„Unterwegs“ (2019)

Kurzfilm / Niederlande / Fiktion / 2019

Filmkritik: Durch eine persönliche Beobachtung wurde der jungen Regisseurin Marit Weerheijm die oft übersehene Armut in der Gesellschaft bewusst. Um sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen, realisierte sie u.a. den Kurzfilm „Unterwegs“ (OT: „En Route“), der seine Premiere im Jugendprogramm der 70. Berlinale feierte.

Inay (Inay Heijblom) und ihr Bruder (Alex Dosljak) haben einen Plan. Wenn sie es schaffen, dass ihr Vater (Mike Libanon) zu spät kommt, dann werden sie am Ende bestimmt wieder mit Pudding belohnt. Als fangen sie auf dem Weg durch die Stadt einfach an ein bisschen zu trödeln. 

Die niederländische Filmemacherin Marit Weerheijm (*1992) engagierte sich bei ihrer örtlichen Tafel und erkannte, dass vieles, was sie glaubte über das Thema Armut zu wissen, gar nicht zutraf. Den Aufhänger für die Geschichte, für die sie auch das Drehbuch schrieb, stellt Pudding dar, der am Ende der Ausgabe oft übrig bleibt, da viele ihren Kindern keinen Zucker geben wollen. Was also wäre, wenn Kinder genau diesen Pudding im Sinn hätten? Daraus entspinnt sie ihre Geschichte und erzählt sie aus der kindlichen Perspektive. So begleiten wir den Vater und seine Kinder auf einen langen Weg bis hin zur ersehnten Süßspeise. Wir sehen, wie sie mit

Alex Dosljak, Inay Heijblom und Mike Libanon

kindlicher Naivität alles verzögern, aber gleichzeitig erkennen wir, in welcher prekären Lage sich die Familie befindet. Diese Gratwanderung gelingt der Regisseurin Weerheijm wunderbar und vermittelt so auch schon einem jungen Publikum ein Gefühl für Armut. Ebenso räumt sie mit Klischees auf – u.a. dass man vom Äußeren auf die Verhältnisse schließen kann. Denn der Zuschauer wird zunächst im Unklaren gelassen, was genau er hier sieht. Erst nach und nach zeichnet sich das Bild ab. So war auch eine sehr authentische Inszenierung wichtig und der Film kann rundherum überzeugen, ein wichtiges Thema ansprechen und einen Zugang dazu anbieten.

Fazit: Der Kurzfilm „Unterwegs“ von Marit Weerheijm ist eine gelungene Geschichte über Armut, erzählt aus einem kindlichen Blickwinkel. Trotzdem offenbart es die Tragweite, lehnt sich gegen Klischees auf und liefert einen authentischen Blick auf ein Thema, das man gerne übersieht. So ist ein starker Film entstanden, der junge Zuschauer genauso ansprechen kann wie Erwachsene und das Bewusstsein für solche Themen schärft.  

Bewertung: 8/10

Trailer zum Kurzfilm „Unterwegs“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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