38. Kurzfilmfestival Hamburg 2022

31. Mai – 6. Juni 2022 / 3001 Kino, B-Movie, Filmraum, Lichtmess, Metropolis, Zeise Kino

Festivalbericht: Nach zwei Jahren Pandemie konnten weltweit wieder viele Festivals an die Lichtspielorte zurückkehren, in diesem Sinne fand auch das 38. Kurzfilmfestival Hamburg 2022 wieder in den Kinos der Hansestadt statt und lockte vom 31. Mai bis 6. Juni 2022 die Zuschauer:innen an jene Orte, wo Filme, auch die Kurzen, hingehören. Unter der Leitung von Maike Mia Höhne und Sven Schwarz gab es ein volles Programm mit insgesamt 91 Kurzfilmen aus 35 Ländern und es wurden sechs Preise vergeben.

Im ‚Internationalen Wettbewerb‘ war eine bunte Mischung aus narrativen, poetischen und experimentellen Filmen aus 28 Ländern vertreten. Der starke Kurzfilm „Handbuch“ von Pavel Mozhar, der bereits auf dem 64. DOK Leipzig lief, wurde hier mit dem am höchsten dotierten Preis, dem Hamburger Kurzfilmpreis, ausgezeichnet. Der philippinische Kurzfilm „Ampangabagat Nin Talakba Ha Likol“, der auch im ‚Berlinale Shorts‘-Programm lief, erzählt mit bekannten und weniger bekannten Symbolen seine Geschichte von Heimat und Kindheitserinnerungen und gewann den Deframed Preis, mit dem Filme ausgezeichnet werden, die auf ‚poetische, formale, analytische und unkonventionelle Art und Weise mit der Wirklichkeit umgehen und dabei zukunftsweisend alle Regeln ignorieren.‘ Weiterhin gab es im Wettbewerb alles von amüsanten Spielereien („Amazon Woman“), bis hin zu gut gemachten filmischen Collagen á la „The Demands of Ordinary Devotion“, die vom Mutter- und Frausein berichtet. Großartig waren auch Animationsfilmbeiträge wie „Regular“ von Nata Metlukh, der mit einer Vielzahl kreativer Ideen und amüsanten Bonmots bestach, oder auch der japanische „Bird In the Peninsula“. Auch konnte man hier Berlinale-Beiträge wiederentdecken, wie das queere Rachedrama „Starfuckers“ und die großartige Dokumentation „Haulout“ von Evgenoa Arbugaeva und Maxim Arbugaev. Zum Publikumsliebling wurde der schwedische Kurzfilm „Pink Rider“ von Daniel Aguirre gewählt, der von einem Job als Lieferdienst und der Liebe zur Punkmusik berichtet.

Von den 25 Beiträgen im ‚Deutschen Wettbewerb‘ gewann der Kurzfilm „Oh, Butterfly!“, der seine Verehrung der Oper „Madame Butterfly“ in einer filmischen Collage zum Ausdruck bringt, den Jurypreis. Der Kurzfilm „A Human Certainty“, der den ARTE Award bekam, erzählt vom Ende einer Beziehung und geht dann über in Betrachtungen über den Tod. In melancholischer Essay-Form wird das Publikum in die Gedanken des Regisseurs Morgan Quaintance hineingezogen. Auch traf man im deutschen Wettbewerb auf bekannte Namen wie Susann Maria Hempel, welche auf dem 26. Filmfest Dresden 2014 den Filmförderpreis der Kunstministerin für ihr Werk „Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen“ gewonnen hatte und im darauffolgenden Jahr den Festivaltrailer kreierte, hier mit ihrem neuen Film „Die Hüter des Unrats. Eine kurze Geschichte des Abfalls“. Darin beschäftigt sie sich auf ihre bekannte Weise mit dem Thema Müll. Auch die kämpferische junge Filmemacherin Brenda Lien stellte ihren neuen Film vor: „First Work, Then Play“, wo sie sich mit den Strukturen der Arbeitswelt auseinandersetzt. Jonatan Schwenk, der mit seinem Animation-Misch-Film „Sog“ auf dem 30. Filmfest Dresden alle Zuschauer:innen in den Bann zog, erzählt in seinem neuesten Film „Zoon“ auch von mysteriösen Kreaturen und wie deren Zusammenleben sich gegenseitig bedingt. Im Wettbewerb ‚Dreifacher Axel‘, in dem nur 3-minütige Beiträge gegeneinander antreten, gewann die amüsante Filmmontage „Shining“ von Kumaran Herold. 

