- Sieben Fragen an Nina Noël Raaijmakers - 6. April 2026
- „Femme“ (2024) - 6. April 2026
- Jetzt online! – Der Film „Growing Pains“ - 5. April 2026
Filmkritik: „Der Junge, dem die Welt gehört“ (Deutschland, 2023) ist das Langfilm-Debüt des Tausendsassas Robert Gwisdek, den neben der Regie auch Musiker und Schauspieler ist. Sein Spielfilm ist ein Kind der Pandemie und erzählt fast als Kammerspiel eine kleine Geschichte großer Poesie, der Liebe und Melancholie.
Basilio (Julian Vincenzo Faber) lebt zusammen mit seinem Mentor Kasimir (Denis Lavant) in einer großen Villa auf Sizilien. Während Kasimir unablässig versucht, ihn anzutreiben, arbeitet er an seiner Musik. Er möchte die Poesie der Welt in Musik verwandeln. Als er eines Tages Karla (Chiara Höflich) trifft, könnte sie ihm dabei helfen. Denn sie versteht ihn, den Jungen, der davon überzeugt ist, dass ihm die Welt gehört.
Der Spielfilm ist das Werk des 40-jährigen Robert Gwisdek. Er hat bereits als Schauspieler in Filmen wie „Renn, wenn Du kannst“ (2010), „3 Tage in Quiberon“ (2018) und „Sterben“ (2024) Karriere gemacht. Aber man kennt ihn auch als Musiker Käptn Peng, der zusammen mit seiner Band „Die Tentakel von Delphi“ spaßigen Hip-Hop macht. Auch mit Kurzfilmen wie „Circuit“ (2013) hat er schon sein Handwerk als Regisseur erprobt. Nun entstand in der Corona-Zeit sein Langfilmdebüt. Zusammen mit anderen Filmschaffenden u.a. auch seiner Mutter Corinna Harfouch haben sie sich in eine abgelegene, sizilianische Villa eingemietet, was den perfekten und beinah einzigen Spielort für seinen Film darstellt. Sein Drehbuch erzählt von der Macht und der Schönheit der Poesie, der Kunst und der Musik. Aber auch, wie schwierig es sein kann, seinen kreativen Geist zu bändigen. Die Geschichte ist aber auch eine wunderschöne Liebesgeschichte. Gwisdek bringt beides zusammen und erzählt mit vielen Überraschungen und surrealen Elementen von dem Zusammentreffen und Lieben-Lernen zweier Menschen. Dabei schafft er es, wunderbar Gefühl und Melancholie mit Humor, Wortwitz und Erfindungsreichtum in Gleichklang zu halten.
Die Inszenierung schmiegt sich wunderbar an die Geschichte an. Trotz seines Kammerspielcharakters schafft es Gwisdek, das Große in der Geschichte wunderbar mit seinen wenigen Locations einzufangen. Die Villa mit all ihren Räumen und Möglichkeiten als Hauptlocation wurde wunderbar ausgenutzt. Hinzu kamen Außendrehs, die das Sommerliche und so das Leichte der Liebesgeschichte betonen. Die Kameraarbeit von Fabian Gamper ist großartig und eröffnet immer wieder neue Perspektiven; er spielt mit dem Blick der Protagonist:innen und lässt auch hier Realität und Fantasie verschmelzen. Das Schwarz-Weiß der Bilder betont die Grundstimmung des Films und konterkariert die leichten, schwebenden Glücksgefühle der Liebe. In dieser Welt tummelt sich eine hervorragende Schar an Schauspieler:innen. In den Nebenrollen sieht man Corinna Harfouch, die erst vor kurzem für den Film „Sterben“ mit dem Deutschen Filmpreis als Beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet wurde und den Franzosen Denis Lavant in einer Rolle, in der er sich wunderbar austoben konnte. Doch besonders gelungen ist die Besetzung der beiden Hauptrollen, welche hier zum ersten Mal vor der Kamera stehen. Chiara Höflich und der schweizer Musiker Julian Vincenzo Faber sind ein fantastisches Paar, das die Zuneigung der Figuren genauso zu transportieren weiß, wie all die philosophischen Gedanken, den Humor und die Verrücktheiten. Man wird nicht müde, ihnen bei ihrer Suche nach der poetischen Musik und dem Glück zu begleiten, so dass man ihnen ganz unweigerlich ein Happy End wünscht. Schon jetzt gehört „Der Junge, dem die Welt gehört“ zu den schönsten und berührendsten Filmen des Jahres 2024.
Fazit: „Der Junge, dem die Welt gehört“ ist das Regie-Langfilm-Debüt des Regisseurs, Schauspielers und Musiker Robert Gwisdek. In fantastischen schwarz-weiß Aufnahmen, einem bestechenden Ambiente und großartigen Darsteller:innen erzählt er eine zutiefst schöne, berührende und melancholische Geschichte über die Liebe, die Musik, die Poesie und das Sein.
Bewertung: 9,5/10
Kinostart war am 2. Mai 2024
Trailer zum Film „Der Junge, dem die Welt gehört“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 57. Internationale Hofer Filmtage 2023 – Katalog (Programm ‚Langfilme‘)
- Bavaria Film, ‚Förderpreis in Hof vergeben – Bavaria Film erneut Preisstifter‘, bavaria-film.de, 2023
- RadioWelten, ‚62. Robert Gwisdek / Käptn Peng: Der Junge, dem die Welt gehört‘, RadioWelten Podcast, 2024
- Christian Berndt, ‚Robert Gwisdeks Film: Der Junge dem die Welt gehört‘, deutschlandfunkkultur.de, 2024
- Wikipedia-Artikel über den Film „Robert Gwisdek“
- SWR2 Kultur Aktuell, ‚Robert Gwisdek – Sein erster Film als Regisseur: „Der Junge dem die Welt gehört“ – SWR Kultur‘, swr.de, 2024

