Sechs Fragen an Rolf Hellat

Interview: Im Gespräch mit dem Schweizer Regisseur Rolf Hellat konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Dirt Devil 550 XS“, der auf den 32. Bamberger Kurzfilmtagen 2022 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, erfahren, wie er zu dieser Geschichte fand und warum es ihm am Herzen lag einen bunten Haufen als Charaktere zu haben.

Wie kam es zur der Geschichte über die WG-Diskussion und warum kreist sie gerade um einen Staubsauger?

Es ist inspiriert von einem persönlichen Erlebnis in einer Wohngemeinschaft, in der ich lebte. 

In Realität war die Diskussion allerdings noch viel länger – Wir diskutierten ca. eine Stunde über die Anschaffung eines Staubsaugers. Erst Tage später realisierte ich, wie komisch, absurd, amüsant und emotional diese Diskussion um ein relativ nichtiges Thema eigentlich war. Ich begann ein Drehbuch zu schreiben.

In welchem Rahmen konntest Du Deinen Film umsetzen?

Der Film entstand in „Fronarbeit” aller Beteiligten als freies Projekt ohne Geld. Er wurde zu Beginn von keiner Förderstelle unterstützt, was mich sehr enttäuschte, aber nicht davon abhielt, weiter daran zu arbeiten.

Wie viel Drehzeit hattet ihr? Wo habt ihr gedreht?

Wir haben uns drei Drehtage gegeben und in Zürich in einem Gemeinschaftsraum einer Wohnsiedlung gedreht.

Nach welchen Kriterien hast Du Deinen Cast zusammengestellt?

U.a. nach dem Kriterium der Improvisationsgabe und der Natürlichkeit im Gebrauch der Sprache. Mir war es wichtig, dass sich alle Darsteller*innen in der Improvisation wohl fühlen und gewisse Ecken und Kanten in der Sprache ausleben können.

Zudem war es wichtig, dass die Zusammensetzung der Gruppe eine Diversität widerspiegelt. Die Wohngemeinschaft soll ein „bunter Haufen“ darstellen, eine moderne aufgeschlossene, links-politische, sympathische Gruppe, die eine zeitgemässe, urbane Form des Zusammenlebens huldigt.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Mit 8 Jahren wollte ich Tier-Dokumentarfilmer werden. Ich saugte alle möglichen BBC-Dokumentarfilme auf und beobachtete stundenlang Tiere um mich herum. Mit 18 Jahren, nachdem ich kleinere Hobby-Filmchen drehte, war immer noch klar, dass ich zum Film will. Nach dem Filmstudium an der Zürcher Hochschule der Künste erweiterte ich meinen Horizont: Ich beobachte nicht mehr nur Tiere, sondern auch Menschen.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich plane diverse Kurz- und Langfilme, dokumentarisch und fiktional und Mischformen. Diese handeln von Hühnern im Emmental, von Geisterwesen im Senegal oder von Schauspielstudent*innen in Zürich. Falls jemensch tolle, reizvolle, erschütternde, nichtige, dramatische, alltägliche, absurde Erlebnisse aus seinem Alltag mit mir teilen möchte für ein Filmprojekt, erhalte ich gerne Post an mail@hellat.ch.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Dirt Devil 550 XS

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