„Infidel“ (2020)

Filmkritik: Der amerikanische Spielfilm „Infidel“ (OT: „Infidel“, USA, 2020) von Cyrus Nowrasteh gehört zu den ersten Filmen, die kurz nach der Öffnung wieder in den Kinos starten, und ist ein unangenehme, unverblümte Propaganda von christlich-fundamentalistischen Werten und tarnt sich im Gewand eines Actionthrillers.

Der Journalist und christliche Blogger Doug Rawlins (Jim Caviezel) wurde nach Kairo in eine ägyptische Talkshow eingeladen, um in einen offenen Dialog über Gott zu treten. Seine Frau Elizabeth (Claudia Karvan) ist dagegen, denn es gab mit dem Nachbarn und Kollegen Javid (Aly Kassem) einen Zwischenfall, der nichts Gutes ahnen lässt, da er ihm den Talkshow-Auftritt vermittelt hat. Doch trotz warnender Worte macht er sich auf den Weg und äußert vor laufendern Kamera seine Gedanken, welche die arabische ZuhörerInnen in Aufruhr versetzen. Kurz danach wird er entführt und über Umwege in den Iran gebracht, wo er gefoltert wird, damit er sich von seinem Glauben los sagt. Während er über Jahre?? hinweg stark bleibt, kämpft seine Frau im Licht der Öffentlichkeit um seine Freilassung.

Basierend auf wahren Ereignissen, erzählt der in den USA geborene Regisseur Cyrus Nowrasteh (*1956), der bisher Filme wie „The Stoning of Soraya M.“ (2008) realisiert hat, von einem gefolterten Journalisten, der seinen Glauben nicht verleugnen will. Nach einem eigenen Drehbuch schuf er eine hanebüchene Geschichte voller Stereotypen und schlimmen Klischees, in der sich die amerikanischen, weißen Christen als die Guten in allen Facetten darstellen. Jeder, der nicht zu ihnen gehört, hat Dreck am Stecken, sei es der Nachbar, der seine Tochter gefangen hält, oder die iranische Regierung selbst. Die einzigen Verbündeten finden sich hier in einer christlichen Untergrundorganisation von Frauen und zwei Agenten des israelischen Geheimdienstes. So viele von Klischees triefende Twists verstimmen die ZuschauerInnen ähnlich wie die Propaganda, welche dahinter steckt. Dass der Regisseur Nowrasteh dies auch noch als Actionfilm tarnen will, setzt dem Ganzen die Krone auf. Diese Szenen wirken unmotiviert und vor allem Jim Caviezel, der als Jesus in „Die Passion Christi“ (2004) zur Bekanntheit gelangt ist, macht sich zwar gut als überzeugter Christ, aber sehr schlecht als Actionheld. In dem Film passt so insgesamt nichts richtig zusammen, Sympathien kommen genauso wenig auf wie Spannung oder Mitgefühl. Der ganze Film strotzt vor schlimmer Propaganda, Stereotypen und dazu noch schlecht getimten Actionszenen. „Infidel“ ist ein Film für den die Kinos wahrlich nicht hätten aufmachen müssen.

Fazit: „Infidel“ ist ein Spielfilm des amerikanischen Filmemachers Cyrus Nowrasteh, der hier nach einer wahren Begebenheit eine zutiefst christlich verankerte Geschichte voller Klischees und Stereotypen erzählt. Mit unnötigen Actionsequenzen, viel Pathos, aber null Spannung oder Sympathien wird hier eine klassische Opfer-Geschichte erzählt, die es aber nicht einmal schafft zumindest unterhaltsame Standard-Kost zu bieten, sondern einzig und allein verärgert. 

Bewertung: 2/10

Kinostart: 22. Juli 2021

Trailer zum Film „Infidel“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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