„Jackfruit“ (2021)

Letzte Artikel von Doreen Matthei (Alle anzeigen)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2021

Filmkritik: Der mittellange Film „Jackfruit“, der auf dem 42. Filmfestival Max Ophüls Preis seine Premiere feierte, ist der Abschlussfilm von Thùy Trang Nguyễn an der Internationalen Filmschule Köln und erzählt eine berührende Familiengeschichte, welche sich vielen Themen u.a. dem Umgang mit dem kulturellen Erbe beschäftigt.

Mít (Hồng Ngọc Lê) führt als genderfluide Person ein eigenständiges Leben in Berlin, doch die Beziehungen zu ihrer Großmutter Roan (Dần Boldt) und Mutter Mai (Mai Phương Kollath) bedeuten ihr viel und hält auch die Verbindung zu ihren vietnamesischen Wurzeln mit den Bräuchen und Gepflogenheiten aufrecht. Kurz bevor sie ihrer Familie von Lara (Shari Asha Crosson) erzählen will, mit der sie zusammen ist, wird bei Roan Alzheimer diagnostiziert. Was passiert, wenn die geliebte Großmutter die Erinnerungen an Vietnam verliert – was macht das mit Mít und ihrer eigenen Persönlichkeit?

Die selbst in Berlin geborene Regisseurin Thùy Trang Nguyễn (*1993) entwickelte nach einem eigenen Drehbuch aus dem vorhergehenden Dokumentarfilm „Roan“ (2019) den Stoff für den Spielfilm „Jackfruit“. Mit diesem Film machte sie ihren Abschluss an der ifs Köln und erzählt darin eine warmherzige Geschichte einer Familie, bestehend aus drei Generationen von Frauen, welche alle etwas anderes mit ihrer Heimat verbinden. Durch diese Bandbreite von dem Umgang mit der eigenen Wurzeln und dem Leben in Deutschland, bekommt man als ZuschauerIn einen guten Einblick in die vietdeutsche Gemeinschaft vermittelt. Es zeigt, wie sie sich an das Leben hier in Deutschland angepasst hat, aber trotzdem die Verbindung zu Vietnam aufrechterhält und die Traditionen lebt. Hinzu kommen weitere Erzählstränge: Es geht um die junge Mít, die eine neue Liebe gefunden hat und sich nun gegenüber ihrer Familie öffnen möchte. Aber auch die Krankheit der Großmutter und das damit einhergehende Vergessen ist ein wichtiger Erzählstrang. Mit einem authentischen Blick und einer nahen Kameraarbeit (der Kamerafrau Katharina Hauke) erzählt Thùy Trang Nguyễn eine Coming-of-Age-Geschichte, welche aber auch andere Erzählstränge mühelos drin vereint und sich mit wichtigen Fragen, über das Leben selbst, das kulturelle Erbe und das familiären Zusammensein stellt und damit das Publikum berühren kann.

Fazit: „Jackfruit“ ist ein 34-minütiger Film über die eigene Identität, die Wurzeln und die Familie. Mit viel Authentizität und Einfühlungsvermögen erzählt die Regisseurin Thùy Trang Nguyễn von der Vermischung verschiedener Kulturen und auch Welten und schuf so eine vielschichtige Coming-of-Age-Geschichte.

Bewertung: 7,5/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.