„Bombshell – Das Ende des Schweigens“ (2019)

Filmkritik: Der amerikanische Spielfilm „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ (OT: „Bombshell“, USA, 2019) von Jay Roach erzählt von wahren Ereignissen, bei denen sich noch vor der offiziellen #MeToo-Bewegung eine Gruppe von Frauen gegen Übergriffe und Missbrauch gewehrt haben und das in einem Umfeld, in dem Frauen als hübsch anzusehende Ware Tradition haben.

Megyn Kelly (Charlize Theron) gehört zu den Vorzeige-Moderatorinnen des Senders Fox News. Sie steht scheinbar über allen, doch als Gretchen Carlson (Nicole Kidman) eine Anzeige gegen den Senderchef Roger Ailes (John Lithgow) stellt, muss auch Megyn sich mit Themen wie Misogynität und Missbrauch beschäftigen. Doch während sie noch darüber entscheiden muss, wie sie sich positioniert, denn ihre Stimme ist wichtig, macht Ailes weiter wie bisher. Das erfährt die aufstrebende Kayla (Margot Robbie) am eigenen Leib. Doch wie kann man aus diesem männlich dominierten Umfeld, welches Frauen schon immer nur als hübsche Objekte betrachtet hat, ausbrechen oder gar die Mächtigen beschuldigen?

Charlize Theron und John Lithgow

Sexuelle Belästigung und Übergriffe auf Frauen gibt es in allen Bereichen. Natürlich auch dort, wo der weiße Mann die Meinungshoheit und die Macht besitzt. Frauen, die sich in so einer Branche wie bei dem ultrakonservativen Sender Fox News, dem absoluten Fan-Sender von Donald Trump, einen Platz sichern wollen, müssen viel über sich ergehen lassen und einem bestimmten Bild entsprechen. Dafür ist Megyn Kelly, seit 2004 Moderatorin bei Fox News, das perfekte Beispiel. Sie verkörpert mit ihren langen Beinen, engen Kleidern und blonden Haaren genau das Bild einer Moderatorin, was die Zuschauer sehen wollen. Ihre Beliebtheit war so groß, dass sie es sogar wagte Trump selbst in einer Debatte herauszufordern. Wie sie diese Position bekommen hat, ist die Schattenseite ihrer Karriere. Erst als eine andere Moderatorin Gretchen Carlson an die Presse geht, um den Senderchef Roger Ailes (1940-2017), der die Position von Rupert Murdoch bekam, anzuklagen, beschäftigte man sich öffentlich mit dem langjährigen, etablierten Umgang mit Frauen bei einem misogynen Fernsehsender. Inwieweit Frauen also selbst Schuld tragen und den Missbrauch durch diese Zurschaustellung selbst mit verursachen, versucht nun auch der Film von Jay Roach zu ergründen. Denn seine Geschichte über drei Frauen, die aufbegehren, ist keine klassische Anklage-Missbrauchs-Geschichte, sondern lebt auch von dem ungünstigen Umfeld. So wirft der Roach auch gleich einen Blick hinter die Kulissen dieses republikanertreuen Sender. Auch wenn er selbst wenig Kritik gegen diesen an sich erhebt, sondern wenn dann in Zwischentönen, gehört dieses Umfeld zu den wesentlichen Faktoren seiner Geschichte. 

Margot Robbie und Kate McKinnon

Das Drehbuch wurde von Charles Randolph nach den wahren Ereignissen aus dem Jahr 2016, welche Roger Ailes zu Fall brachten, geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war #MeToo noch kein Begriff, dass der Film jetzt erscheint, passt dagegen wunderbar in die Jetzt-Zeit und trägt aus einer unerwarteten Ecke zu dem Thema bei. Dass der Film so gut funktioniert, obwohl es eigentlich keine SympathieträgerInnen gibt, liegt an der kraftvollen Darstellung der SchauspielerInnen. John Lithgow verkörpert das Ekel Ailes mit dem richtigen Maß der schleimigen Machtausnutzung. Die drei Frauenfiguren, wobei nur eine erfunden ist, verkörpern verschiedene Arten, wie man mit Missbrauch umgehen kann. Damit Theron und Kidman den realen Figuren nahe kommen, wurden hier keine Mühen gescheut und wahrlich sehen sie den realen Personen sehr ähnlich. Dafür erhielten Vivian Baker, Kazu Hiro und Anne Morgan auf der 92. Oscarverleihung den Oscar für das ‚Beste Make-Up und die besten Frisuren‘. Das war der einzige Oscar den Bombshell von seinen drei Nominierungen gewinnen konnte. Auch Nebenrollen wie die von Kate McKinnon („Ghostbusters“ (2016), „Bad Spies“ 2018)) lichten einen bestimmten Typus von Mensch ab und runden den Blick in diesen für viele fremden Kosmos ab. Natürlich fällt es dabei unheimlich schwer, sich in diese Figuren hineinzuversetzen, welche sich freiwillig solch einem frauenverachtenden System unterwerfen. So erweitert der Film Bombshell den #MeToo-Horizont in eine unerwartete Richtung und gibt dabei nicht nur Ereignisse der jüngeren Geschichte wieder, sondern stößt die richtigen Fragen an.  

Nicole Kidman

Fazit: Der amerikanische Spielfilm „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ erzählt von sexuellen Übergriffen und Missbrauch in einem Umfeld, in dem schon immer Misogynität und Objektivierung der Frauen an der Tagesordnung waren. Basierend auf einem wahren Fall noch vor der offiziellen #MeToo-Bewegung, beschäftigt der Spielfilm sich genau damit und schafft es unter die Haut zu gehen, was auch dem authentischen Look und den fantastischen DarstellerInnen geschuldet ist. So erzählt der Regisseur Jay Roach einen starken Film genau zur rechten Zeit und erweitert die Palette, denn sexuelle Übergriffe gibt es leider überall. 

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 13.02.2020 / DVD-Start: unbekannt

Trailer zum Film „Bombshell – Das Ende des Schweigens“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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