„Tabaluga“ von Helme Heine und Gisela von Radowitz (1994)

157 Seiten / ab 6 Jahren / btb

Buchkritik: Das Kinderbuch „Tabaluga“ des deutschen Autorenpaares Helme Heine und Gisela von Radowitz erlangte durch die TV-Show und durch die Mitwirkung Peter Maffays Anfang der 80er Jahre enorme Bekanntheit. Das Kinderbuch ist dagegen eher unbekannt und ist vor allem für eine jüngere Leserschaft empfehlenswert.

Nachdem die Erde mal wieder bebte, verloren die Raben ihr Ei, doch stattdessen fanden sie ein grün-gelb-gesprenkeltes Ei und nahmen es wie ihr eigenes Kind bei sich auf. Der kleine Drache, der Tabaluga getauft wurde, wurde alsbald flügge und machte sich dann auf den Weg seinen Ursprung sowie Antworten auf einige Fragen zu finden. Derweil beobachtete der Schneemann Arktos, der Herrscher des Eises, das Ganze argwöhnisch und ersinnt sich eine List wie er Tabaluga mit der Kraft der Liebe schachmatt setzen kann.

Das Kinderbuch „Tabaluga“, dessen Hauptfigur man hauptsächlich durch die gleichnamige TV-Show kennt, ist in seinem Kern eine klassische Abenteuer-Helden-Geschichte. Der junge Protagonist, hier ein Drache, macht sich auf den Weg, etwas über seine Wurzeln und somit über sich selbst zu erfahren. Dabei tritt er auf viele Gefahren und Widerstände aber auch auf WegbegleiterInnen, die ihn bei seiner Suche helfen. All diese klassische Versatzstücke bauen auch die deutschen AutorInnen Helme Heine (*1941) und Gisela von Radowitz (*1941) ein, die damit eines ihrer berühmtesten Werke schufen. Doch bei ihnen geht die Rechnung nicht auf, was einerseits an dem Aufbau der Geschichte liegt, der offensichtlichen Metapher auf den Nationalsozialismus und andererseits an der verwendeten Sprache. Das Buch, was für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird, fängt noch recht spannend an, weiß aber nicht wie es die Spannung recht halten soll und versucht es daher mit schnellen Szenenwechseln. Doch dadurch bekommt die Geschichte einen zerstückelten Charakter und schafft damit eine große Distanz zu den Figuren, deren Entwicklung so unsichtbar voranschreitet. Zudem ist die zu direkte Analogie auf den Nationalsozialismus für erwachsene Leser zu offensichtlich, aber für junge LeserInnen eher unverständlich. Dadurch können bei Kindern Fragen wie, warum der Schneemann so böse ist, evoziert werden, welche man ohne größeren Kontext als Eltern kaum erklären kann. So fragt man sich zurecht nach der eigentlichen Zielgruppe für das Buch. Hinzu kommt die Sprache, welche Eleganz und Fließvermögen gänzlich vermissen lässt. Der abgehackte Charakter der Geschichte spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Das können dann auch die recht niedlichen, wenn auch wenigen Illustrationen von Helme Heine nicht wettmachen. So ist das vermeintliche Kinderbuch „Tabaluga“ im Gesamten keine besonders gute Unterhaltung und besitzt was Störrisches. 

Fazit: „Tabaluga“ ist ein für junge LeserInnen konzipiertes Buch, das die Geschichte eines klassischen Heldenwerdung erzählt und sich dafür starker Analogien zum Nationalsozialismus bedient. Dabei schaffen es die Autoren Helme Heine und Gisela von Radowitz nicht,eine flüssige Erzählweise zu kreieren, die einen spannungstechnisch oder eloquent mitnimmt, so dass man schnell das Interesse verliert, auch wenn alle Elemente für eine gute Abenteuergeschichte vorhanden sind.

Bewertung: 2/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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