Verknüpft mit dem Kurzfilmfestival war auch in diesem Jahr zum 24. Mal wieder das Mo&Friese Junges Kurzfilm Festival. Auch hier wurden 67 Filme aus 31 Ländern gezeigt. Sortiert in Altersgruppen, waren sowohl für Kinder als auch Jugendliche etwas dabei. Der Friese-Preis ging an Ursula Ulmi für ihren Film „IDODO“, der erläutert woher die Fische ihre Farbe haben. Den Mo-Preis gewann der freche Kurzfilm „In der Natur“, der bereits das Publikum auf dem DOK Leipzig 2021 und dem Filmfest Dresden 2022 erheitert hatte. Stark war der Film „Born in Damascus“, in der die Filmemacherin Laura Wadha anhand alter Filmaufnahmen und durch die Kontaktaufnahme zu ihrer Cousine mit der Vergangenheit ihrer Familie und den Verlauf der Geschichte des Krieges in Syrien beschäftigt. Dafür erhielt sie den Neon-Preis und wurde so unter den Jugendfilmen als Gewinner ausgezeichnet. Den vierten Preis von ‚Mo & Friese‘ gewann der Animationsfilm „Luce und der Stein“. Die belgische Regisseurin Britt Raes („Catherine“) erzählt mit Farben und Formen von Toleranz und notwendiger Offenheit und erreicht damit nicht nur junge sondern auch erwachsene Zuschauer:innen.

Fazit: Auch in diesem Jahr präsentierten das 38. Hamburger Kurzfilmfestival zusammen mit dem 24. Kinder- und Jugendfilmfestival Mo & Friese eine große Auswahl an Spiel- und Dokumentarfilmen, Animation- und Experimentalfilmen. Viele Themen wurden durch die Bandbreite an Filmen angesprochen und lieferten so oft eine ganz andere, erfrischende Sicht auf die Welt.

Trailer des Kurzfilmfestivals Hamburg

geschrieben von Doreen Matthei

Liste der im Beitrag erwähnten Filme:

  • „A Human Certainty“ (OT: „A Human Certainty“, UK, 2021, Regie: Morgan Quaintance)
  • „It’s Raining Frogs Outside“ (OT: „Ampangabagat Nin Talakba Ha Likol“, Philippinen, 2021, Regie: Maria Estela Paiso)
  • „Amazon Woman“ (OT: „Amazon Woman“, Österreich, 2021, Regie: Anna Vasof)
  • Bird in the Peninsula“ (OT: „Bird in the Peninsula“, Japan, 2022, Regie: Atsushi Wada)
  • „Born in Damascus“ (OT: „Born in Damascus“, UK, 2021, Regie: Laura Wadha)
  • „Die Hüter des Unrats. Eine kurze Geschichte des Abfalls“ (OT: „Die Hüter des Unrats. Eine kurze Geschichte des Abfalls“, Deutschland, 2022, Regie: Susann Maria Hempel)
  • „First Work, Then Play“ (OT: „First Work, Then Play“, Deutschland, 2022, Regie: Brenda Lien)
  • Handbuch“ (OT: „Handbook“, Deutschland, 2021, Regie: Pavel Mozhar)
  • Haulout“ (OT: „Haulout“, UK/Russland, 2022, Regie: Evgenoa Arbugaeva und Maxim Arbugaev)
  • „IDODO“ (OT: „IDODO“, Schweiz, 2021, Regie: Ursula Ulmi)
  • „In der Natur“ (OT: „Dans la Nature“, Schweiz, 2021, Regie: Marcel Barelli)
  • „Luce und der Stein“ (OT: „Luce et le Rocher“, Belgium, 2022, Regie: Britt Raes)
  • „Oh, Butterfly!“ (OT: „Oh, Butterfly!“, Deutschland, 2022, Regie: Sylvia Schedelbauer)
  • „Pink Rider“ (OT: „Pink Rider“, Schweden, 2021, Regie: Daniel Aguirre)
  • „Regular“ (OT: „Regular“, USA, 2022, Regie: Nata Metlukh)
  • „Shining“ (OT: „Shining“, Deutschland, 2022, Regie: Kumaran Herold)
  • „Starfuckers“ (OT: „Starfuckers“, USA, 2022, Regie: Antonio Marziale)
  • „The Demands of Ordinary Devotion“ (OT: „The Demands of Ordinary Devotion“, Belgien, 2022, Regie: Eva Giolo)
  • „Zoon“ (OT: „Zoon“, Deutschland, 2021, Regie: Jonatan Schwenk)

Rezensionen zu Kurzfilmen auf dem 38. Hamburger Kurzfilm Festival:

  • Bird in the Peninsula“ (OT: „Bird in the Peninsula“, Japan, 2022, Regie: Atsushi Wada)
  • Handbuch“ (OT: „Handbook“, Deutschland, 2021, Regie: Pavel Mozhar)
  • Haulout“ (OT: „Haulout“, UK/Russland, 2022, Regie: Evgenoa Arbugaeva und Maxim Arbugaev)
  • Story of 2 Trumpets“ (OT: „Story for 2 Trumpets“, Frankreich, 2022, Regie: Amandine Meyer)

Quellen:

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