- Kinostarts 26.03.2026 - 25. März 2026
- „No Mercy“ (2026) - 24. März 2026
- „Blue Moon“ (2025) - 23. März 2026
24.-29. Oktober 2023 / Central Kino Hof, Scala Filmtheater Hof, Bürgergesellschaft Hof
Festivalbericht: Die Internationalen Hofer Filmtage fanden zum 57. Mal eine Woche lang in den Kinos vor Ort und zwei Wochen online statt. Das Festival umfasste 88 Lang- und 64 Kurzfilme aus mehr als 20 Ländern. Das Repertoire des Festivals, kuratiert und geleitet von Thorsten Schaumann, setzt seinen Fokus auf die Entdeckung von deutschen Nachwuchsregisseur:innen und zeigte nicht nur Spielfilme, sondern auch eine Vielzahl an Dokumentationen. So konnte man hier auch bereits liebgewonnene Regisseur:innen sowie das eine oder andere Gesicht von bekannten Schauspieler:innen wiederentdecken. Aber auch viele Indie-Produktionen aus diversen Ländern gibt es auf dem Festival zu entdecken. Hinzu kam eine Retrospektive für die Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader und die Reihe ‚|8|16|35|‘, die wieder fünf analog gedrehte Klassiker zeigte.
Spielfilme
Am stärksten vertreten auf den Hofer Filmtage waren die Spielfilmproduktionen. Dabei konnte man sich als Zuschauer:in zwischen 42 Filmen aus 20 Ländern wählen. Der Förderpreis Neues Deutsches Kino ging an Tuna Kaptans Film „Rohbau“, er erzählt darin von der gängigen Baustellenpraxis auch Schwarzarbeiter zu beschäftigen und wie ein Verlust zu einer schicksalhaften Begegnung führt. Auch in dem Spielfilm „Wald“ von Elisabeth Scharang, der den Bild-Kunst Förderpreis erhalten hat, treffen verschiedene Welten aufeinander. Eine Frau kehrt nach einem traumatischen Erlebnis in ihr österreichisches Heimatdorf zurück und wird dort alles andere als herzlich aufgenommen. Auch eine der Hauptfiguren in „Dann lieber sterben“ von Pauline Schläger, die den Friedrich-Baur-Goldpreis erhielt, kämpft mit seiner Wiedereingliederung in eine Gruppe. Da der Grund ihrer Abwesenheit immer noch bedrohlich wie ein Damoklesschwert über der Gruppe schwebt. Der Hofer Kritiker Preis für die Beste Produktion ging an die Produktionsfirma Krystallplaneten für den Spielfilm „Å Øve – Practice“. Darin schickt der Regisseur Laurens Pérol eine junge Frau vom Norden des Landes in die norwegische Hauptstadt Oslo. Als überzeugte Klimaaktivistin, beschließt sie die Strecke zu trampen und kommt dabei an ihre Grenzen. Der mit dem Hofer Kritiker Preis für die Beste Regie ausgezeichnete Film „Der Junge, dem die Welt gehört“ ist wohl der schönste Beitrag des diesjährigen Festivals. Der Film von Robert Gwisdek ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Die Bildsprache, die Dialoge und das Spiel aller Darsteller:innen sind so fantastisch und ergreifend, dass es einen tief berührt.
Beinahe vor jedem Langfilm wurde auch in diesem Jahr ein Kurzfilm gezeigt. Zudem hatte man die Möglichkeit, diese als Gesamtpaket online zu sichten. So nimmt das Festival den Kurzfilm sehr ernst und gibt ihm genügend Raum. Der Pharos Shiver Screen Award ging an den bewegenden Film „Scherben“ von Philipp Fröhlich und Dominik Gross. Dieser erzählt mit ein paar beigemischten Genre-Elementen von der Traumabewältigung eines Paares. Der Jury-Kurzfilmpreis der Stadt Hof ging in diesem Jahr gleich an zwei Kurzfilme: „Verrücktes Blut“ von Can Tanyol erzählt von den bestehenden Traditionen der Deutsch-Türken, in dessen Zuge sich ein kleiner Junge mit seiner Mannwerdung konfrontiert sieht. Der zweite Gewinner war die Dokumentation „My Orange Garden“ der Regisseurin Anna-Sophia Richard, in der sie die iranisch-stämmige, offenherzige Sängerin Faravaz Farvardin portraitiert. Darüber hinaus gab es wieder spannende Beitrage aus Deutschland und anderen Ländern zu sehen. Der taiwanesische Kurzfilm „Please hold the Line“ von Ce Ding Tan („The Masseuse“ (2018)) fiel dabei genauso auf wie der eigenwillige Kurzfilm „Schallner“. Die Kurzfilme deckten auch in diesem Jahr eine enorme Bandbreite an Themen als Drama wie auch als Komödien ab. So ging es um Übergewicht („Kugelrund“), Veränderungen in der Gesellschaft („Unsere Problemzone“) oder Aufnahmerituale („Haze“). Auch der neueste Film von Daniel Holzberg („Triumph des Schauspielers“ (2022)) war im Programm zu sehen. In „Als er ein Star war“ erzählt er gelungen davon, wie es sich anfühlt, ein ehemaliger Kinderstar in der Filmbranche zu sein.
