„Her Mothers“ (2020)

Filmkritik: Die ungarische Dokumentation „Her Mothers“ (OT: „Anyáim története“, Ungarn, 2020) von Asia Dér und Sara Haragonics, u.a. zu sehen auf den 31. Lesbisch Schwulen Filmtagen Hamburg, beleuchtet die Hürden einer Adoption für ein gleichgeschlechtliches Paar und welche Schwierigkeiten das neue Muttersein mit sich brachte.

Nóra und ihre Lebensgefährtin Virág haben beschlossen nach jahrelanger Beziehung ein Kind zu adoptieren. Dafür muss in Ungarn einiges an Bürokratie und vor allem eine lange Wartezeit überwunden werden. Doch sie erhalten die Möglichkeit ein kleines Mädchen zu adoptieren, das sich nach und nach bei den beiden einlebt, auch wenn diese zunächst vor allem Virág als Mutter anerkennt, was Nóra sehr unglücklich macht.

Die beiden Filmemacherinnen Asia Dér und Sara Haragonics beleuchten mit ihren Filmen gesellschaftsrelevante Themen ihres Landes Ungarn. Über ein anderes gleichgeschlechtliches Paar, was ebenfalls ein Kind adoptiert hat und nun in Norwegen lebt, wurden sie auf die Problematik aufmerksam. Mit den beiden Frauen Nóra und Virág fanden sie ein Paar, das kurz davor stand den Schritt zu einem gemeinsamen Kind zu gehen. So ist das Filmemacherinnen-Gespann von Anfang an dabei und verfolgt die Schritte der Adoption, genauso wie das Warten auf die Genehmigung, das neue Zusammenleben mit einem Kind und wie es sich in seine Familie einlebt. Dabei machen sie die bürokratischen Hürden genauso deutlich wie die schlechte gesellschaftliche Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Der Staat Ungarn, der Homosexuellen und Alleinerziehenden die Adoption mittlerweile komplett verboten hat, stellt das langjährige Paar vor große Herausforderungen. Aber nicht nur das: Das Paar muss sich auch selbst in seinen neuen Elternrollen einfinden und einfühlen und auch das Mädchen braucht ebenso seine Zeit um anzuerkennen, dass es ein neues Zuhause hat. Beide Themenstränge – das Öffentliche und das Private – verbinden die beiden Regisseurinnen wunderbar. Über drei Jahre haben sie das Paar immer wieder getroffen und fangen mit einer Mischung aus Beobachtung und Gesprächen die Gefühle und Entwicklungen ein und begleiten sie bis zu einem Neuanfang auf ihrem Weg. So entstand ein berührendes, wachrüttelndes Portrait zweier Frauen, welche nicht nur von dem Staat Steine in den Weg gelegt bekommen, sondern sich ganz neu als Mütter kennenlernen müssen.

Fazit: Der ungarische Dokumentarfilm „Her Mothers“ erzählt die Geschichte eines gleichgeschlechtlichen Paars, das dabei ist ein Kind zu adoptieren. Auf diesem Weg wurden sie von den beiden Regisseurinnen Asia Dér und Sara Haragonics begleitet, welche die langwierigen Prozesse genauso wie die Entstehung einer neuen Familie und die gesellschaftlichen und staatlichen Veränderungen über drei Jahre einfingen und so ein bewegendes Portrait schufen, das viele Fehlstellen im System aufzeigt aber auch das schwierige Einleben einer neuen Familie miteinander abbildet.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „Her Mothers“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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