„Wem gehört mein Dorf?“ (2021)

Filmkritik: Die deutsche Dokumentation „Wem gehört mein Dorf?“ von Christoph Eder, die ihre Premiere auf dem 42. Filmfestival Max Ophüls Preis feierte, beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die Politik das Angesicht einer Stadt auch gegen den Bürgerwillen verändern kann und darf.

Das Ostseebad Göhren auf Rügen ist ein idyllischer Ort, der immer mehr zum Magnet für Touristen wird. Das verdankt er auch den ganzen Bauvorhaben des Großinvestors W. Horst, der von der Ferne aus hier Hotels und Ferienhäuser erbauen lässt. Unterstützt wird er dabei im lokalen Gemeinderat von den sogenannten ‚Vier von der Stange‘, welche hier seit Jahren die Geschäfte regeln. Als dann ein Naturschutzgebiet als Ort für das nächste Bauvorhaben dran glauben soll, werden die BewohnerInnen des 1285 Einwohner starken Ortes aktiv. Nadine und ihr Vater Bernd sehen nur ein Chance: Sie müssen mit Gleichgesinnten bei der Kommunalwahl antreten und die vier Alteingesessenen ablösen.

Der Dokumentarfilmer Christoph Eder (*1987), der aus Göhren stammt, kehrte für das Projekt in seinen Heimatort an der Ostsee zurück und beobachtete über einen längeren Zeitraum die Entwicklungen in dem Ort, die Arbeit der Lokalpolitiker und wie sich der Widerstand formt. Dabei bezieht er klar Stellung und kämpft mit den BewohnerInnen für die Veränderungen. Trotzdem beleuchtet er alle Seiten. Er zeigt mit seinem Film die ansonsten oft übersehene Lokalpolitik und macht so verständlich, wie es zu (auch unerwünschten) Veränderungen, der eigenen Stadt kommen kann. Wie viel darf von dem eigenen beschaulichen Leben u.a. geopfert werden, um die Stadt für Touristen – Göhren ist schon jetzt ein beliebtes Reiseziel für Rentner – attraktiver zu werden. Eder schaut also hinter die Fassade und ruft gleichzeitig dazu auf, dass sich die BewohnerInnen mehr für die eigene Stadtpolitik interessieren sollen, und zeigt, dass Veränderungen auch durch Aktivismus möglich sind. Die Doku „Wem gehört mein Dorf?”, die klassisch aus Interviews und Beobachtungen aufgebaut ist, ist neben einer persönlichen Analyse der Vorgänge des eigenen Orts auch universell übertragbar. Darin liegt eine große Stärke des Films, der die ZuschauerInnen ansonsten vor allem mehr über Lokalpolitik und dessen Auswirkungen erfahren lässt. 

Fazit: „Wem gehört mein Dorf?“ ist eine Dokumentation von Christoph Eder, der sich mit der Lokalpolitik und deren Einfluss auf das Leben vor Ort in seiner Heimat, dem Ostseebad Göhren, beschäftigt. Mit vielen Interviews, einem Voice Over und einem stimmigen Stadtportrait hält er die Ereignisse fest, macht die Wichtigkeit von lokalpolitischen Geschehen deutlich und fordert so indirekt die ZuschauerInnen auf, auch mal ihre Stadt und deren Politik mal unter die Lupe zu nehmen.

Bewertung: 6/10

Trailer zum Film „Wem gehört mein Dorf?“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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