Dokumentarfilme
Auch der Dokumentarfilm war mit 31 Lang- und 12 Kurzfilmen auf den Hofer Filmtagen vertreten. Der Granit Hofer Dokumentarfilmpreis ging an die Langzeitbeobachtung „Frank Meyer“, in der die Regisseure Leonhard Hofmann und Riccardo Dejan Jurkovic den ehemaligen Bodybuilder Frank Meyer über viele Jahre auch noch als dieser erkrankt begleiten. Ein weiterer Preis – der Hans-Vogt-Filmpreis – ging an Günter Schwaiger. Der Regisseur wurde für die Filmmusik in seinen Filmen geehrt. Auf dem Festival lief sein Film „Wer hat Angst vor Braunau?“. Darin begibt er sich in das österreichische Örtchen Braunau, das man eigentlich nur als Geburtsstadt Hitlers kennt, und lernt die Menschen, ihre Mentalität und ihren Umgang mit der Vergangenheit kennen. Der Verleiher, Regisseur und Produzent Stefan Paul wurde mit dem Filmpreis der Stadt Hof geehrt. Bei zwei Filmen des Festivals, dem Spielfilm „My Sailor, My Love“, über eine Liebe im hohen Alter, und „I Giacometti“, eine Geschichte der Künstlerfamilie Giacometti, hat er als Verleiher seine Finger im Spiel. Auch der Kurzfilm war im dokumentarischen Film vertreten, u.a. mit der Doku „Trinkhalle“ von Alexa Ramthun, welche den immer weniger existierenden Orten dieser Art ein Denkmal setzt. Besonders lange in Erinnerung bleibt die Kurz-Doku „Patricia in the Dark“. Die australische Regisseurin Laura Hartley porträtiert hier eine Transfrau, die ihre berührende Geschichte erzählt, da sie zu einer Zeit ihre Identität finden musste, wo es noch nicht einmal Begriffe dafür gab.
Fazit: Auch die 57. Ausgabe der Internationalen Hofer Filmtage bot ein gewohnt breites Spektrum an deutschen und internationalen Produktionen. Dabei waren der Spiel- und der Dokumentarfilm gleichermaßen stark vertreten. Das Schöne an den Hofer Filmtagen ist, dass sich das Programm nicht auf bestimmte Genres oder Erzählweisen beschränkt, sondern ein buntes Potpourri präsentiert, wo zwar auch mal schwächere oder unprofessionelle Beiträge zu finden sind, aber man aber auch viele Perlen findet und man immer mal wieder überrascht wird.
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Liste aller oben genannter Filme:
- „Als er ein Star war“ (OT: „Als er ein Star war“, Österreich/Deutschland, 2023, Regie: Daniel Holzberg)
- „Å Øve – Practice“ (OT: „Å Øve“, Deutschland/Norwegen, 2023, Regie: Laurens Pérol)
- „Dann lieber sterben“ (OT: „Dann lieber sterben“, Deutschland, 2023, Regie: Pauline Schläger)
- „Der Junge, dem die Welt gehört“ (OT: „Der Junge, dem die Welt gehört“, Deutschland/Italien, 2023, Regie: Robert Gwisdek)
- „Frank Meyer“ (OT: „Frank Meyer“, Deutschland, 2023, Regie: Leonhard Hofmann und Riccardo Dejan Jurkovic)
- „Haze“ (OT: „Haze“, Deutschland, 2023, Regie: Kevin Koch, Emma Holzapfel)
- „I Giacometti“ (OT: „I Giacometti“, Schweiz, 2023, Regie: Susanna Fanzun)
- „Kugelrund“ (OT: „Kugelrund“, Deutschland, 2023, Regie: Lennart Heidtmann)
- „My Orange Garden“ (OT: „My Orange Garden“, Deutschland, 2023, Regie: Anna-Sophia Richard)
- „My Sailor, My Love“ (OT: „My Sailor, My Love“, Finnland/Irland/Belgien, 2023, Regie: Klaus Härö)
- „Patricia in the Dark“ (OT: „Patricia in the Dark“, UK/Australien, 2023, Regie: Laura Hartley)
- „Please hold the Line“ (OT: „Please hold the Line“, Malaysia, 2023, Regie: Ce Ding Tan)
- „Rohbau“ (OT: „Rohbau“, Deutschland, 2023, Regie: Tuna Kapten)
- „Schallner“ (OT: „Schallner“, Deutschland, 2023, Regie: Jon Grandpierre und Yakob El Deeb)
- „Scherben“ (OT: „Scherben“, Deutschland, 2023, Regie: Philipp Fröhlich und Dominik Gross)
- „Trinkhalle“ (OT: „Trinkhalle“, Deutschland, 2023, Regie: Alexa Ramthun)
- „Unsere Problemzone“ (OT: „Unsere Problemzone“, Deutschland, 2023, Regie: Maximilian Mundt und Anna-Lena Schwing)
- „Verrücktes Blut“ (OT: „Verrücktes Blut“, Deutschland, 2023, Regie: Can Tanyol)
- „Wald“ (OT: „Wald“, Österreich, 2023, Regie: Elisabeth Scharang)
- „Wer hat Angst vor Braunau?“ (OT: „Wer hat Angst vor Braunau?“, Österreich, 2023, Regie: Günter Schwaiger)
Quellen:
- Website der Internationalen Hofer Filmtage
- Wikipedia-Artikel über die Internationalen Hofer Filmtage