Fünf Fragen an Sonia Hadad

Square Eyes Film

Interview: Im Gespräch mit der iranischen Filmemacherin Sonia Hadad konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Exam“ erfahren, der auf dem 32. Filmfest Dresden im ‚Internationalen Wettbewerb‘ lief, wie es zu der Geschichte kam, wie nah das Gezeigte an der Realität dran ist und was ihr bei der Umsetzung wichtig war.

The original english language interview is also available.

Wie entstand die Idee für Deinen Kurzfilm „Exam?

Die Geschichte von „Exam“ ist eine Mischung aus meinen persönlichen Erfahrungen an der High School und einer wahren Geschichte, die ich von einem meiner Freunde gehört hatte. Ich mischte diese beiden und schrieb das Drehbuch. Für mich bedeutete der Gang zur Schule vor allem Einschränkungen, Unterdrückung und Stress. Im Film war die Atmosphäre der Schule ein Spiegelbild oder eine Metapher einer kontrollierten Gesellschaft und eines kulturellen Absturzes, in dem man die Symbole des sozialen Versagens sehen konnte! Ich wollte immer die Erfahrungen, die ich gemacht hatte, illustrieren. Als ich auf die reale Geschichte über den Drogenhandel an der High School stieß, beschloss ich, die Situation und die tatsächlichen Charaktere nachzustellen.

Wie nah ist die Geschichte an der Realität dran – wird hier das aktuelle Schulsystem in Iran abgelichtet? 

Sadaf Asgari

Vor fünfzehn oder sechzehn Jahren, als ich eine Highschool-Schülerin war, war das System das gleiche wie das, dass wir im Film sehen. Aber ich denke, die Situation hat sich seitdem geändert. Sie sind immer noch strikt, aber nicht mehr so sehr wie vor fünfzehn Jahren.

Für welches Alter hast Du Deinen Kurzfilm konzipiert? Was sollen jüngere ZuschauerInnen aus ihm mitnehmen?

Es gibt keine Einschränkung. Ich wollte in meinem Film das Entscheidende darstellen: Die Produktion und der Vertrieb von illegalen Drogen ist nicht mehr die ausschließliche Domäne einer bestimmten Gruppe und Gesellschaftsschicht (z. B. der Armen oder der Kriminellen). Im Film sehen wir eine normale Familie in einem relativ guten Haus und einer guten Nachbarschaft. Der arme und süchtige Mensch ist im Film und in der Geschichte nicht zu sehen. Die Ausbreitung des Drogenhandels wird sogar bei wohlhabenden Familien gesehen, und diese Veränderung ist enttäuschend und schmerzhaft.

Kannst Du mir noch etwas mehr über die Entstehung und die Dreharbeiten erzählen – wo und wie lange habt ihr gedreht?

Sadaf Asgari

Ein Filmprojekt ist eine Sammlung von guten und schlechten Ereignissen und Nostalgie. Ich denke, dass der Prozess des Schreibens und Drehens des Films ein reizvolles und faszinierendes Ereignis war, insbesondere die Geschichte des Films „Exam“, die eine Referenz an die pädagogische Umgebung und den Raum war, den die Schauspieler und ich erlebt haben, und die Darstellung dieser Bilder und Umgebung für uns zur gleichen Zeit.

Glücklicherweise verlief der Prozess, diesen Film zu machen, sehr gut und ohne Sorgen, und diese Ruhe verdanke ich meinem wunderbaren Team. Die Dreharbeiten dauerten fast vier Tage in Teheran. Eine der Stärken dieses Filmprojekts war, dass jede Person an ihrem Platz war und die Aufgabe hatte, so gut wie möglich zu arbeiten. Alle meine Darsteller und die Crew waren geduldig und hilfsbereit. Sie haben diesen Film zu einem erfolgreichen Projekt gemacht, indem sie mir und meinen Entscheidungen vertraut haben, insbesondere mein Produzent, alle Filmemacher und die talentierten und guten Schauspieler.

War es schwer die richtige Darstellerin zu finden? Sadaf Asgari lebt sich gut in ihre Rolle ein.

Sadaf Asgari

Als ich das Drehbuch schrieb, hatte ich bereits die Rollen und Schauspielerinnen festgelegt, bis auf die Hauptrolle. Als ich das Drehbuch schrieb, erzählte mir meine Co-Autorin (Farnoosh) von Sadaf (der Hauptrolle). Sie erinnerte mich an einen Spielfilm, in dem Sadaf die Hauptrolle spielte. Ich sah mir den Film noch einmal an und rief Sadaf für eine Vorsprechen an. Wir haben das Drehbuch zusammen gelesen, und mir wurde klar, dass sie eine superschlaue Schauspielerin mit viel schauspielerischem Potenzial ist.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gefunden hast?

Ich bin 1989 in Teheran (Iran) geboren und aufgewachsen und habe meine Ausbildung hauptsächlich in meinem Heimatland absolviert. Ich habe Diplome in Physik/Mathematik und Grafikdesign. Im Jahr 2005 begann ich meine Karriere als Theaterschauspielerin und habe in Theatern, öffentlichen Aufführungen, Fernsehfilmen und Fernsehsendungen gespielt. Im Jahr 2009 schloss ich meinen B.A. in Dramatischer Literatur an der Azad University of Art and Architecture ab und arbeitete nach meinem Abschluss drei Jahre lang in der Theaterbranche. 2013 zog ich in die USA, um Kino zu studieren. Ich habe meinen Master in Film and Media Arts (M.F.A.) am Emerson College in Boston gemacht.

