„Peninsula“ (2020)

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Filmkritik: Nicht nur der Oscarpreisträger „Parasite“ (2019) von Bong Joon-ho, der auch den Monster-Horror „The Host“ (2006) schuf, und die Arbeiten von Park Chan-wook wie „Oldboy“ (2003) zeigen, dass Südkorea erstklassiges Genrekino produzieren kann. Genauso fiel das Debüt „Train to Busan“ (2016) von Yeon Sang-ho auf, das zwar das Zombiegenre nicht neu erfand, aber perfekte Unterhaltung mit der richtigen Portion Action, Drama und Spannung bot. Vier Jahre später startete der Nachfolger – „Peninsula“ (OT: „Train to Busan 2“, Südkorea, 2020) in den Kinos.

Nachdem vor vier Jahren die Zombie-Pandemie ganz Südkorea erfasst hat, haben viele der ehemaligen Bewohner der Halbinsel (Peninsula) Zuflucht in anderen Ländern gesucht. So auch der ehemalige Marine-Hauptmann Jung-seok (Gang Dong-won), der in Hongkong ein bescheidenes Dasein fristet. Als er zusammen mit drei weiteren Flüchtlingen den Auftrag erhält nach Südkorea zurückzukehren, um einen Laster voller Geld aus dem Land zu holen, hat er nicht viel zu verlieren. In der Stadt Seoul angekommen, erkennen sie den Ort nicht mehr wieder. Vor Ort finden sie zwar schnell den Lastwagen, doch neben den Zombies stellt sich ihnen auch eine Schlägertruppe angeführt von Hwang (Kim Min-jae) in den Weg. Jung-seok bekommt überraschende Hilfe von einer Familie. Die Mutter Min-jung (Lee Jung-hyun), der Großvater Kim (Kwon Hae-hyo) und die beiden Töchter Jooni (Lee Re) und Yu-jin (Lee Ye-won) haben gelernt, hier zu überleben, doch der Laster könnte ein Ausweg für sie alle sein.

Lee Ye-Won, Kwon Hae-hyo und Re Lee

Der Zombiefilm „Train to Busan“ war damals ein internationaler Erfolg. Er schaffte es das Zombiegenre aufzumischen, nicht unbedingt mit Neuerungen, aber mit guten Einfällen, Spannung und einem außergewöhnlichen beengten Ort. Zudem waren Yeon Sang-hos Zombies keine schleichenden, sondern rennende zudem vollzog sich die Infektion und Verwandlung sehr schnell, so dass der Film durchgehend von einem starken Tempo geprägt war. Der Nachfolger basiert auf Fragen, welche sich nach den Ereignissen im ersten Teil einstellten: Wie würde Südkorea, welches die Pandemie nicht in den Griff bekommen hat, nach vier Jahren aussehen? Würden noch Menschen dort leben und von welchem Schlag wären sie? So skizziert Yeon Sang-ho, der auch das Drehbuch dazu geschrieben hat, ein zerstörtes Seoul, in dem nur noch wenige gute Menschen leben. Die meisten haben sich einer Truppe angeschlossen, der es vor allem ums Rauben, Erbeuten und um Macht geht. Doch wie es sich klassisch gehört, gibt es auch hier die Underdogs, in Form einer sympathischen Familie, welche von starken Frauenfiguren geprägt ist. Auch die Erkenntnisse über die Zombies haben sich (logischerweise) weiterentwickelt. So wurde herausgefunden, dass sie nachtblind sind, was geschickt von den Menschen und der Erzählung ausgenutzt wird. So verbindet Yeon Sang-ho auch in dem zweiten Teil ganz klassischen Elemente, wie, dass die eigentliche Gefahr vom Menschen ausgeht und sie die eigentlichen ‚Monster‘ sind, mit frischen Ideen und typischen Charakteren, welche man leicht in Gut und Böse trennen kann.

Gang Dong-Won

Die Inszenierung schmiegt sich wunderbar der Geschichte an und bebildert vor allem in der ersten Hälfte des Films gelungen die Zerstörung des Landes. Da tobt sich das Setdesign wunderbar aus und liefert fantastische Bilder, welche Spannung und Abenteuerfreude wecken. Im zweiten Teil des Films treten dagegen die Actionszenen und die menschlichen Scharmützel in den Vordergrund, so dass man hier vor allem den geschmeidigen Bewegungen des Hauptprotagonisten bei seinen Kämpfen beiwohnt. Leider verdrängen die Actionszenen ein bisschen die Handlung, bieten dafür aber einen optischen Genuss und sind ein Zombie-Spektakel. So ist in dem Film definitiv mehr Action drin, als in seinem Vorgänger, aber durch das Setting und gute Kampf-Choreografien passt es gut in den Film. Das einzige was das Filmerlebnis beträchtlich schmälert ist die schwülstige Musik. Der Komponist Mowg hat es hier mächtig übertrieben und versucht mit seiner Musik die gesamte unnötige Gefühlspalette ausdrücken, welche zu Tränen rühren soll. Doch man ist vor allem genervt davon, dass die Musik einem sagen will, was man fühlen soll. Hier hätte man noch gut nachsteuern können. Auch bei der Typencharakterisierung, vor allem den ‚Bösen‘ wurde etwas zu tief in der Stereotypen-Kiste gekramt. Aber wenn man sich genau auf solche Klischees auch einlassen kann, welche im Horrorgenre ja durchaus zum festen Kanon gehören, kann man von „Peninsula“ wunderbar unterhalten werden, vor allem von dem dystopischen Setting, den sympathischen Frauenfiguren und gut durchchoreographierten, spannenden Actionsequenzen.  

Fazit: Der südkoreanische Spielfilm „Peninsula“ ist der Nachfolger des erfolgreichen „Train to Busan“, denkt die Situation des ersten Teils weiter und spielt so im dystopischen, abgeschotteten Südkorea, wo fast nur noch Banden und Zombies ihr Unwesen treiben. Dabei konzentriert sich der Film, welcher sich des klassischen Kanons dieses Genres bedient, auf beinharte Action, ein paar familiäre Elemente, emotionale Dynamik und vor allem auf sein dystopisches Setting. Auch wenn man bei der Figurenentwicklung und vor allem beim Musikeinsatz mit mehr Bedacht hätte arbeiten können, bietet „Peninsula“ gute, kinotaugliche Zombieunterhaltung.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 8. Oktober 2020 / DVD-Start: noch unbekannt

Trailer zum Film „Peninsula“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • Pressematerial von Splendid Film
  • Wikipedia-Artikel über den Film „Peninsula
  • Website des Films „Peninsula
  • Oliver Armknecht, ‚Peninsula‘, film-rezensionen.de, 2020
  • Sascha Westphal, ‚Kritik zu Peninsula‘, epd-film.de, 2020

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