Sechs Fragen an Alicia K. Harris

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Interview: Im Gespräch mit der Filmemacherin Alicia K. Harris konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Pick“, gesehen auf dem ‚Open Air‘ des 32. Filmfest Dresden, erfahren, ihre eigenen Erfahrungen, die zum Thema führten und über ihre geplante Trilogie zum Thema Haare.  

The original english language interview is also available.

Dein Kurzfilm „Pick“ wirkt sehr authentisch. Aus welcher Idee heraus, ist er entstanden?

Als ich 11 Jahre alt war, ließ ich meinen Afro chemisch und dauerhaft glätten. Nach 12 Jahren des Glättens und Manipulierens war mein Haar schwach, geschädigt und zerbrach ständig – aber das bin ich nicht. Während ich diesen Film drehte, wurde mir langsam klar, dass dieses glatte, brechende Haar mich nicht mehr repräsentiert. Also schnitt ich alles ab. Jetzt habe ich meinen Afro zurück. Er nimmt Platz ein. Mein Haar ist schön und ich bin schön. Ich habe diesen Film für die 11-jährige Version von mir gemacht, die das Gefühl hatte, dass sie glatte Haare haben musste, um schön zu sein. Ich wollte den Film machen, den ich gerne als Kind gesehen hätte.

Du wählst eine sehr ruhige Inszenierung und so wirkt der Alltagsrassismus noch stärker – kannst Du mir erzählen was Dir bei der Umsetzung – inszenatorisch und visuell wichtig war?

Ich wollte Mikroaggressionen zeigen, ohne Sensationshascherei. Oft sind diese Momente im wirklichen Leben nur schwer auszumachen, obwohl sie für die Erlebten unübersehbar und traumatisierend sind. Die Menschen sind sehr schnell bereit, einen Hashtag zu teilen, aber eine Ally zu sein bedeutet, den alltäglichen Rassismus zu erkennen und die Stimme zu erheben. Mit den visuellen Mitteln wollte ich, dass die Zuschauer spüren, wie unwohl sich die Protagonistin fühlt. Ich habe viel stille und langsame Takes verwendet, um dies zu erreichen. Ich wollte auch, dass die Zuschauer gezwungen werden, sich in die Hauptdarstellerin einzufühlen, deshalb habe ich ihr Gesicht und ihre Reaktionen erst in der letzten Einstellung des Films gezeigt. Das sollte den Zuschauer dazu bringen, darüber nachzudenken, wie sie sich fühlt, ohne die Genugtuung zu haben, ihre Reaktionen zu sehen. Es wurden viele außergewöhnliche visuelle Entscheidungen getroffen, und ich bin wirklich stolz auf meine kreativen MitstreiterInnen und mich und darauf, dass wir erreicht haben was wir erreichen wollten. 

Dein Film passt wunderbar in die Zeit – wie stehst Du zu Filmen wie „Hair Love“ von Matthew A. Cherry, welcher damit ein Mainstream-Publikum erreicht?

Hazel Downey

Beide Filme sind zeitlos, denn für schwarze Frauen und Mädchen ist der Umgang mit Diskriminierung beim Tragen der natürlichen Haare nicht neu. Ich bin so froh über die Anerkennung, die „Hair Love“ erhalten hat! Es ist unglaublich, dass das Gespräch über schwarze Haare endlich in größerem Umfang und in den Mainstream-Medien stattfindet. Jede schwarze Frau hat eine Geschichte über Haare, deshalb hoffe ich, dass wir das Thema weiter vertiefen werden.

Deine Darstellerin Hazel Downey ist wunderbar – wie hast Du sie gefunden?

Ich habe Hazel auf einer Casting-Website gefunden und der Rest ist Geschichte! 

Wie war es mit ihr zusammenarbeiten? Wie ist sie mit dem Thema des Films umgegangen?

