„The Fam“ (2021)

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Filmkritik: Der Gewinner des Großen Preises der Internationalen Jury im Wettbewerb ‚14plus‘ auf der diesjährigen Berlinale war der Schweizer Spielfilm „The Fam“ (OT: „La Mif“, Schweiz, 2021), der auf sehr intuitive Weise und unter Mitbestimmung der Darstellerinnen sich seiner Geschichte und Thema nähert.

In einem Heim für Problemkinder leben sieben Mädchen zusammen, welche alle aus prekären Verhältnisse stammen und teilweise schon traumatische Erfahrungen gesammelt haben. Aber hier finden sie unter der Leitung von Lora (Claudia Grob) ein neues Zuhause, wachsen trotz vieler unterschiedlicher Temperamente als Familie – La Mif – zusammen und rebellieren für eine bessere Zukunft.

Der ehemalige Sozialarbeiter Fred Baillif (*1973) hat über zwei Jahre an der Realisierung dieses Films, für den er auch das Drehbuch schrieb, gearbeitet. Dabei legte er auf Authentizität genauso Wert, wie auf eine komplexe Ausformung der Charaktere. Denn die Menschen stehen klar im Fokus seiner Geschichte. Im authentischen Gewand beschäftigt er sich mit Einzelschicksalen und zeigt gleichzeitig das Zusammenwachsen einer Gemeinschaft. Dabei baut er zwar auch bekannte Erzählelemente ein, gerade in Bezug auf die traumatischen Erfahrungen der Einzelnen, aber im Gesamten verzichtet Baillif auf klischeehafte Entwicklungen und vor allem auf jegliche Form von Sentimentalität.

Anaïs Uldry, Amandine Golay, Amélie Tonsi, Kassia Da Costa, Sara Tulu, Joyce Esther Ndayisenga, Charlie Areddy

Mit einem klaren Blick fängt er die sieben jungen Frauen ein, welche wunderbar von einem gut besetzten Cast gespielt werden, der auch seine Figuren mit formen durfte. Die Formensprache des Films schmiegt sich der authentischen Ausgestaltung an – so arbeitet der Filmemacher hier mit einer bewegten Kamera, kühleren Farben, verschiedenen Perspektiven und kargen Räumlichkeiten, welche scheinbar keine Träume zulassen. Im Gesamten gelang ihm ein starker Film, der zeigt und sagt, was gesagt werden muss. Mit realitätsnahen Figuren und einer klaren Filmsprache überzeugte er im Wettbewerb ‚Generation 14plus‘ der Berlinale und konnte so den ‚Großen Preis‘ der Internationalen Jury im Wettbewerb ‚14plus‘ gewinnen.

Fazit: Der fest in der Realität verankerte Film „The Fam“ von Fred Baillif erzählt von sieben jungen Frauen, welche in einem Heim zu einer ungewöhnlichen Familie zusammenwachsen. Ohne den Blick für das Wahre zu verlieren, erzählt er aus verschiedenen Perspektive eine starke Geschichte, welche die ZuschauerInnen sofort an sich bindet und sich so den Goldenen Bären wahrlich verdient hat. 

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: – / DVD-Start: –

Trailer zum Film „The Fam“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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