Sieben Fragen an Tim Berezin

Interview: Im Gespräch mit dem russischen Filmemacher Tim Berezin konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Forget the Palms…“, der auf dem 30. Filmfestival Cottbus lief, erfahren, wie er die Themen Internet mit Gesang verband und warum der Mockumentary-Stil perfekt für diesen Film war.

The original english language interview is also available.

Was war die Anfangsidee für Deinen Kurzfilm – stehst Du auch auf dem Kriegsfuß mit dem Internet? Wie kam der musikalische Aspekt hinzu?

Diese Arbeit hatte eine Internet-Provider-Firma als Sponsor, wobei die einzige Vorgabe war, das Internet irgendwie zu erwähnen. Ich bin kein Neo-Luddit irgendeiner Art, aber ich ertappe mich dabei, dass ich die meiste Zeit in der Vergangenheit umher wandere und mehr über meine Erinnerungen als über meine Träume nachdenke, so dass sich das allgemeine Thema ‚Alt gegen Neu‘ ganz organisch ergab. Und die russische Barden-Subkultur ist ein bisschen altmodisch, also passte das sofort. 

Erzähl mir mehr zu der Entscheidung, Deinen Film als Mockumentary zu erzählen?

Dies ist das einzige Genre, in dem man so schnell mehrere gleichwertige Charaktere entwickeln kann. Und da es Realismus impliziert, war es in Anbetracht unseres kleinen Budgets perfekt. Es war nicht mein erster Gedanke an das Genre, aber derjenige, der sich sofort richtig anfühlte.

Was war Dir bei der Umsetzung wichtig?

Diesen verrückten und doch nostalgischen Ton in der ganzen Sache zu transportieren. Es musste grenzwertig verrückt sein, bevor die Delphinbarden-Psychopathie begann (dann wurde es einfach verrückt). Und trotzdem haben wir versucht, den Humor feinfühlig zu halten. Ich meine, wir haben zum Beispiel eine Szene mit einer riesigen Verfolgungsjagd gedreht, mussten sie aber rausschneiden, weil sie sich einfach künstlich anfühlte.

War es schwer den richtigen Cast zu finden?

Nicht wirklich, nein – jeder Barde hat seinen eigenen psychologischen Typ. Also mussten wir nach Schauspielern suchen, die sich auch im echten Leben so verhalten. Unsere Casting-Direktorin, Anna Denisova, hat bei der Suche danach großartige Arbeit geleistet. Und jeder von ihnen entpuppte sich auch als ein wunderbarer Mensch! Und sie singen himmlisch, wie man am Ende hören kann. 

Könntest Du Dir vorstellen, die Geschichte um die Barden auszuweiten?

Ich würde gerne ein Prequel über Ostrovok machen, der allein in seinem Labor lebt und versucht, sich in eine Amphibie zu verwandeln. Es gibt einen sowjetischen Film “Der Amphibienmensch” [Anm. d, Red. 1962, Regie: Vladimir Chebotaryov, Gennadiy Kazanskiy] über ein anthropomorphes aquatisches Wesen, das sich als gutaussehender Mann entpuppt. Ich würde das umkehren.   

Kannst Du zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir und Deiner Liebe zum Film erzählen?

Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit der Regie von Werbespots, und das war mein erster Zugang zu Kurzfilmen. Ich muss zugeben, es war viel interessanter, aber auch viel schwieriger. Da muss es irgendein Muster geben, das mir nicht gesagt wurde.

Auf welches Projekt darf man sich als nächstes freuen?

Ich arbeite gerade an meinem zweiten Kurzfilm über einen sowjetischen Polarflieger. Der ist allerdings viel düsterer.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Forget the Palms…


Interview: In our conversation with Russian filmmaker Tim Berezin, we were able to learn more about his short film “Forget the Palms…“, which screened at the 30th Cottbus Film Festival, how he combined the themes of the Internet with song, and why the mockumentary style was perfect for this film.

What was the initial idea for your short film – are you also at war with the Internet? How did the musical aspect come about?

This work had an internet provider company as a sponsor, with the only requirement being to mention the internet somehow. I’m not a neo-luddite of any kind, but I find myself wandering the past most of the time, thinking about my memories more than about my dreams, so that general subject of old vs. new came quite organically. And russian bards subculture is a bit old-fashioned, so that was an instant match. 

Tell me more about the decision to tell your film as a mockumentary?

This is the only genre that you can develop several equal characters that quickly within. And since it implies realism, it was perfect, considering our small budget. It was not my first thought on the genre, but the one that felt right immediately.

What was important to you in the realization?

Conveying that maddened yet nostalgic tone throughout the whole thing. It had to be borderline crazy before the dolphin bard psychopathy started (then it became just crazy). And yet, trying to keep the humor delicate. I mean, we filmed an episode with a huge chase, for example, but had to cut it out because it just felt artificial.

Was it difficult to find the right cast?

Not really, no — every bard has his or her own psychological type, so we had to look for actors who behave like that in real life. Our casting director, Anna Denisova, did a great job looking for that. And everyone of them also turned out to be a marvelous human being as well! And they sing heavenly, as you can hear in the end. 

Could you imagine expanding the story around the bards?

I’d love to make a prequel about Ostrovok living alone in his lab, trying to transform himself into an amphibia. There is a soviet movie „The Amphibian Man“ about an anthropomorphic aquatic… thing that turns out to be a handsome man. I’d reverse that.   

Finally, can you tell us a bit more about yourself and your love for film?

I make a living directing commercials, and that was my first approach to short movies. I must admit it was much more interesting, yet also much more difficult. There must be some pattern that I wasn’t told about.

What project can we look forward to next?

I’m currently working on my second short movie about a soviet polar pilot. It is way darker, though.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Forget the Palms…

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