Seit meiner Kindheit bin ich von meiner Umgebung fasziniert: Geräusche, Objekte, Menschen, Gefühle und das Zusammenspiel all dieser Elemente. Neugierde war schon immer ein integraler Bestandteil meines Lebens. Sie bringt mich dazu, auf die Details im Leben der Menschen und ihrer Umgebung zu achten. Seitdem habe ich aus einfachen Begebenheiten Geschichten über die täglichen Kämpfe realer Menschen geschaffen. Meine Faszination für die Schnittmenge von Geschichte, Kultur und Soziologie prägt weiterhin meine visuelle und konzeptionelle persönliche Sprache. Ich bin geprägt von einer Gesellschaft in Aufruhr, was mich dazu bringt, mich mit den täglichen Herausforderungen zu beschäftigen. Ich arbeite daran, eine Atmosphäre des Alltagsrealismus zu schaffen, damit der Betrachter das Kunstwerk mit seinen eigenen Erfahrungen in Verbindung bringen kann. Ich glaube jedoch, dass das Bild so effektiv ist, dass ich eine Kunstplattform brauchte, um Worte und Bilder zu kombinieren. Ich erkannte, dass das Kino das Werkzeug ist, um meine künstlerischen Ziele zu erfüllen, weil es visuelle Kunst und Ton zu einer genaueren und vollständigeren Geschichte verbindet. Also habe ich diesen Karriereweg gewählt, da er mir sehr viel Spaß macht.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Zurzeit arbeite ich an meinem nächsten Kurzfilm, den ich in ein paar Wochen drehen werde, und schreibe auch an meinem Spielfilm, den ich im nächsten Jahr drehen möchte. Beide Projekte werden im Iran gedreht.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Exam


Interview: In our conversation with Iranian filmmaker Sonia Hadad, we were able to learn more about her short film “Exam“, which ran in the ‘International Competition’ at the 32nd Filmfest Dresden, how the story came about, how close what is shown is to reality, and what was important to her in its realization.

How did you get the idea for your short film “Exam“?

Exam“‘s story is a mixture of my personal experiences at high school and a true story I had heard from one of my friends. I mixed these two, and I wrote the script. For me, going to school was all about restrictions, suppression, and stress. In the movie, the school’s atmosphere was a reflection or metaphor of a controlled society and cultural crash, in which you could see the social failures’ symbols in the movie! I always wanted to illustrate the experiences I had faced. When I came across the real story about drug dealing at high school, I decided to recreate the situation and the actual characters.

How close is the story to reality – is the current school system in Iran depicted here? 

Fifteen/ sixteen years ago, when I was a high schooler, the system was the same as the story we see in the movie. But. I think the situation has changed since then. They are still strict but not as much as fifteen years ago.

For which age did you conceive your short film? What should younger viewers take away from it?

There is no limitation. I wanted to portray the critical thing in my film: The illicit drug production and distribution industry is no longer the exclusive domain of a particular group and society’s class (such as the poor or criminal). In the film, we see an ordinary family in a relatively good house and neighborhood. The poor and addicted person is not seen in the movie/ the story. The expansion of the drug trade is seen even among wealthy families, and this change is disappointing and painful.

Could you tell me a bit more about the making and the shooting – where and how long did you film?

A film project is a collection of good and bad events and nostalgia. I think the process of writing and filming the film was a delightful and fascinating event, especially the story of the film “Exam“, which was a reference to the educational environment and the space that the actors and I experienced and the representation of those images and environment for us at the same time.

Fortunately, the process of making this film went very well and without any worries, and I owe this peace to my wonderful group. The shooting took almost 4 days in Tehran. One of the strengths of this film project was that each person was in his/ her right place and had the duty to perform as well as possible. All my cast and crew were patient and supportive. They made this film a successful project by trusting me and my decisions, especially my producer, filmmaker, and talented and good actors.

Was it difficult to find the right actress? Sadaf Asgari plays her role very well.

When I wrote the script, I already fixed the roles and actresses, except for the leading role. Once I was writing the script, my co-writer (Farnoosh) told me about Sadaf (the leading role). She reminded me of a feature movie where Sadaf was playing its leading role. I watched that movie again and called Sadaf for a session of rehearsal. We read the script together, and I realized that she is a super smart actress with many acting potentials

Can you tell me a bit more about yourself and how you found your way to the film?

I was born and raised in 1989, in Tehran (Iran), and I was primarily educated in my native country. I hold diplomas in Physics/ Mathematics and graphic design. In 2005 I started my theatre acting career, and I have played in theatres, public performances, telefilms, and T.V. shows. In 2009 I completed my B.A. in Dramatic Literature from Azad University of Art and Architecture, and I worked in the theatre industry for three years after graduation. I moved to The U.S. in 2013 to study cinema. I did my masters in Film and Media Arts (M.F.A.) at Emerson College in Boston.

Since I was a child, I have been fascinated by my surroundings: sounds, objects, people, feelings, and the interaction of all these elements. Curiosity has always been an integral part of my life. It makes me pay attention to the details of people’s lives and their environment, Ever since I have created stories out of simple incidents concerning the daily struggles of real people. My fascination with the intersection of history, culture, and sociology continues to inform my visual and conceptual personal language. I am shaped by a society in turmoil, which makes me more engaged with daily challenges. I work to create an atmosphere of everyday realism so that the spectator can connect the artwork to his or her own experiences. However, I believe the image is so effective that I needed an art platform to combine words and images. I realized that cinema is the tool to fulfill my artistic goals because it combines visual arts and sound to form a more accurate and complete story. So I chose this career path as I enjoy it a lot.

Are there already new projects planned?

These days I am working on my next short film to shoot it in a couple of weeks and also writing my feature, which I have a plan to work on this feature film project next year. Both projects will shoot in Iran.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Exam“.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.