Sie war unglaublich bei ihrem Vorsprechen, und ich wusste, dass wir sie im Film brauchen. Ich habe es geliebt, sie während des gesamten Prozesses kennenzulernen. Ihr Selbstvertrauen zu sehen, wie sie ihr natürliches Haar trug, war die Inspiration, die ich brauchte, um all meine Haare abzuschneiden und zu meinem natürlichen Afro zurückzukehren! Dies war ihr erster Film, aber sie war ein absoluter Profi. Ich bin so stolz

Wie wird es jetzt weitergehen? Sind bereits neue Projekte geplant?  

Hazel Downey

Ich bin gerade dabei, den zweiten Film der „Hair is“-Trilogie zu drehen – „Pick“ ist der erste! Der nächste heißt „On a Sunday at Eleven“. Der Film ist eine unverhohlene Feier von Schwärze und schwarzem Haar als Kunst. Ich sollte den Film eigentlich diesen Sommer drehen, musste ihn aber wegen COVID-19 verschieben. Aber ich freue mich sehr darauf, den Film zur richtigen Zeit zu drehen und Schwarze Haare zu feiern! 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Pick


Interview:  In conversation with the filmmaker Alicia K. Harris we could learn more about her short film „Pick„, seen at the ‚Open Air‘ of the 32nd Filmfest Dresden, her own experiences that led to the topic and about her planned trilogy about hair.  

Your short film „Pick“ seems very authentic. From which idea did it develop? 

When I was 11, I had my afro chemically and permanently straightened. After 12 years of straightening and manipulation, my hair was weak, damaged, and constantly breaking – but I am none of those things. While making this film, I slowly began to realize that this straight, breaking hair no longer represented me. So I cut it all off. Now I have my afro back. It takes up SPACE. My hair is beautiful and I am beautiful. I made this film for the 11-year-old version of me who felt she needed to have straight hair to be beautiful. I wanted to make the film I wish I saw as a child.

You chose a very calm production and so the everyday racism seems even stronger – can you tell me what was important to you during the implementation – visually and in terms of the production?

I wanted to show microaggressions, without sensationalizing. Often these moments in real life are hard to spot, even though they are glaring and traumatizing for those experiencing them. People are very quick to share a hashtag, but allyship is recognizing everyday racism and speaking up. With the visuals, I wanted the audience to feel how uncomfortable the protagonist feels. I used a lot of silence and slow takes to achieve this. I also wanted the viewer to be forced to empathize with the lead, so I didn’t show her face and reactions until the final shot of the film. This was to make the viewer think about how she’s feeling, without the satisfaction of seeing her reactions. There were many extreme visual choices made, and I’m really proud of my key creatives and I for accomplishing them. 

Your film fits perfectly into the time. What do you think about films like „Hair Love“ by Matthew A. Cherry, which reach a mainstream audience?  

Both films are timeless, because for Black women & girls, dealing with discrimination when we wear our natual hair is not new. I’m so excited about the recognition „Hair Love“ has received! It’s incredible that the conversation around Black hair is finally happening on a larger scale, and in mainstream media. Every Black woman has a story about hair, so I hope we continue to see the topic explored.

Hazel Downey is wonderful – how did you find her?

I found Hazel on a casting website and the rest is history! 

How was it working with her? How did she deal with the topic of the film?

She was incredible in her audition and I knew we needed her in the film. I loved getting to know her throughout the process. Seeing her confidence wearing her natural hair was the inspiration I needed to cut off all my hair and go back to my natural afro! This was her first film, but she was a complete professional. I’m so proud of her nuanced and powerful performance. I can only take credit for creating the environment for her to thrive in, she is a natural talent.

How will it go on now? Are new projects already planned?  

I’m currently creating the second film in the „Hair is“ trilogy – „Pick“ is the first! The next one is called „On a Sunday at Eleven.“ The film is a blatant celebration of Blackness and Black hair as art. I was supposed to shoot the film this summer, but had to postpone because of COVID-19. But I’m very excited to make the film at the right time, and celebrate Black hair! 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Pick

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