinos zu sehen sein wird, und neugierig auf weitere Werke des Regisseurs Hartung macht. 

Bewertung: 8/10

Trailer zum Kurzfilm „FOMO – Fear of Missing Out“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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