Sieben Fragen an Julia Orlik

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Interview: Im Gespräch mit der polnischen Regisseurin Julia Orlik konnten wir mehr über ihren neuesten Kurzfilm „This will not be a Festival Film“ (OT: „To nie będzie film festiwalowy“), der auf dem 65. DOK Leipzig 2022 seine Deutsche Premiere feierte, erfahren, ob er eine direkte Antwort auf den Erfolg des Films „I’m Here“ ist, wie damit die veränderte Tonlage zusammenhängt und wie es nun, nachdem sie ihren Abschluss gemacht hat, weitergeht.

The original english language interview is also available.

Dein neuester Film wirkt wie eine direkte Antwort auf Deinen Erfolg Deines Films „I’m here“ – entstand so die Idee dafür?

Ja, aber es war definitiv nicht meine erste Idee. Am Anfang wollte ich, wie die Hauptfigur Julita, einen Film über meine Familie machen. Ich wollte Familienfotos und -videos verwenden und eine Art Porträt meiner Kindheit und meiner Familie machen. Am Ende wollte ich mich einfach für das bedanken, was mir meine Eltern gegeben haben. Es sollte ein gemischter Film werden, mit ein bisschen Stop-Motion und einer Menge ausgeschnittener 2D-Animation. Als ich schon 10 Minuten des Films hatte, merkte ich, dass er nicht gut aussieht und nicht für die Prüfung geeignet ist. Zur gleichen Zeit wurde der Animationsfilm „I’m Here“ mit einem Preis nach dem anderen ausgezeichnet, was den Druck noch erhöhte. Einen Monat vor der Prüfung beschloss ich, den Film von Grund auf neu zu machen. Das war ein großer Stress für mich, denn ein Monat ist wirklich nicht viel Zeit, und ich hatte vor, alles zu ändern. Es war auch eine Zeit in meinem Leben, in der ich mich fragte, warum ich Filme mache, was mir dieser Prozess gibt und was er mir nimmt.

Wie fand es Deine Familie, dass sie diesmal eine größere Rolle in Deinem Film spielen durften?

Meine Eltern haben mich immer unterstützt und wussten, was ich mache, aber sie hatten nie die Gelegenheit, selbst etwas zu animieren. Es war neu für sie, aber sie hatten Spaß dabei. Es ist erwähnenswert, dass mein Vater schon vor meinem Studium bei der Erstellung von Elementen der Szenografie für meine Filme geholfen hat. Ich habe viel mit meiner Mutter gesprochen, als ich das Drehbuch für „I’m Here“ schrieb, weil sie Krankenschwester ist und sich oft um ältere Menschen kümmert. Mein Bruder hat die Musik für alle meine Animationen gemacht und bis heute berate ich mich bei jedem Drehbuch mit ihm. Früher war ich besorgt, dass ich durch die Animation an der Filmschule weniger Zeit mit meiner Familie verbringen würde, weil ich die meiste Zeit allein in der Garage zwischen den Puppen animieren würde und meine Familie nur zu den Mahlzeiten sehen würde. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass das Filmemachen nicht nur eine einsame Arbeit in der Garage sein kann, sondern auch unsere gemeinsame Zeit. Das war eine der Veränderungen in meiner Motivation und meinen Erwartungen, die ich an den Prozess des Filmemachens habe.

War es Dir ein Anliegen, dieses Mal mehr mit Humor zu arbeiten?

Ja! Nach „I’m Here“ hatte ich das Gefühl, dass ich etwas Humor brauche. Ich liebe Komödien, vor allem schwarzen Humor, und alle meine früheren Studiums-Animationsfilme waren eine Mischung aus Humor und Drama.

Wie lange hat die Realisierung deines Films gedauert?

Die Herstellung der Szenografie meines Zimmers, aller Möbel, kleiner Elemente und Puppen dauerte zwei Monate. Die Dreharbeiten dauerten einen Monat, eigentlich drei Wochen. Bis auf die letzte Einstellung habe ich mich selbst animiert. Ich konnte es in so kurzer Zeit fertigstellen, weil die Animation nicht kompliziert war. Ich habe die Bewegungen so weit wie möglich vereinfacht.

Auch diese Arbeit war wieder ein Stop-Motion-Film. Warum entscheidest Du Dich immer wieder dafür?

Es ist immer Stop-Motion, weil ich nicht sehr gut zeichnen kann und nicht so gerne am Computer arbeite. Stop-Motion ist eine sehr abwechslungsreiche Technik, sie erfordert die Herstellung von Kulissen, Puppen und dann die Animation am Set. Ich bin die ganze Zeit in Kontakt mit echter Materie. Das gefällt mir sehr gut.

Was lag Dir visuell am Herzen?

In diesem Film? Ich glaube, es war mein Elternhaus, vor allem mein Zimmer, in dem ich all die Danksagungen für die Auszeichnungen für „I’m Here“ aufgenommen habe, alle Q&A und wo ich über alle meine Animationen nachdachte. Ich wollte wirklich ein perfektes Modell meines Zimmers schaffen, so wie es in diesem Moment aussah, weil ich wusste, dass ein bestimmter Abschnitt meines Lebens zu Ende ging.

Das war auch Dein Abschlussfilm, richtig? Wie geht es jetzt weiter? Sind schon neue Projekte geplant?

Seit diesem Jahr unterrichte ich Kurse an der Filmschule und möchte mich als Dozentin weiterentwickeln. Außerdem sammle ich langsam Material für neue Filme. Ich möchte auf jeden Fall versuchen, etwas zu machen, was ich noch nie gemacht habe, nämlich eine Zeichentrickserie in dem Genre Komödie/Parodie für ein Internet-Publikum. Mein Bruder und ich denken über eine Miniserie nach. Ich würde auch gerne irgendwann eine Filmreihe oder einen abendfüllenden Animationsfilm über die ältere Generation machen. Etwas über ihr Alltagsleben, aber auch über ihren Platz in der Gesellschaft. Ich sammle Material, schreibe die Geschichten und Erfahrungen der Menschen auf, die ich treffe. Es wäre eine Puppenanimation, aber ich weiß noch nicht, wann ich sie machen werde.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „This will not be a Festival Film


Interview: In our conversation with Polish director Julia Orlik, we were able to learn more about her latest short film “This will not be a Festival Film” (OT: “To nie będzie film festiwalowy”), which had its German premiere at the 65th DOK Leipzig 2022, whether it is a direct response to the success of the film “I’m Here“, how the change in tone is related to that, and what happens next now that she has graduated.

Your latest film seems like a direct response to the success of your film “I’m Here” – is that how the idea for it came about?

Yes, but definitely it wasn’t my first idea. In the beginning, like the main character Julita, I wanted to make a film about my family. I wanted to use family photos and videos and make a kind of portrait of my childhood and my family. At the end, I just wanted to say thank you for what my parents gave me. It was supposed to be a mixed film, like a bit of stop motion and a lot of cut out 2D animation. When I had already 10 minutes of the film, I realized that it does not look good and it is not suitable for the exam. At the same time, “I’m Here” animation was getting award after award which added to the pressure. A month before the exam, I decided to make this film from scratch. It was a huge stress for me because one month it’s really not a lot of time and I planned on changing everything. It was also a period in my life when I was wondering why I make films, what this process gives me and what it takes away from me.

How did your family feel about being allowed to play a bigger role in your film this time?

My parents always supported me and knew what I was doing, but they never had the opportunity to animate anything themselves. It was new to them, but they had fun doing it. It’s worth mentioning that my dad helped with building elements of scenography for my films even before I started studying. I talked to my mother a lot when I was writing the screenplay for “I’m Here” because she is a nurse and often takes care of the elderly. My brother did the music for all my animations and to this day I consult every script with him. Previously, I was worried that doing animation at Film School would take away my time with my family because I would spend most of my time alone animating in the garage among puppets and I would see my family only during meals. However, over time, I noticed that making movies can be not only a lonely job in the garage, but also our time together. It was one of the changes in my motivations and expectations that I have for the very process of making a film.

Did you want to work more with humor this time? 

Yes! After “I’m Here” I felt that I needed some humor. I really love comedy, especially dark humor and all my previous school animations were a mix of humor and drama.

How long did it take to make your film? 

Making the scenography of my room, all furniture, small elements and puppets took two months. The shooting took a month, actually 3 weeks. I animated myself except for the last shot. I managed to finish it in such a short time because the animation was not complicated. I’ve simplified the movement as much as possible.

This work was once again a stop motion film. Is that your preferred approach? Why?

It’s always stop-motion because I’m not very good at drawing and I don’t like working on the computer very much. Stop motion is a very variety technique, it requires making scenery, puppets, and then animation on the set. I am in contact with real matter all the time. I like it very much.

What was visually close to your heart?

In this movie? I think it was my family home, especially my room where I recorded all those thanks for awards for “I’m Here“, all Q&A and where I thought about all my animations. I really wanted to create a perfect model of my room, as it looked at that moment, because I knew that a certain stage of my life was ending.

This was also your graduation film, right? What’s planned now? Are there any new projects already in the works?

Since this year I have been teaching classes at the film school and I want to grow as a teacher. I am also slowly collecting materials for new films. I would definitely like to try to do something I haven’t done before, which is to direct a drawing animation for the internet viewers of genre comedy/parody. My brother and I are thinking about a mini-series. I would also like to make a series of films or a full-length animation about the elderly generation in some time. Something about their everyday life, but also about their place in society. I collect materials, write down the stories and experiences of people I meet. It would be a puppet animation, but I don’t know when it will be made yet.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film “This will not be a Festival Film

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